Russisches Flugblatt o1
In den letzten Tagen sind russische Gerbera-Drohnen über der ukrainischen Region Sumy aufgetaucht und haben Flugblätter abgeworfen. Flugblätter über feindlichem Gebiet abzuwerfen ist eine bekannte Methode der psychologischen Kriegsführung, die man bereits aus dem zweiten Weltkrieg kennt. Im russischen Krieg gegen die Ukraine werden Flugblätter aus der Luft von beiden Seiten verwendet, meist um die gegnerischen Soldaten zur Kapitulation aufzufordern.
Neu ist allerdings, dass Russland versucht, mit der Weltpolitik Ängste bei der Zivilbevölkerung auszulösen. Und wer wäre da besser geeignet als der amerikanische Präsident? So bildet jenes Flugblatt die aktuelle politische Situation nach. Donald Trump wendet sich von der Ukraine ab (was er eigentlich schon länger tut) und kümmert sich um seinen eigenen Krieg gegen den Iran. Der Text: „Die Hilfe für die Ukraine gehört der Vergangenheit an!“

Anzeige RusslandÜberall in Russland wird Werbung für den Vertragsdienst beim russischen Militär geschaltet, denn Russland benötigt jeden Monat mehr als 30.000 frische Soldaten, um die Verluste an Verletzten und getöteten Soldaten an der Front in der Ukraine wieder wett zu machen. Die in den Anzeigen ausgelobten Beträge sind häufig reine Fiktion, sie entsprechen nicht den Vertragsbedingungen. Die hohen Summen bei Vertragsunterzeichnung gibt es nur in wenigen Regionen, der angegebene monatliche Verdienst wird nur dann bezahlt, wenn man an vorderster Front bei den Sturmtruppen aktiv ist. Ist der Soldat verletzt und befindet sich in Behandlung wird nur ein Bruchteil bezahlt. Zudem stellt die Armee nur eine bescheidene Ausrüstung, Schutzwesten, Brillen, Handschuhe usw  müssen die Soldaten selbst bezahlen. Auch die Kommandeure verlangen einen großen Obolus für die Regimentskasse, weil sonst der Nachschub nicht gewährleistet wird.
Aktuell ist eine Anzeige aufgetaucht, die 17,5 Millionen Rubel für eine Vertragsunterzeichnung verspricht. 17,5 Millionen Rubel sind umgerechnet knapp 200.000 €, kaufkraftbereinigt sogar noch deutlich mehr. Bei solchen Summen kann man schon mal schwach werden und das Risiko eines Vertragsdienstes auf sich nehmen. Bei einem genaueren Blick auf die Details erfährt der Soldat, dass die vielen Rubel nur dann rollen, wenn er -vertragsgemäß- tot von der Front nach Hause kommt. Ein kriegsunterstützender Telegram-Kanal schreibt zur Anzeige: „In der Werbung wird der jährliche Verdienst zusammen mit der Sterbegeldversicherung angegeben. Könnte jemand Verantwortlicher diesen Werbetreibenden endlich eine Abfuhr erteilen?“

Den Medien in Russland ist es verboten, über die Resultate ukrainischer Drohnenangriffe zu berichten. Es werden deshalb ausschließlich Erfolgsmeldungen veröffentlicht - wie zum Beispiel „42 Drohnen abgeschossen“. In der Nacht vom 3. auf 4. April 2026 gab es einen ukrainischen Drohnenangriff auf ein Chemiewerk in der Stadt Toljatti in der Region Samara.  Um etwas über die Stimmung unter der Bevölkerung zu erfahren, lohnt es sich, die Kommentare zu den Presseberichten zu lesen:

  • Ich habe das Gefühl, eine gespaltene Persönlichkeit zu entwickeln... Von morgens bis abends erzählt mir das Fernsehen, wie wir gewinnen, aber sobald ich das Internet öffne, strömen immer mehr Informationen auf uns ein...
  • Gast, Trump macht eine Pause. Wir haben die Ukraine schon 500 Mal besiegt, jedes Mal haben wir etwas zurückgewonnen. Aber wie siehst du das? Ist denn noch alles beim Alten? Russland wird auch immer tiefer getroffen, alles nach Plan, sagt jemand – ich will seinen Namen nicht nennen
  • Wenn P. kein Öl geliefert hätte, wäre das Geld für diese Sonderoperation schon längst aufgebraucht, und es gäbe Frieden.
  • Wählen Sie weiterhin Einiges Russland und seinen Vorsitzenden, um mehr Nachrichten wie diese zu sehen.
  • Normalerweise heißt es, es gäbe keine Opfer oder Schäden, aber hier schon; offenbar traf Toljatti viel.
  • Wir brauchen Frieden, nicht diesen Donbass! P. hat zugegeben, dass 1,3 Billionen Rubel in die Krim investiert wurden! Und das Schlagloch in der Nähe meines Hauses ist seit 25 Jahren nicht repariert; es fehlt einfach das Geld.

Das russische Militär braucht dringend frische Zeitsoldaten, um die Verluste an der Front in der Ukraine auszugleichen. Für technikaffine junge Leute gibt es deshalb die Möglichkeit, als Drohnenpilot ausgebildet zu werden. Bisher wurden hauptsächlich junge Studenten, die über 18 Jahre alt waren, an den Hochschulen und Fachschulen gezielt angesprochen.  In Wolgograd machen jetzt bereits einige Schulen Werbung zum Vertragsdienst als Drohnenpilot.
Spätestens mit 16 Jahren endet in Russland die Schulzeit, so auch in den beiden Sekundarschulen Nr. 57 und 83. in Wolgograd. Und doch fand sich auf den VKontakte-Seiten der beiden Schulen am 13. Februar 2026 eine Werbeanzeige für den Vertragsdienst in der russischen Armee, speziell als Drohnenpilot. Die Schule Nr. 57 hat die Anzeige inzwischen entfernt, auf den Seiten der Schule Nr. 83 ist die Anzeige immer noch zu finden.
Die Werbeanzeige der Schule Nr. 57, die Anzeige der Schule Nr. 83.

Kirill Dmitriev 2025 05 13Kirill Dmitrijew ist der eigentliche Außenminister Russlands. Kirill wurde im Jahr 1975 in Kiew in der Ukraine geboren und war einer der ersten sowjetischen Austauschschüler in den USA. Dort erhielt er einen Universitätsabschluss und arbeitete anschließend als Investmentbanker in den USA und Europa. Im Jahr 2000 ging er zurück nach Russland und verwaltete große russische und ukrainische Vermögen. Aktuell ist er Wladimir Putins persönlicher Gesandter bei den Verhandlungen mit der Ukraine. Gute Ratschläge gibt er bei Twitter (X) gerne gratis. So schreibt er angesichts der Verwerfungen durch den US-amerikanischen Krieg gegen den Iran:
„Die EU warnt 15 JAHRE ZU SPÄT: Sie ist nicht auf einen „lang anhaltenden Energieschock“ vorbereitet. Die EU hat es versäumt, die Energieströme zu diversifizieren; sie ließ sich von russophober, grüner und woker Ideologie leiten. Immer noch nur Warnungen, keine wirklichen Lösungen. Nur Ideen: Preiserhöhungen an der Zapfsäule auf eine pro Tag begrenzen  und Energieverbrauch senken.
Kirill irrt wie meist, denn jene angeblich russophobe, grüne und woke Ideologie hat dazu geführt, dass Deutschland sich in Sachen Gas und Erdöl komplett von Russland unabhängig gemacht hat und nicht mehr erpressbar ist. Und zudem - je mehr grüne Energie in Deutschland selbst hergestellt wird, um so weniger sind wir von den aktuellen und zukünftigen Verwerfungen auf dem internationalen Energiemarkt abhängig.

PavelMalkovDas russische Militär benötigt ständig neue Zeitsoldaten, um die großen Verluste an der Front zu ersetzen. Der Gouverneur der Region Rjasan, Pawel Malkow (Foto), verpflichtet jetzt Firmen, eine gewisse Quote ihrer Mitarbeiter an die Front abzustellen.
Der entsprechende Erlass sieht vor, dass Unternehmen mit einer Belegschaft von 150 bis 300 Mitarbeitern zwei Zeitsoldaten abstellen müssen, Firmen mit einer Belegschaft von 300 bis 500 Mitarbeitern müssen drei und Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern müssen fünf Vertragssoldaten stellen.
Rechtliche Grundlage ist ein Erlass des russischen Präsidenten aus dem Jahr 2022, die den Leitern der Regionen die Befugniss erteilt,  „Maßnahmen zur Deckung des Bedarfs“ der russischen Streitkräfte umzusetzen.

Igor Leonidowitsch UstuschaninDer ehemalige Bürgermeister der Stadt Manturowo in der Region Kostroma Igor Leonidowitsch Ustuschanin schloss einen Vertrag mit dem Verteidigungsministerium, nachdem er wegen Korruptionsvorwürfen verurteilt worden war. Am 16.02.2026 wurde sein Tod gemeldet. Igor führte die Stadtverwaltung nur zwei Jahre lang.
Wie das Gericht feststellte, erhielt Ustuschanin persönlich von November 2021 bis März 2023 über einen bevollmächtigten Vertreter große Bestechungsgelder von drei Unternehmern. Die Gesamtsumme betrug 760.000 Rubel (etwa 8.100 €). Im Gegenzug ermöglichte er ihnen, immobiles Eigentum eines Werks zu demontieren.
Igor wurde zu einer Freiheitsstrafe von 8,5 Jahren verurteilt - in einer Kolonie mit strengem Regime. Statt die Strafe zu verbüßen unterschrieb er einen Zeitvertrag mit dem Militär und ging an die Front. Dort nahm Igor ein Video auf, in dem er erklärte, man habe ihn hereingelegt. Es sei ihm nicht gelungen, eine Überprüfung des Falls zu erreichen und seine Unschuld zu beweisen. Seiner Behauptung zufolge wurde er beseitigt, um die Stelle für eine andere Person freizumachen.
Der Getötete hinterließ eine Frau und fünf Kinder. Die Abschiedszeremonie fand am 17. Februar 2026 in der Stadt Manturowo statt.

Die St. Petersburger Internetzeitung „Fontanka“ berichtet, dass Ilja Remeslo sich noch immer in der geschlossenen Abteilung der psychiatrischen Klink befindet. Das gab sein Anwalt bekannt: „Die Familie teilte mit, dass Ilja Borissowitsch seine Behandlung fortsetzt und bittet darum, Takt und Diskretion walten zu lassen – nicht gestört zu werden.“ Die Berichte um seine Freilassung sind falsch.
Sie behandeln die Wahrheit“, kommentiert ein Leser den Beitrag auf „Fontanka“.

Winnowskaja SekundarschuleDas ist keine Technik-Unterrichtsstunde, sondern ein Kampfeinsatz“, schrieb die Winnowskaja-Sekundarschule in Astrachan im Oktober 2024. Die Schüler stellten in diesen Unterrichtseinheiten Grubenkerzen für die Front her. Aus einer aktuellen Recherche der Internetmedien „Werstka“ und „Ne Norma“ geht hervor, dass in über tausend Schulen in Russland Ausrüstungsgegenstände für das russische Militär hergestellt werden. Dazu gehörten Uniform- und Tarnkleidung (Helme, Ponchos, Tarnnetze), Grabenkerzen, Schlaf- und Hygieneartikel sowie Lebensmittel.
Die Republik Baschkortostan ist dabei führend, an 76 Schulen werden Ausrichtungsgegenstände hergestellt. Danach kommen  Krasnodar (53 Schulen), Tatarstan (52) und Rostow (40). Die Hauptstadt Moskau liegt dahinter auf dem 5. Platz (38).
Einer der Slogans aus dem Großen Vaterländischen Krieg – ‚Alles für die Front! Alles für den Sieg!‘ – ist heute aktueller denn je“, schrieben die Mitarbeiter der Schule Nr. 5 in Morosowsk, Oblast Rostow.
Alles fuer die Front

Alexander Michailowitsch ZajarnijAlexander Michailowitsch Zajarnij, geboren am 7. August 2006, ist zwischen die Fronten geraten. Sein Vater ist mit ihm und einem anderen Kind im Jahr 2017 von der Ukraine nach Russland gezogen. Seine Mutter und seine Großmutter blieben in der Ukraine. Vater und Kinder lebten in der Großstadt Rjasan, etwa 200 km südöstlich von Moskau. Alexander ging dort zur Schule, doch als er älter wurde bekam er Probleme mit der öffentlichen Verwaltung. Er stand mit 17 und 18 Jahren dreimal vor Gericht, weil seine Aufenthaltsberechtigung abgelaufen war. Offensichtlich hatte sich sein Vater nicht darum gekümmert.
Den Rest kann man sich zusammenreimen. Um die russische Staatsbürgerschaft zu bekommen, bieten die Behörden einen einfachen Weg: Melde dich freiwillig zum Dienst an der Front, dann bekommst du die Staatsbürgerschaft mit Kusshand.  Wahrscheinlich war auch das der Weg, den der junge Alexander ging. Am 9. September 2025 schloss er einen Vertrag mit dem russischen Militär, um gegen sein Vaterland (in diesem Fall Mutterland) zu kämpfen. Das endete übel - bereits am 19. Oktober 2025 war Alexander tot.
Ein freundlicher, fleißiger, mitfühlender und aufrichtiger Mensch – das war Alexander...“, schrieb seine Rjasaner Schule im Nachruf.

Das Sterben all der vielen Soldaten ist auf unseren Seiten eine abstrakte Sache. Wir zählen die Toten, wir berichten von Begräbnissen & Denkmälern getöteter Soldaten aus großer Entfernung. All das Leid der vom Krieg Betroffenen, der Schmerz der Angehörigen und der grausame Tod der russischen Soldaten können wir kaum vermitteln. Und je länger der Krieg dauert, um so schwerer fällt uns, dazu eine kühle Distanz einzunehmen. Dieser Krieg ist nicht nur ein Verbrechen am Volk der Ukrainer, sondern auch ein Verbrechen des russischen Staats an seiner eigenen Bevölkerung. Immer mehr russische Soldaten werden für ein paar Hektar ukrainischen Bodens geopfert und kein Ende ist in Sicht.
Die russischen Soldaten werden meist in kleinen Gruppen oder einzeln an der langen Frontlinie vorwärts geschickt, in der Hoffnung, hinter die ukrainischen Befestigungen zu kommen und den Nachschub für die Frontstellungen zu erschweren. Die meisten dieser Einzelkämpfer werden getötet. Dazu zeigen wir drei Beispiele, die nicht für Jugendliche und Menschen mit schwachen Nerven geeignet sind. 

  • Im ersten Video wandert ein russischer Soldat durch die weiten Felder an der Front. Eine Drohne umkreist ihn, er reagiert zunächst nicht, als er sich danach umschaut sieht man noch schnell sein erstauntes Gesicht (Video1).
  • Im zweiten Video ist wieder ein einzelner russischer Soldat mit reichlich Gepäck unterwegs. Er hört die Drohne kommen, wirft sich in eine kleine Kuhle und stellt sich tot, in der Hoffnung, dass die Drohne ihn nicht angreift. Kurz vor dem finalen Knall sieht man noch das junge Gesicht des Soldaten. Eine Überwachungsdrohne zeigt die Tötung. (Video2)
  • Vom dritten Video zeigen wir nur einen Teil. Auf eine Gruppe von zwei Soldaten wird eine Granate abgefeuert, diesen Teil haben wir weggelassen. Einer der Soldaten wird schwer verletzt, der andere leicht. Der Schwerverletzte bittet seinen Kameraden um den Gnadenschuss. Dieser kommt der Bitte nach und erschießt sich danach selbst. Denn auch mit leichten Verletzungen überlebt man an der Front selten. Er hätte sich auch ergeben können, aber das war wohl keine Option für ihn (Video3).

Durch den Krieg der USA und Israel gegen den Iran sind die Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine höchst wahrscheinlich gescheitert. Die Sperrung der Straße von Hormus lässt die Energiepreise weltweit steigen. Aus innenpolitischen Gründen, um die Preissteigerungen in Grenzen zu halten, hat die amerikanische Regierung die Sanktionen gegenüber Russland ausgesetzt. So nimmt der russische Staat wieder viel Geld mit dem Verkauf von Rohöl und Gas ein und steht nicht mehr finanziell unter Druck.
Auch der amerikanische Präsident hätte das Interesse an den Verhandlungen verloren, seine Konzentration gilt jetzt der Situation im Iran, schreibt die „Financial Times“ und bezieht sich auf ungenannte Regierungsmitarbeiter. Donald Trump sieht die Schuld sowieso bei der Ukraine.
Zudem gibt es Berichte, dass es in den nächsten Tagen eine entsprechende Information der Abgeordneten des ukrainischen Parlaments gibt. Der gut unterrichtete Telegram-Kanal Ukraine-Kontext berichtet: „...dass das Land in einen langen Kriegszeitraum eintritt - mit allen entsprechenden Konsequenzen.

Die russische Regierung plant, alle Ausgaben im Bundeshaushalt um 10% zu kürzen. Ausgenommen davon wären Sozialausgaben, die Kriegskosten und die Unterstützung der Familien der Soldaten. Damit soll das Defizit im Staatshaushalt begrenzt werden.
Das russische Finanzministerium gab am 10. März 2026 bekannt, dass das Haushaltsdefizit in den ersten beiden Monaten 2026 bereits 3.449 Billionen Rubel bzw. 1,5 % des BIP (Bruttoinlandsprodukt) erreicht hat. Geplant war ein Defizit von 3.786 Billionen Rubel bzw. 1,6 % des BIP für das ganze Jahr 2026.

Zur Erinnerung: In Russland können verschuldete Männer, wenn sie sich als Zeitsoldaten länger als ein Jahr verpflichten, sich von Darlehens- und Hypothekenschulden von bis zu 10 Millionen Rubel (etwa 109.000 €) befreien lassen.
Aus der Region Perm liegen uns dazu konkrete Zahlen vor.
Im Jahr 2025 haben 6.500 Einwohner der Region Perm diese Möglichkeit der Entschuldung ergriffen und einen Vertrag zum Kriegsdienst unterschrieben. Dadurch wurden 22.000 Vollstreckungsverfahren obsolet. Die Gesamtsumme aller erlassenen Schulden betrug 968 Millionen Rubel. 
Das bedeutet, dass im Durchschnitt 149.000 Rubel Schulden erlassen wurden. Der Betrag entspricht etwa 1.626 €, trotz der höheren Kaufkraft des Rubels in Russland ein geringer Betrag für das Risiko einer schweren Verletzung oder des Todes.

HilfeWir sind bereit, uns zu ergeben. Wir sind erschöpft. Wir haben seit drei Wochen nichts gegessen. Wir brauchen Nahrung und Kommunikationsmöglichkeiten“ lautet der Text auf dem Plakat.
Wir haben die russische Strategie der Infiltration der gegnerischen Linien einzeln oder in kleinen Gruppen schon öfters vorgestellt. Das ist ein mögliches Resultat. Im Raum Liman, Region Donezk, hat eine Drohne dieses Plakat aufgenommen. Geschrieben wurde es von russischen Soldaten, die von ihrem Kommandeur im Stich gelassen wurden. Das ist bei dieser Kampftaktik keine große Sache, die meisten Angreifer überleben sowieso nicht. Vielleicht hatten diese Soldaten Glück und wurden gefangen genommen.

Raschid IljassowNabereschnyje Tschelny ist mit rund 550.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt in der russischen Teilrepublik Tatarstan. Der Militärkommissar der Stadt, Raschid Iljassow (Foto), hat gegenüber der Presse ein paar Angaben zur Rekrutierung für den Kriegsdienst in der Ukraine gemacht. Danach hat die Stadt 1.400 Soldaten rekrutiert und in das Kriegsgebiet geschickt. Plan erfüllt! Im aktuellen Jahr sollen  1.500 neue Soldaten gewonnen werden. „Insgesamt hat die Republik letztes Jahr ihr Jahresziel um 110 % übertroffen. Die Vertragssoldaten kommen nicht nur aus der Stadt, sondern aus ganz Russland. Weil die Motivation in Tatarstan sehr hoch wäre“, sagte der Kommissar. Wenn er von Motivation spricht, meinte er wahrscheinlich die hohen Antrittsprämien, die aktuell 3,1 Millionen Rubel (etwa 33.600 €) betragen
Tatarstan hat in absoluten Zahlen mit 8.246 Kriegstoten bis zum 31.12.25 die zweithöchste Todesrate in ganz Russland.

Im Jahr 2013 saßen etwa 700.000 Häftlinge in Russlands Haftanstalten. Diese Zahl hat sich inzwischen mehr als halbiert. Wladimir Dawydow, stellvertretender Vorsitzender des Obersten Gerichtshofs Russlands, nannte dazu aktuelle Zahlen: „308.000 Bürger befinden sich in Gefängnissen und Untersuchungshaftanstalten. […] Auch die Zahl der Untersuchungshäftlinge ist mit 89.000 Personen auf einem historischen Tiefstand“. Seine Begründung für diesen Rückgang ist allerdings skurril: „Dies ist das Ergebnis eines Kurses hin zu einer humaneren Gesetzgebung und Strafverfolgungspraxis“.
Richtiger wäre, Russland verheizt seine Strafgefangenen im Krieg gegen die Ukraine. Der ukrainische Geheimdienst veröffentlichte Anfang 2025 eine Schätzung von 140.000 - 180.000 Gefangenen, die vom russischen Militär für den Krieg rekrutiert wurden. Im Jahr 2025 kam sicher noch eine beachtliche Anzahl dazu.

Wie dringend die russische Regierung neue Freiwillige für den Krieg in der Ukraine benötigt, zeigen diese Aufnahmen aus den Straßen von Moskau. Überall in der Stadt finden sich solche Webetafeln. Dabei geht es nicht mehr um die ideologische Rechtfertigung des Krieges wie „Kampf gegen den Faschismuss oder die Nato“, sondern nur noch um Geld: „Steigen Sie in die Drohnenstaffel ein und verdienen Sie dasselbe wie ein Lehrer in Belgien“. Der unbefangene Leser dieser Werbetafeln könnte meinen, dass man nach Vertragsunterzeichnung irgendwo in einem Kontrollzentrum sitzt - fernab jedweder Gefahr, Drohnen bedient und dabei Millionen Rubel scheffelt.  Doch das ist falsch - es gibt keine speziellen Verträge für Freiwillige als Drohnenpiloten. Das Militär schickt die Männer mit neuen Zeitverträgen dorthin, wo gerade der Personalstand niedrig ist. Und so scheitern viele Hoffnungen auf ein gutes Leben in den Todeszonen an der Front.

Russland musste im Januar 2026 nach langer Zeit wieder auf seine Goldreserven zurückgreifen und hat 300.000 Feinunzen Gold verkauft. Wer mit dem Begriff Feinunze nichts anfangen kann, eine Unze entspricht etwa 31 Gramm. Russland hat folglich mehr als neun Tonnen Gold verkauft und damit ungefähr 1,2 Milliarden € erlöst. Damit lässt sich das Loch, das der Krieg gegen die Ukraine in den russischen Haushalt reißt, zumindest teilweise stopfen. 
Zudem hat Russland noch Glück mit seinen Goldreserven. Auf Grund der weltweiten Unsicherheiten gilt Gold als sichere Anlage und die Nachfrage wächst.  So ist der Goldpreis im letzten Jahr stark gestiegen und die etwas geringeren russischen Reserven sind trotzdem mehr wert als im Jahr 2024.

Ende August 2024 haben wir eine Sperrverfügung von der russischen Regulierungsbehörde für das Internet "Roskomnadsor" erhalten. In der Begründung heißt es: „Die Tätigkeit der Internet-Ressource wurde als rechtswidrig und als Verstoß gegen die Rechte der Bürger auf Privatsphäre, Persönlichkeits- und Familiengeheimnis anerkannt“. So kann man das nennen, wenn man die Menschen in Wort, Bild und mit persönlichen Daten über all die vielen getöteten russischen Soldaten im Krieg gegen die Ukraine informiert.
Mit einer ähnlichen Begründung geht Roskomnasdor jetzt auch gegen Telegram vor. Sie wirft der Plattform vor, personenbezogene Daten von Russen illegal zu verbreiten, unter anderem in Form von „persönlichen Dossiers“. Telegram solle eigenständig die Weitergabe von personenbezogenen Daten russischer Bürger verhindern. Und natürlich meint die Behörde mit diesen verschwurbelten Formulierungen nichts anderes als die vielen Kanäle aus Russland heraus, die Informationen über die regionalen Verluste im Krieg liefern. Russland will weiter Krieg führen, dafür das Leben vieler ihrer Soldaten opfern - nur soll die Bevölkerung nicht mit solch negativen Informationen beunruhigt werden.

Schlechte NachrichtenDer Chat- & Nachrichtendienst Telegram soll in Russland komplett gesperrt werden. Im Moment scheint er dort noch eingeschränkt nutzbar zu sein. Das bringt viele russische Informations- und Propagandakanäle zur Verzweiflung, weil sie ihr Geschäftsmodell darauf aufgebaut haben. 
Warum die russische Regierung trotzdem Telegram abwürgen will, könnte auch an Kanälen wie „Erwarten Sie keine guten Nachrichten“ liegen. Bei diesem Projekt, wahrscheinlich aus der Ukraine heraus initiiert, können sich russische Teilnehmer melden und ihre Videos veröffentlichen. Es geht zum Beispiel um 

  • Die Suche nach vermissten russischen Soldaten,
  • um Hilfe bei mit Gewalt zum Kriegsdienst „überredeten“ Wehrpflichtigen,
  • um Angehörige von gefallenen Soldaten, die in der russischen Bürokratie stecken geblieben sind,
  • um Gewalt in der russischen Armee,
  • um schwer verletzte Soldaten, die trotzdem an die Front geschicht werden,
  • usw.

Die meisten Beiträge enthalten selbst aufgenommene Videos der Betroffenen oder ihrer Angehörigen, dazu amtliche Dokumente und Schriftverkehr. Natürlich muss man in diesem Zusammenhang erwähnen, dass all diese persönlichen und familiären Dramen daraus entstanden sind, dass die russischen Teilnehmer an diesem Krieg sich einen schnellen Rubel durch das Töten ihrers Nachbarvolkes versprochen hatten. Doch all diese vielen Dramen zusammen verstärken das düstere Bild eines Russlands, das seine imperialen Interessen ohne Rücksicht und Gnade gegenüber den eigenen Bürgern durchsetzt. 

Andrej Walerjewitsch Zlygostjew Wer in der russischen Gesellschaft vorankommen will, braucht Beziehungen. Waisen haben diese in der Regel nicht und können diesen Makel auch nicht durch gute Leistungen ausgleichen. So bleibt häufig nur das Militär, wir haben das schon viele Male dokumentiert.
Andrej Walerjewitsch Zlygostjew, geboren am 1. Dezember 2006, wurde im Alter von vier Jahren aus einem Waisenhaus heraus von einer Pflegemutter übernommen. Er besuchte die Mittelschule Nr. 2 in Ust-Ordinsk in Irkutsk und ab der 9. Klasse die Abendschule. Anschließend erlernte er ein Jahr lang den Beruf des Kochs und Konditors. Die Familie zog dann nach Jakutien (Sacha) und Andrej sattelte auf den Beruf des Gasschweißers um.
Vielleicht wurde Andrej am 22.10.2025 zum Wehrdienst eingezogen und zum Vertragsdienst „überredet“ oder er meldete sich gleich freiwillig zum Kriegsdienst - der Nachruf lässt beide Versionen zu. Sicher ist - Andrej kam zum Kampfeinsatz an die Front und wurde zwei Tage nach seinem 19. Geburtstag getötet. Sein Militärdienst dauerte damit gerade 43 Tage.

Die Deutsche Welle berichtet heute von einer Pressekonferenz der NATO in Brüssel. Auf die Frage nach den russischen menschlichen Verlusten im Krieg gegen die Ukraine sagte der NATO-Sprecher:

Seit Beginn des umfassenden Einmarsches in die Ukraine hat Russland etwa 1,3 Millionen Menschen verloren, davon rund 350.000 Tote. Allein im Jahr 2025 hat die russische Armee fast 400.000 Tote und Verwundete zu beklagen.

Diese Zahlen entsprechen in etwa unseren Erhebungen und Abschätzungen. Zum Vergleich haben wir die NATO-Angaben in unsere Zusammenstellung eingepflegt.

Im Dezember 2025 sind im Abstand von einigen Tagen zwei Cargo-Flugzeuge in Jakutsk (Hauptstadt der Republik Sacha) gelandet und haben die Särge von im Krieg getöteten Jakuten angeliefert. Wir haben im Januar 2024 ein Video solch einer Anlieferung veröffentlicht, leider haben wir kein neues Video entdecken können.
Im Augenblick verzeichnen wir deshalb viele neue Meldungen über Kriegstote aus dieser Region Russlands. Offensichtlich wurden in letzter Zeit auch vermehrt Einheiten aus Jakutien an der Front eingesetzt. Im Internet kursierte ein Video, das die Tötung einer solchen jakutischen Einheit in einem Wäldchen an der Front zeigt.
Ganz offensichtlich sterben aktuell mit den Jakuten bevorzugt eine neue Ethnie für den Krieg der Russen. In unserer Statistik der Kriegstoten in Relation zur Bevölkerung stand Jakutien (Sacha) Ende des Jahres 2023 auf Platz 22, Ende des Jahres 2024 auf Platz 16 und zum 31.12.2025 auf Platz 9. Noch sind wir nicht so weit, den ganzen Monat Januar 2026 beurteilen zu können. Es ist aber zu erwarten, dass Jakutien weiter vorrückt.

Der Soldat in diesem kurzen Video kommt der Physiognomie nach aus dem Fernen Osten Russlands. Er hat das für ihn aussichtslose Rennen um sein Leben aufgegeben und wollte zumindest in Würde sterben.
Um die ukrainischen Verteidigungslinien zu durchbrechen, werden die russischen Zeitsoldaten alleine oder in kleinen Gruppen losgeschickt, um Lücken zu finden und die gegnerischen Linien zu infiltrieren. Die russischen Kommandanten nehmen dabei in Kauf, dass die meisten dieser Soldaten nicht zurückkehren werden - zumindest nicht lebend.
Dieser russische Angriffskrieg ist nicht nur ein Verbrechen an der Ukraine, sondern auch ein Verbrechen an den eigenen russischen Bürgern. Russland ist bereits das größte Land auf der Erde, trotzdem werden seine Männer für weitere Quadratmeter fremden Bodens geopfert.

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