Dorf Olinsk

Dorf Olinsk im Bezirk Nertschinski in Transbaikalien -- Foto:  Ivanov M V -- foto-planeta.com

Wenn man mit der Transsibirischen Eisenbahn gen Osten fährt, so hält der Zug vielleicht am Streckenkilometer 6.490 an der Station Priiskowaja. Der Bahnhof ist nur 7 km von der Stadt Nertschinsk entfernt. Der Bezirk Nertschinsk wird von 26.000 Personen bewohnt, wovon 15.000 in der Stadt Nertschinsk leben.

Früher gab es mal etwas Industrie im Bezirk. Eine Firma stellte Elektromotoren für Haushaltsgeräte und Waschmaschinen her. Es gab auch eine Ziegelei und Tapetenherstellung. Doch all diese Betriebe schlossen in der Zeit nach der Perestroika. Geblieben sind landwirtschaftliche Produktion, Schafzucht und Forstwirtschaft. Und so wundert es nicht, dass viele Männer sich durch die Antrittsprämien und den hohen Sold verleiten ließen, in den fernen Krieg in der Ukraine zu ziehen. 196 Kriegstote meldet der Bezirk.

Wohngebäude Nertschinsk

Wohngebäude in Nertschinsk -- Foto: SAKRI -- Lizenz: CC BY-SA 4.0

 Auf Grund von Überschwemmungen wurde Nertschinsk im Jahr 1812 auf höhere Gebiete verlegt.  Der Aufbau der neuen Stadt folgte einem regelmäßigen Plan mit breiten Straßen parallel zum Fluss Nertscha. Die Stadt prosperierte auf Grund von Goldlagerstätten in der Nähe. Große Teile dieser Bebauung sind noch immer erhalten, so auch das oben gezeigte Holzhaus.

Doch all das ist Vergangenheit, die Stadt- und Landbevölkerung geht leicht, aber stetig zurück. Im Bezirk sind seit der Jahrtausendwende rund 4.000 Menschen verloren gegangen.

Der Landkreis hat im Juni 2026 ein Video über die getöteten Männer im Krieg gegen die Ukraine aus dem Bezirk veröffentlicht. Man kann davon ausgehen, dass alle Kriegstoten in diesem Film zusammengefasst sind. Nicht dabei sind die vermissten Soldaten in jüngster Zeit. 

Insgesamt haben wir 196 Kriegstote aus dem Bezirk gezählt. Nimmt man unseren üblichen Vergleichsfaktor (Kriegstote auf 100.000 Bewohner), so errechnet sich für den Bezirk einen Wert von 743, der ist doppelt so hoch, wie für die ganze Region Transbaikalien (356). Auch hier zeigt sich - die Landbevölkerung trägt die Lasten des Krieges (und nicht die Stadtbevölkerung). 

Die Entwicklung der Todeszahlen stellt sich wie folgt dar: Jahr 2022 - 9 Tote, Jahr 2023 - 40 Tote, Jahr 2024 - 54 Tote, Jahr 2025 - 86 Tote und Jahr 2026 - 7 Tote. Man sieht auch hier, wie lange die Meldungen über Kriegstote dauern. Auch für 2025 dürfte die Zahl noch anwachsen.

Ein Trauerspiel für unsere Erfassung der Kriegstoten ist die Tatsache, dass wir von den 196 Gefallenen bisher nur 47 registriert hatten. Russland ist groß und wir werden auch in Zukunft noch einige dieser „schwarzen Löcher“ auffinden.

Das folgende Video dient nur der Dokumentation, es enthält Fotos der Toten und deren Geburts- und Todesdaten. Weitere Informationen sind nicht vorhanden, die Begleitmusik haben wir entfernt.


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