Seit dem zweiten Jahr des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine haben wir die Meinung vertreten, dass dieser Krieg nicht ausschließlich militärisch entschieden wird.  Eine entscheidende Rolle spielt, wie sich die wirtschaftliche Situation der Kriegsparteien entwickelt. Die Ukraine hängt am Tropf der europäischen Staaten, solange diese Unterstützung bleibt, kann das Land knapp wirtschaftlich überleben. 

Russland hat sich seit langer Zeit ökonomisch auf diesen Krieg vorbereitet. Durch die sprudelnden Einnahmen aus dem Export von fossilen Brennstoffen konnte das Land Rücklagen bilden - Russland hat eine geringe Staatsverschuldung, im „Nationalen Wohlfahrtsfond“ wurden Erträge aus dem Rohstoffexport angespart und die staatlichen Devisen- und Goldreserven aufgestockt. Zu Beginn des Krieges haben zudem die stark steigenden Rüstungsausgaben zu einem Wirtschaftsboom geführt, verbunden mit steigenden Einkommen der Arbeiter und Angestellten.

Manche Ökonomen hatten den baldigen Kollaps der der russischen Wirtschaft ob der hohen Ausgaben vorhergesagt,  doch die die russische Wirtschaft blieb bisher einigermaßen resilient. 

Wir veröffentlichen zur aktuellen Situation einen Beitrag von Dr. Janis Kluge von der Stiftung Wissenschaft und Politik, der sich wissenschaftlich mit der russischen Kriegsökonomie beschäftigt und über dessen Ergebnisse wir schon mehrfach berichtet haben.

In diesem Beitrag fassen wir alle uns bekannten Zahlungen an die Freiwilligen zusammen, die mit dem russischen Militär einen Vertrag zum Dienst in der Kriegszone in der Ukraine abschließen. Viel hat sich in den letzten Monaten nicht geändert. Die Antrittsprämien für den Vertragsdienst bleiben auf hohem Niveau und überfordern manche Haushalte der Regionen. Es gibt Meldungen, dass das russische Militär nicht mehr genügend Freiwillige gewinnen kann, um die Verluste an der Front zu ersetzen. Belastbare Zahlen gibt es allerdings nicht.

All die vielen Rubel, die der russische Staat an die Freiwilligen ausschüttet, zerrinnen den Soldaten an der Front zwischen den Fingern. Da gilt es zunächst teure Ausrüstung wie Schutzwesten und Brillen, Helme und Schuhwerk zu besorgen, denn die Armee stellt nur das Notwendigste. Und dann gibt es noch ein mafiöses System an der Front, das die neu angekommenen Soldaten regelrecht finanziell aussaugt.

In diesem Beitrag fassen wir alle uns bekannten Zahlungen an die Freiwilligen zusammen, die mit dem russischen Militär einen Vertrag zum Dienst in der Kriegszone in der Ukraine abschließen. Seit unserer letzten Veröffentlichung Ende Juli haben einige Regionen ihre Antrittsprämien angepasst. Wenn eine Region Probleme hatte, ihre von Moskau vorgegeben Quoten zu erreichen, wurden die Zahlungen erhöht. Im Fall dass eine Region ausreichend Zeitsoldaten stellen kann, wurden die Zahlungen reduziert. Im Juli zahlten die Regionen im Durchschnitt 2.167.000 Rubel als Prämie, Anfang September 2026 erhöhte sich der Durchschnittsbetrag auf 2.339.000 Rubel.

Es gibt Meldungen, dass das russische Militär nicht mehr genügend Freiwillige gewinnen kann, um die Verluste an der Front zu ersetzen. Belastbare Zahlen gibt es allerdings nicht.

All die vielen Rubel, die der russische Staat an die Freiwilligen ausschüttet, zerrinnen den Soldaten an der Front zwischen den Fingern. Da gilt es zunächst teure Ausrüstung wie Schutzwesten und Brillen, Helme und Schuhwerk zu besorgen, denn die Armee stellt nur das Notwendigste. Und dann gibt es noch ein mafiöses System an der Front, das die neu angekommenen Soldaten regelrecht finanziell aussaugt.

31 05 26Nach unserer bewährten Hochrechnung dürften die russischen Verluste inzwischen bei 356.000 Kriegstoten und zusammen mit den Kriegsversehrten bei 1,3 Millionen russischen Kriegsopfern liegen. Der britische Geheimdienst schätzt noch weit höhere Zahlen - er geht von 500.000 russischen Kriegstoten aus.

Kein Grund für den russischen Präsidenten in ernsthafte Friedensverhandlungen einzusteigen. Er bleibt bei seinen Maximalforderungen, die im Resultat die totale Unterwerfung der Ukraine unter das russische Diktat bedeuten würden und keine Garantie bieten, dass Russland erneut militärisch gegen die geschwächte Ukraine vorgehen würde.

Wir fragen uns täglich: Was ist das für eine russische Regierung, die jeden Monat zwischen 30.000 und 35.000 russische Männer durch Verletzung und Tod opfert, um wieder ein paar Quadratkilometer verwüstetes ukrainisches Land zu erobern?

Alexei UminskyAlle großen Glaubensgemeinschaften in Russland unterstützen den russischen Angriffskrieg. Der russisch-orthodoxe Patriarch Kirill hat kürzlich eine Ikone an die russischen Streitkräfte übergeben, „mit dem Wunsch nach Gottes Hilfe und Kraft bei der Erreichung der für das Vaterland notwendigen Ergebnisse, die heute erzielt werden, auch auf dem Schlachtfeld.“ Aber auch die geistlichen Führer der russischen Muslime und der Buddhisten stehen hinter dem Kriegsabenteuer von Wladimir Putin. Einzige Ausnahme ist der in den USA geborene kalmückische Lama Telo Tulku Rinpoche, der sich schnell in die Mongolei absetzten musste.

Doch nicht alle orthodoxen Priester sind mit dem Kriegskurs ihrer Kirche einverstanden. Wer keine Gebete zur Unterstützung der russischen Armee spricht, wird aus seinem kirchlichen Amt schnell entfernt. Knapp 50 russisch-orthodoxe Prister wurden bereits deshalb entlassen. Bekanntestes Gesicht ist Alexej Anatoljewitsch Uminski (Foto links), der bis Januar 2024 Erzpriester des Moskauer Patriarchats und Rektor der Dreifaltigkeitskirche in Chochly bei Moskau war. 

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat im Land unvorstellbare Umweltschäden angerichtet. Die Schutzhülle um das ehemalige Kernkraftwerk Tschernobyl wurde beschädigt, der Kachowka-Staudamm wurde gesprengt und hat hunderte Quadratkilometer Land überflutet und landwirtschaftliche Nutzfläche zerstört.  Die Erde im Kriegsgebiet ist von Granat- und Bombensplittern durchzogen, überall finden sich giftige Rückstände von Artilleriemunition. Zehn Millionen Hektar Land sollen in der Ukraine davon betroffen sein.

Aktuell geht die Ukraine verstärkt gegen die Erdöl- und Erdgasindustrie Russlands vor, deren Erlöse den Krieg am Laufen halten. Zunächst wurden in der Region um St. Petersburg Erdöl verarbeitende Anlagen zerstört, Ende April bis Anfang Mai zerstörten ukrainische Drohnen Erdölanlagen in Tuapse am Schwarzen Meer und in der Stadt Perm im Ural. Die Anlagen gingen in Flammen auf und verpesteten die Luft, ein Film aus schwarzem giftigem Ruß und Öl legte sich über die gesamte Umgebung. Die Behörden zeigten sich völlig unvorbereitet und wiegelten ab.

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