Maksim Aleksejewitsch Wjatkin

Wir befinden uns im westlichen Teil Sibiriens im Dorf Wwedenskoje in der Oblast Kurgan. Das Dorf hatte im Jahr 2010 noch knapp 600 Bewohner und die Menschen dort wandern weiter ab. Der Ort beherbergt eine Sonderschule für Kinder und Jugendliche mit meist geistigen Behinderungen. Das Foto zeigt fünf aktuelle Schüler der Einrichtung, die zusammen mit ihrem Lehrer das Grab von Maxim Wjatkin betreuen, einem Absolventen der Schule des Jahres 2024.

Trotz seiner Behinderung war Maxim tauglich genug, um einen Vertrag mit dem russischen Militär abzuschließen. Im Alter von 18 Jahren wurde er bei einem Angriff in der Ukraine getötet.

Anzeige VertragsdienstIn den ersten drei Monaten des Jahres 2026 waren die Rekrutierungsbemühungen des russischen Militärs nicht so erfolgreich wie im Jahr zuvor. Wenn man die Daten einiger Regionen auf ganz Russland hochrechnet, so wurden in diesem Zeitraum etwa 20% weniger Zeitsoldaten rekrutiert, verglichen mit den ersten drei Monaten des Vorjahres.

Laut Dimitri Medwedew, dem stellvertretenden Vorsitzenden des russischen Sicherheitsrates und Leiter der russischen Rekrutierungskommission, hätten bis 27. März 2026 mehr als 80.000 Menschen einen Vertrag mit dem russischen Militär unterzeichnet. Umgerechnet wären das etwa 930 Neurekrutierungen pro Tag, im gleichen Zeitraum im Jahr zuvor lag diese Zahl zwischen 1.000 und 1.200 pro Tag. 

Anfang April hat Russland den Tod von sechzehn Söldnern aus Kamerun bestätigt. Das Außenministerium des afrikanischen ​Landes teilte dies im staatlichen Rundfunk mit und forderte die betroffenen Familien auf, Kontakt mit den Behörden aufzunehmen. 

 Die veröffentlichten Todesfälle sind aber nur ein kleiner Teil der Todesfälle von Söldnern aus Kamerun. Bereits im September 2025 veröffentliche die ukrainische staatliche Initiative „Ich will leben“ eine Liste mit 124 Söldnern aus Kamerun, die sich als Zeitsoldaten beim russischen Militär verdingt hatten.

Heute legte die Initiative nach und veröffentlichte eine Liste mit 93 toten Soldaten aus Kamerun. Wir können diese Liste natürlich nicht verifizieren. Aus unserer Erfahrung heraus mit der Überprüfung von russischen Kriegstoten aus verschiedenen Einheiten, die von der Initiative veröffentlicht wurden, können wir sagen, dass jene Informationen bisher immer korrekt waren.

Das Video links zeigt afrikanische Soldaten in russischen Diensten vor einem Einsatz. Aus welchem Land die Söldner kommen, wissen wir nicht.

Afrikanische Söldner

Afrikanische Söldner bei der russischen Armee -- Foto:  Ukraine Frontline Daily

Über 1.000  kenianische Staatsbürger wurden für die Reihen der russischen Armee rekrutiert und werden im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt. Mitte Februar war deshalb der kenianische Außenminister Musalia Mudavadi in Moskau mit der Bitte, dass keine Staatsbürger seines Landes mehr für die russische Armee rekrutiert werden. Das wurde vom russischen Außenminister Lawrow zugesagt, führte aber zu einer schnellen Reaktion der russischen Armee.

DrohnenPiloten 3

Russland mangelt es an Soldaten im Krieg gegen die Ukraine. Deshalb sollen jetzt Studenten als Drohnenpiloten die Lücken füllen. Die russische Zentralregierung erwartet von allen höheren Bildungseinrichtungen im Land, dass sie zwei Prozent ihrer Studenten als Drohnenpiloten für den Krieg gegen die Ukraine rekrutieren.

Kuehe

Kuhherde -- Foto: Tobias Nordhausen -- Lizenz: CC BY-SA 4.0

Von Sibirien aus breitet sich in Russland eine Rinderseuche aus und erfasst immer mehr Regionen. Massenweise werden über das ganze Land Rinderbestände getötet, Bauern aus Nowosibirsk sind verzweifelt, verstecken ihre Rinder oder blockieren Straßen, die Behörden schweigen ob der Ursache. Halbamtlich wird über Pasteurellose-Fälle berichtet, aber diese Rinderkrankheit ist beherrschbar. Vermutlich handelt es sich um die gefährliche Maul- und Klauenseuche, amtlich bestätigt wird das nicht. So kursieren zahlreiche Verschwörungstheorien unter den betroffenen Bauern.

DrohnenPiloten 2

Militärische Drohne -- Foto: VKontakte

Seit Anfang des Jahres 2026 wurden in der russischen Teilrepublik Tatarstan 300 Personen rekrutiert, die als Drohnenpiloten ausgebildet werden und die die Angriffe der russischen Armee in der Ukraine unterstützen sollen.

Idrinskoje 1

Heute besuchen wir das große Dorf Idrinskoje in der Region Krasnojarsk. Das Dorf hat rund 5.000 Bewohner und liegt ziemlich abgelegen. Der nächste Bahnhof ist 120 km entfernt.

Aber auch diese Dorfschule zeigt, wie eng verwoben jene militär-patriotische Erziehung mit dem Schulsystem ist. Die Jugendarmee „Junarmija“ ist Teil des schulischen Freizeitangebots, der Krieg gegen die Ukraine Teil der schulischen Erziehung.

Mitte Februar 2026 wurden zwei „Heldenschreibtische“ eröffnet. Wir geben den Bericht der Schule übersetzt wieder:

Leningrad Rekrutierung

Im Februar 2026 zahlte die Oblast Leningrad noch drei Millionen Rubel, wenn ein russischer Bürger in einem Militärbüro der Region einen Zeitvertrag abschloss. Jetzt wurde die Antrittsprämie auf 4,5 Millionen Rubel (etwa 48.000 €) angehoben, wie in der angrenzenden Stadt St. Petersburg auch.

St. Petersburg Rauch

Ukrainische Drohnen haben in der Nacht vom 24. auf 25. März 2026 drei Betriebe in der Umgebung von St. Petersburg angegriffen, die für den russischen Erdöl- und Gasexport extrem wichtig sind. In der Kleinstadt Primorsk, etwa 140 km nordwestlich von St. Petersburg, befindet sich der größte Ölverladehafen der Ostsee. Er brennt noch immer - mehrere Tage nach dem Angriff. Dazu wurde die Ölraffinerie „KINEF“ in Kirischi attackiert. Die Stadt liegt etwa 110 km südöstlich von St. Petersburg. Das dritte Ziel war die Ölraffinerie in der Siedlung Ust-Luga, etwa 100 km westlich von St. Petersburg.

Seither zieht eine schwarze Rauchwolke über St. Petersburg und dürfte die Luftqualität der Stadt drastisch verschlechtern. Das zusätzliche Problem: Die Presse darf nicht daüber berichten - all das fällt unter die Zensur. So schreibt „Fontanka“ heute:

Andrej ZlygostewKönnten wir mit unserer Berichterstattung über den russischen Angriffskrieg noch einmal von vorne beginnen - also zum Anfang des Krieges zurückspringen, dann würden wir eine extra Rubrik für Waisen eröffnen. Wir wissen nicht, wie viele Waisen auf russischer Seite gefallen sind, aber es sind sehr viele. In den Waisenhäusern Russlands werden die Heranwachsenden gezielt zum Militärdienst erzogen, um „richtige“ Männer aus ihnen zu machen.

Eigentlich müsste der Staat den jungen Leuten ein Zimmer oder eine Wohnung zur Verfügung stellen, wenn sie aus der Obhut der Waisenhäuser entlassen werden. Aber das findet häufig nicht statt oder wird an die Unterzeichnung eines Militärvertrags geknüpft. Zudem fehlt es den Waisen im Berufsleben meist an Unterstützern, so dass sie nur als einfache Hilfsarbeiter eine Anstellung finden. 

Andrej Zlygostew (Foto links) aus Mirny in Jakutien (Sacha) ist so ein Fall.

Heute sind wir in der Hochschule für Verkehrstechnologie in Nowosibirsk. Im Februar 2026 waren Rekrutierer des russischen Militärs eingetroffen und versuchten Studenten zu überzeugen, einen Vertrag als Drohnenpilot zu unterschreiben. Doch nur wenige Studenten gingen auf das Angebot ein - wenn überhaupt.

Rim Ildarowitsch Agzamow

Rim Ildarowitsch Agzamow wurde am 13.09.2025 in Ufa geboren. Er unterzeichnete einen Vertrag mit dem russischen Verteidigungsministerium und ging in den Krieg in der Ukraine, wo er starb. Er wurde am 18.07.1996 in seiner Heimatstadt begraben. 
🕯 Baschkortostan bleibt der führende Verlustträger in Russland. Insgesamt sind derzeit 9056 getötete Baschkiren bekannt. Besuchen Sie unsere Website, hier finden Sie vollständige Informationen.
Die Vernichtung der baschkirischen Nation geht weiter. Wie viele Menschen müssen noch in einem für uns fremden Krieg sterben?

Unsere wichtigste Informationsquelle aus Baschkortostan hat ihre Veröffentlichungen eingestellt. Das obige Foto und der Text dazu war ihr letzter Beitrag.

Wir haben die Initiative „Fremder Krieg“ bereits mehrfach hier vorgestellt (Teil I, Teil II). Erst durch die Arbeit dieses Telegram-Kanals wurde öffentlich, dass Baschkortostan die höchsten Verluste aller russischen Regionen zu verzeichnen hat. Ende Januar 2026 hatten wir knapp 9.000 Namen aus dieser Region in unserer Liste der getöteten Soldaten.

Desert

Nachdem wir in der Regel von getöteten russischen Soldaten berichten, wollen wir hier fünf Fahndungsplakate nach lebenden Soldaten aus dem von Russland zerstörten Mariupol zeigen. Sie wurden aktuell an Bushaltestellen ausgehängt und zeigen fünf gesuchte Deserteure der russischen Armee. Es handelt sich um vier Männer aus der von Russland besetzten Ukraine und einem jungen Mann aus der russischen Oblast Uljanowsk.

Ilja Remeslo

Vom Saulus zum Paulus?

Bisher war Ilja Remeslo, russischer Rechtsanwalt und Propagandist, ein treuer Anhänger des russischen Angriffskrieges und der Präsidentschaft von Wladimir Putin. Am 17. März 2026 veröffentlichte er auf seinem Telegram-Kanal eine schonungslose Kritik am Krieg gegen die Ukraine und am russischen Präsidenten. Die gesamte internationale Presse hat seine Stellungnahme aufgegriffen. Remeslo betonte zudem, dass sein Telegram-Kanal nicht gehackt worden wäre und dass er das wirklich so meine. 

Zwei Tage später meldet die uns als seriös bekannte St. Petersburger Internetzeitung „Fontanka“, dass Ilja Remeslo in die psychiatrische Klinik  „Skwortsowa-Stepanowa Nr. 3“ in St. Petersburg eingeliefert worden wäre. Eine durchaus gewöhnliche Praktik im totalitären Russland für kritische Stimmen, die man nicht gleich ins Gefängnis werfen will.

KAI Gebäude 8

8.  Gebäude des Kasaner Luftfahrtinstitutes - (ehemals Deutsch-Russisches Institut für Neue Technologien, heute Chinesisch-Russisches Ingenieurinstitut) -- Foto: Ksenia Balberova -- Lizenz: CC BY-SA 4.0

Im vergangenen Dezember begann Russland mit der Rekrutierung von Studenten für den Krieg in der Ukraine. Zunächst wurde in den besten technischen Universitäten akquiriert, danach bemühte man sich um Studienabbrecher und Studenten vor der Zwangsexmatrikulation. Und weil man damit noch  immer nicht genügend Zeitsoldaten bekam, wurden an fast allen Hochschulen Russlands alle volljährigen Studenten angesprochen. Wir haben darüber mehrfach berichtet.

Aktuell wurde am Kasaner Luftfahrtinstitut (KAI) ein Fragebogen zu dieser Thematik an die Studiengruppen verteilt und diese wurden dringend aufgefordert, die Formulare auch auszufüllen. (Link 1, 2) Kasan ist die Hauptstadt der russischen Teilrepublik Tatarstan.

Elista Hauptstadt

Elista, Hauptstadt Kalmückiens -- Foto: Alexxx1979  -- Lizenz: CC BY-SA 4.0

Kalmückien ist eine russische Teilrepublik im südlichen Teil Russlands, die im Südosten an das kaspische Meer angrenzt. Das Land ist stark versteppt als Resultat von intensiver Viehhaltung aus Zeiten der Sowjetunion. Immer mehr Land wurde und wird zur Wüste. Dazu kommt noch die Versalzung des Trinkwassers und des Sandes als Folge des Rückgangs des Wasserpegels des Kaspischen Meeres. Die Öl- und Gasvorkommen am Kaspischen Meer werden von russischen staatlichen Konzernen ausgebeutet.

Die Kalmücken sind ein ehemaliges Reitervolk aus dem Westen der Mongolei, das sich in dieser Region angesiedelt und den buddhistischen Glauben mitgebracht hatte. Die Kalmücken stellen mehr als 60% der Bevölkerung.

Wir veröffentlichen zum zweiten Mal eine Liste aller im Krieg gegen die Ukraine gefallenen ethnischen Kalmücken, Sie ist nicht identisch mit unserer normalen Liste, die alle Bürger Kalmückiens umfasst. Auffällig hier ist, dass deutlich mehr ethnische Kalmücken unter den Kriegstoten zu finden sind. Bis Januar 2026 haben wir 156 Kriegstote auf 100.000 Einwohner Kalmückiens berechnet. Nimmt man nur die ethnischen Kalmücken, so kommen wir auf 259 Kriegstote auf 100.000 Kalmücken.

Dieses Video wurde Anfang März von der staatlichen Universität Wjatka veröffentlicht. Wjatka ist ein Fluss im östlichen Teil des europäischen Russlands und der historische Begriff für die heutige Region Kirow. Anfang März 2026 hat die Universität eine Initiative gestartet, um ihre Studenten als Drohnenpiloten für den russischen Angriffskrieg zu rekrutieren.

KIU Studentenrat

Studentenrat der Kasaner Innovationsuniversität (KIU)

Russland hat im Moment Probleme mit der Rekrutierung neuer Zeitsoldaten. Jeden Monat müssen 30.000 bis 35.000 neue Soldaten akquiriert werden, um die Verluste an verletzten und getöteten Soldaten auszugleichen. 

Zudem hat das bisherige System der Anwerbung ein schwerwiegendes Problem - die verpflichteten Soldaten gehören nicht gerade zum Bild eines gut trainierten und motivierten Soldaten, sondern sind häufig zu alt, mit bescheidener Gesundheit und Physis und wollen meist nur irgendwie dem schnellen Tod entgehen.

An einer staatlichen Fachhochschule in Kasan, der Hauptstadt von Tatarstan, wurde Anfang des Jahres 2026 ein neues System der Rekrutierung versucht. Alle Studenten der Abschlussklassen, die älter als 18 Jahre alt waren, wurden einfach exmatrikuliert, egal ob säumige oder durchgefallene Studenten, egal ob Prüfungen und Arbeiten noch offen waren. Denn aktuell braucht die Armee junge Kämpfer - Wiederholungskurse, Abschlussarbeiten und Prüfungen könnten nach dem Ende des Krieges nachgeholt werden.

Patriot Wladiwostok01

Michail Kalinkin, 19 Jahre, wurde im Krieg gegen die Ukraine getötet. Er stammte aus Wladiwostok, hatte seinen Wehrdienst abgeleistet und danach einen Vertrag mit dem russischen Militär abgeschlossen. Der Nachruf verbreitete die übliche Legende, dass er bei der Evakuierung von Verwundeten von den hinterhältigen Ukrainern getötet wurde. Michails kurzer Lebensweg war vorbestimmt, er wurde schon als Jugendlicher zum Soldaten und zum Töten herangezogen.

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