31.01.2026 -- 182.890 // Zuwachs zum 31.12.2025: 9.335
Die russische Großstadt Kursk liegt etwa 500 km südlich von Moskau nahe der Grenze zur Ukraine. Die Stadt hat rund 430.000 Einwohner und eine breit aufgestellte Industrie.
Im Jahr 1992 ist auf dem Proletarski-Platz in Kursk ein Denkmal für die im Afghanistan-Krieg gefallenen Soldaten aus der Stadt entstanden. Insgesamt 105 Namen sind in die Steinplatten eingraviert. Im Zentrum des Denkmals befindet sich eine trauernde Mutter, die auf dem Grab ihres Sohnes liegt. Der Betrachter könnte diese Skulptur als Mahnmal deuten: Der Schmerz dieser Mutter als Mahnung vor weiteren Kriegen, zusammen mit dem Auftrag zur friedlichen Lösung von Konflikten. Das Gegenteil ist aus diesem Mahnmal geworden.
14.02.2023 - Kinder aus Sedanka verabschieden acht Freiwillige:
"Wir sind stolz auf dich! WIR LIEBEN dich! KOMM SO SCHNELL WIE MÖGLICH NACH HAUSE"
Über die Halbinsel Kamtschatka wurde Ende Juli 25 überall berichtet. Ein Erdbeben löste eine Tsunamiwarnung aus und der Vulkan Kljutschewskoi im Norden der Halbinsel ist ausgebrochen. Das Dorf Sedanka liegt sogar noch etwas nördlicher als der Vulkan, befindet sich aber an der Westküste der Halbinsel. Im Dorf Sedanka sind 457 Personen gemeldet, tatsächlich leben dort nur 258 Menschen. Die Bevölkerung besteht hauptsächlich aus Korjaken. Unter den Dorfbewohnern gibt es 67 Männer über 18 Jahre, davon befinden sich 39 bei den russischen Truppen in der Ukraine. Wie viele davon gefallen sind, wird von den Behörden verschwiegen. Mindestens fünf wurden getötet, ein weiterer wird vermisst.
Weiterlesen: Das Korjaken-Dorf Sedanka auf Kamtschatka und der Krieg in der Ukraine
Sandarmoch ist ein Waldgebiet in Karelien etwa 12 km von der Kleinstadt Medweschjegorsk entfernt, die am nördlichen Ende des Onegasees liegt. In dem Waldgebiet liegen knapp 10.000 Opfer der stalinistischen Säuberung begraben, die dort geheim zwischen Oktober 1937 und Dezember 1938 erschossen wurden. Die Hinrichtungsstätte wurde 1997 von Mitarbeitern der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial wiedergefunden.
Foto: Granitstein an der Gedenkstätte: Menschen, tötet nicht einander -- Foto: Semenov.m7 -- Lizenz: CC BY-SA 3.0
Weiterlesen: Sandarmoch - Teil I: Begraben in den Wäldern Kareliens
Wir sind mitten in der Urlaubszeit und unterbesetzt, dafür haben wir im Monat Juli die höchsten Zahlen an russischen Kriegstoten seit Beginn des Krieges. Das hat vielfache Ursachen - die aktuellen Verluste der russischen Armee sind auf einem hohen Niveau geblieben, dazu sind zahlreiche Gedenkstätten und lokale Videos dazu gekommen, die neue Namen geliefert haben. Russische Bürger haben die Gräber auf Friedhöfen in den Regionen St. Petersburg und Oblast Moskau fotografiert. Und schließlich die Listen der staatlichen Initiative "Ich will finden", die im Juli rund 1.000 neue Namen beigesteuert haben und deren Auswertung wir dankenswerter Weise anderen überlassen konnten.
Für den Juli 2025 liegen uns bisher folgende Abschätzungen vor:
Weiterlesen: Russische Kriegstote Juli 25 - Vorabinformation
Das vom ukrainische Staat initiierte/unterstützte Projekt „Ich will leben“ hat heute drei Tabellen veröffentlicht, die nach den Angaben der Initiative, von der russischen Armee erstellt wurden. Die Tabellen enthalten Statistiken über desertierte, gefallene und vermisste Soldaten der 41. Armee der Russischen Födertation zum Stand 1. Juni 2025.
Im Moment befinden sich die russischen Truppen in der Ukraine auf einem stetigen, wenn auch langsamen Vormarsch (Britischer Geheimdienst vom 17.07.25). Die veröffentlichen Dokumente zeichnen aber ein düsteres Bild vom Zustand zumindest der 41. Armee. Danach hätte sie bis zum 1. Juni 25 mindestens 8.625 Gefallene, 10.491 Vermisste und 7.846 Deserteure zu verzeichnen.
Wir können diese Tabellen nicht auf ihre Authentizität überprüfen. Wir haben allerdings bereits zwei lange Tabellen über gefallene Soldaten der „Schwarzen Husaren“ und der 30. separaten Motorschützenbrigade bearbeitet, die das Projekt „Ich will leben“ veröffentlicht hatte und konnten deren Angaben verifizieren.
Weiterlesen: Die Verluste der 41. Armee der Russischen Föderation
Die Kommunistische Partei Russlands verfügt nach der Partei "Einiges Russland" über die zweitgrößte Fraktion im russischen Parlament. Die Partei hat im ganzen Land etwa 160.000 Mitglieder und gilt als einigermaßen politisch selbständige Kraft in Russland. Sie unterstützt aber auch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, obwohl nicht alle Mitglieder damit einverstanden sind.
Mit einer Schweigeminute gedenkt der Parteitag den aktuell 154 Mitgliedern, die im Krieg gegen die Ukraine getötetet wurden. Wir dokumentieren das Video dazu, denn aus dieser Präsentation konnten wir 24 neue Namen in unsere Statistik der Kriegstoten aufnehmen.
Heute besuchen wir eine staatlich organisierte Jugendgruppe in der westsibirischen Großstadt Tscheljabinsk. Die "Arbeitstitanen" des Jugendzentrums „Junost“ säubern in ihrer Freizeit Spielplätze, öffentliche Wege und die Umgebung von Kindergärten. Zur Belohnung erfahren sie dann von einem ehemaligen Soldaten der "Speziellen Militäroperation (SWO)" alles was junge Menschen über Kriege und Waffen wissen müssen - Tod und Verstümmlung natürlich ausgenommen.
Der VKontakte-Beitrag vom 23.06.25 im übersetzten Original:

Schichtarbeiter
In diesem Monat wurde ein weiterer Fall von Nichtzahlung von Gehältern bekannt. Die Hafenarbeiter der Mine „Spiridonowskaja“ sprechen von einer Verzögerung von mehr als drei Wochen – die Mine selbst steht kurz vor dem Bankrott. Im Frühjahr konnten die Mitarbeiter der Firma „Zimtek“ mehrere Monate lang nicht von Tschukotka nach Hause fliegen – das Unternehmen weigerte sich, sowohl die Gehälter zu zahlen als auch die Tickets zu kaufen. Über ähnliche Situationen berichteten der Redaktion Schichtarbeiter von mindestens zwei weiteren Unternehmen.
Schwarze Husaren bereiten sich auf einen Angriff vor (Mai 25)
In keiner russischen Militäreinheit gibt es solch hohe Verluste wie bei den „Schwarzen Husaren“. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges wurden mindestens 7.436 Soldaten getötet und weitere 5.253 gelten als vermisst. Die Einheit musste folglich ihren gesamten Bestand an Soldaten bisher dreimal ersetzen
Die ukrainische staatliche Initiative „Ich will finden“ hat jetzt eine Liste aller gefallenen Soldaten der Einheit veröffentlicht. Stichproben haben deren Echtheit bestätigt.
Am 12. Juni 25 veröffentlichte der britische Geheimdienst das kleine Video links. Jeder Punkt soll einen verletzten oder toten russischen Soldaten darstellen. So kommen eine Million Punkte zusammen. Es stellt sich deshalb die Frage, ob diese Angaben richtig sind oder bloße Propaganda.
Wir haben Stand 15. Juni 25 insgesamt 116.907 getötete russische Soldaten aus offenen Quellen gefunden. Das ist die einzige zuverlässige Größe. Alle anderen Zahlen sind Schätzungen mit großem Fehlerpotential. Wir können deshalb die Zahl von einer Million russischen Kriegsopfern weder bestätigen noch dementieren.
Wir haben bereits mehrfach über die Antrittsprämien berichtet, die Russen erhalten, wenn sie einen Vertrag zum Kriegsdienst mit dem russischen Militär abschließen. Diese Prämien stiegen im Lauf des Jahres 2024 kontinuierlich in allen russischen Regionen und hatten zum Jahresende ihren Höhepunkt. Je nach Region beliefen sich jene Prämien bis auf drei Millionen Rubel, umgerechnet etwa 30 bis 33 Tausend Euro.
Als Bonus obendrauf gab es für verschuldete Russen zum Jahresende noch die Möglichkeit eines Schuldenerlasses von bis zu zehn Millionen Rubel.
Die Zeiten sind offensichtlich vorbei – die Summen der ausgelobten Prämien sind wieder rückläufig, wie die Region Baschkortostan zeigt. Ab dem 4. Juni 25 bekommen neue Freiwillige 600.000 Rubel weniger als zuvor.
Weiterlesen: Die Prämien für russische Freiwillige erodieren
Gerade sind wir in der Großstadt Toljatti in Samara. Die Stadt ist nach dem italienischen Kommunisten Palmiro Togliatti benannt, der wichtigste Arbeitgeber der Stadt ist das AwtoWAS-Autowerk, das Autos der Marke Lada produziert. Und wir wollen den Kindergarten Nr. 147 besuchen. Die Kleinen feiern das Ende ihres Kinderdaseins, nach den Sommerferien geht es in die Schule. Damit das Fest einen aktuellen Charakter bekommt, hat die Kindergartentante Marina ein paar Söldner der Gruppe Wagner eingeladen.
Auch die Wagner-Söldner lassen sich nicht lumpen. Sie überreichen den Kindern eine Wagner-Flagge und jedes Kind bekommt einen Original-Wagner-Aufnäher.
Aber lassen wir die Tante Marina zu Wort kommen:
Weiterlesen: Liebe Kinder, gebt fein Acht, ich hab euch etwas mitgebracht!

Ein Mann in seinem Alter hat eigentlich im Krieg nichts verloren. Viktor Alexejewitsch Utjaschew wurde am 26.01.1963 im Dorf Iwolginsk in Burjatien geboren. Er arbeitete vorwiegend als Fahrer für unterschiedliche Firmen. Im Juni 2023 meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst, will aber das so nicht gewusst haben. Zumindest behauptete er das in einem Verhör durch ukrainisches Militär. Viktor war im Oktober 2023 in Kriegsgefangenschaft geraten. Doch auch Viktor bekam eine zweite Chance zum Sterben. Nach einem Gefangenenaustausch wurde er vom russischen Militär erneut an die Front geschickt. Er wurde am 12. Januar 2025 getötet.

Nachdem die Aufmerksamkeit zu unseren Veröffentlichungen wächst, eine kurze Information zu OskarMaria.
Unter diesem Pseudonym war der Initiator im Internet seit über 25 Jahren recht unregelmäßig präsent. Ab dem Jahr 2014 hat er hier über die Situation in den von Russland besetzten Gebieten des Donbass geschrieben. Als einer der ersten Journalisten überhaupt informierte er über die damals neu gegründete Gruppe Wagner.
Beruflich war er seit den 80-iger Jahren Geschäftsführer von diversen Medienunternehmen im Printbereich. Jetzt im Ruhestand, Kinder erwachsen, bleibt etwas mehr Zeit, die gesammelten Erfahrungen zusammen mit wenigen Mitstreitern für dieses Projekt zu nutzen.
Nachtrag: OskarMaria– das ist eine kleine Verbeugung vor dem beinahe vergessenen Schriftsteller Oskar Maria Graf. In Zeiten der Bücherverbrennungen wurden seine Werke von den Nazis verschont, ja sogar teilweise empfohlen. „Verbrennt mich!“ schrieb er 1933 in der Wiener Arbeiterzeitung, „nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen!“ Schließlich floh er in die USA – dort lebte er in bescheidenen Verhältnissen. Deutschland wollte den unbequemen Mann nach dem Krieg nicht wieder haben. Er starb 1967 in New York.
Literaturempfehlung: Wir sind Gefangene - Autobiograhie 1927.
Im Dezember 2025 sind im Abstand von einigen Tagen zwei Cargo-Flugzeuge in Jakutsk (Hauptstadt der Republik Sacha) gelandet und haben die Särge von im Krieg getöteten Jakuten angeliefert. Wir haben im Januar 2024 ein Video solch einer Anlieferung veröffentlicht, leider haben wir kein neues Video entdecken können.
Im Augenblick verzeichnen wir deshalb viele neue Meldungen über Kriegstote aus dieser Region Russlands. Offensichtlich wurden in letzter Zeit auch vermehrt Einheiten aus Jakutien an der Front eingesetzt. Im Internet kursierte ein Video, das die Tötung einer solchen jakutischen Einheit in einem Wäldchen an der Front zeigt.
Ganz offensichtlich sterben aktuell mit den Jakuten bevorzugt eine neue Ethnie für den Krieg der Russen. In unserer Statistik der Kriegstoten in Relation zur Bevölkerung stand Jakutien (Sacha) Ende des Jahres 2023 auf Platz 22, Ende des Jahres 2024 auf Platz 16 und zum 31.12.2025 auf Platz 9. Noch sind wir nicht so weit, den ganzen Monat Januar 2026 beurteilen zu können. Es ist aber zu erwarten, dass Jakutien weiter vorrückt.
Der Soldat in diesem kurzen Video kommt der Physiognomie nach aus dem Fernen Osten Russlands. Er hat das für ihn aussichtslose Rennen um sein Leben aufgegeben und wollte zumindest in Würde sterben.
Um die ukrainischen Verteidigungslinien zu durchbrechen, werden die russischen Zeitsoldaten alleine oder in kleinen Gruppen losgeschickt, um Lücken zu finden und die gegnerischen Linien zu infiltrieren. Die russischen Kommandanten nehmen dabei in Kauf, dass die meisten dieser Soldaten nicht zurückkehren werden - zumindest nicht lebend.
Dieser russische Angriffskrieg ist nicht nur ein Verbrechen an der Ukraine, sondern auch ein Verbrechen an den eigenen russischen Bürgern. Russland ist bereits das größte Land auf der Erde, trotzdem werden seine Männer für weitere Quadratmeter fremden Bodens geopfert.
Viktor Andrejewitsch Scharoborin (Rufname „Schwarzer“), 21 Jahre alt
Status: Verstorben
Geburtsdatum: 18.02.2004
Todesdatum: 26.06.2025
Dienstart: Freiwilliger (Vertrag seit Mai 2025)
Kinder: 2
Wohnort: Jakutsk
Anmerkung: Sein Vater, Andrej Scharoborin, wurde 2022 mobilisiert.
Meldung im Telegram-Kanal „Die Toten aus Jakutien“, einen auführlichen Nachruf zu Viktor haben wir hier veröffentlicht.
In einem Wohnhaus in Moskau wurde am 6. Februar 26 der russische General Wladimir Alexejew angeschossen. Ob der Mann das Attentat überlebt, ist im Moment noch offen. Über die Schüsse auf den Generalleutnant wurde in der Presse breit berichtet, wir wollen allerdings dessen spezifische Rolle im Krieg gegen die Ukraine etwas näher beleuchten.
Wladimir Alexejew wurde am 24. April 1961 im Dorf Golodki in der Ukraine geboren. Er machte sein Offizierspatent in der Fallschirmjägerschule in Rjasan und danach Karriere im Militärgeheimdienst. Alexejew gehörte zu den Kuratoren des Militärgeheimdienstes GRU, die die russischen Stellvertretertruppen initiierten, finanzierten, ausstatteten und beauftragten. Damit sind die russischen PMCs wie die Gruppe Wagner, Redut, Hispaniola usw. gemeint. All diese Einheiten rekrutierten sich aus Männern, denen die russische Armee zu konventionell, formalistisch und mit festgefahrenen Befehlsstrukturen erschien. Die Kämpfer der PMC agierten außerhalb des Gesetzes und konnten so für Strafmaßnahmen, Attentate auf unliebsame Politiker und für militärische Aktionen eingesetzt werden, für die die Regierung jedwede Beteiligung abstreiten konnte.
Übrigens war Wladimir Alexejew auch jener hochrangige General, der in Rostow am Don persönlich in Verhandlungen mit Jewgeni Prigoschin den Wagner-Putsch beendete.
Nach vier Jahren Krieg lösen sich jene Freiwilligenstrukturen langsam auf - sie werden nicht mehr benötigt. Die Gruppe Wagner ist seit dem Jahr 2023 Geschichte, die anderen Einheiten bluten langsam aus und haben Mühe, neuen Nachwuchs zu akquirieren. Zuletzt löste sich auch die Holligan-Einheit Hispaniola auf und ihr Anführer, Stanislaw Orlow, wurde durch staatliche Akteure liquidiert.
Aber Alexejew soll auch einer der Verantwortlichen gewesen sein, der die Abberufung des ehemaligen Kriegsministers Sergej Schoigu initiierte.
So hatte der General Feinde aus allen Richtungen - der politische Clan um Schoigu, ehemalige Söldner der zahlreichen PMCs, die sich verraten fühlen und natürlich auch der ukrainische Geheimdienst.
Der russische Soldat ist nach Hause gekommen und hat sofort mit dem weitergemacht, was er im Krieg jeden Tag tun musste. Er hat einen Schützengraben ausgehoben.
Die Frau im Off sagt sinngemäß: „Schau dir an, was mit meinem Nachbarn los ist. Er hat einen Graben im Garten ausgehoben und sitzt da voller Paranoia. Die Ärzte kamen, zuckten mit den Schultern und gingen wieder.“
Lustig ist das nicht, sondern das Beispiel zeigt, mit welchen psychischen Deformationen die Familien konfrontiert werden, wenn der Krieg vorbei ist und die Soldaten sich wieder in den Alltag eingliedern müssen.
Ende Dezember berichtete der Kreml-Mitarbeiter Sergej Nowikow, dass 250.000 ehemalige russische Soldaten keiner Arbeit nachgehen.
Zitat: „Wir haben eine ziemlich große Grauzone – Zehntausende von Menschen, die keine Arbeit gefunden haben. Sie sind zurückgekehrt, arbeiten nicht, geben entweder das erhaltene Geld aus oder bestreiten ihren Lebensunterhalt auf andere Weise… Insgesamt haben 250.000 Menschen nirgendwo eine Anstellung gefunden…“
Staatliche russische Nachrichtenagenturen griffen diese Meldung auf, korrigierten sich allerdings nach kurzer Zeit. Die Zahl 250.000 wurde durch „zehntausende“ ersetzt. Solch negativen Meldungen kann die Regierung im Moment nicht brauchen.
Ende 2024 beauftragte Präsident Putin die Regierung und die Stiftung „Verteidiger des Vaterlandes“ mit der Entwicklung eines Plans zur Verbesserung der Beschäftigungsquote von Kampfveteranen. Im vergangenen Juni berichtete die Regierung , dass 57 % der demobilisierten Soldaten bereits einer Beschäftigung nachgingen, nannte aber keine konkreten Zahlen.
Der „Autonome Kreis der Nenzen“ liegt im äußersten Nordosten Europas und seine Fläche ist etwa halb so groß wie Finnland. Nur etwa 42.000 Menschen wohnen dort, davon die Hälfte in der Hauptstadt Narjan-Mar.
Am 26. Dezember 2025 meldete der Kreis den Tod des jungen Rio Andreewitsch Markow, der im Krieg gegen die Ukraine getötet wurde. Weitere Angaben zur Person gab es nicht.
Aber es gab eine recht offene Debatte in den Kommentaren zur Nachricht.
Ein paar Beispiele
Sergej Losa:
...Wie viele Tragödien werden unsere Familien noch durch die inneren und äußeren Kriege erleiden, die von der Politik unserer Machthaber verursacht werden? Wir werden im Ausland und im eigenen Land getötet. Rein hypothetisch könnten sich unsere Machthaber bei unserem Volk entschuldigen und die Menschen (Väter, Mütter) um Vergebung für die Fehler ihrer Politik bitten, ODER: DAS SIND KEINE FEHLER.
Walentina Toropowa
Sergej, wer braucht schon seine Entschuldigung?! Der Mann ist tot, und er kann nicht wieder zum Leben erweckt werden. Er hat vielleicht eine Familie, ein Kind, und seine Mutter hat ihn großgezogen! Was kümmert sie das? Wird Putins Entschuldigung sie etwa trösten? Wann hört dieser verdammte Krieg endlich auf, mein Gott, wann hören endlich die Menschen auf zu sterben?
Natalja Kortschagina
Mein aufrichtiges Beileid. Es ist so schrecklich, wenn Kinder in den Krieg ziehen müssen. In ehrender Erinnerung an den russischen Soldaten. Danke für die Zukunft – ein friedliches Leben für die nächste Generation.
Nata Lia
Natalja, Woher kommt dieses Vertrauen in die Zukunft und ein friedliches Leben für die nächste Generation? Kriege dauern an, Wälder werden zerstört, Flüsse verschmutzt, Dörfer sterben aus, die Produkte in den Regalen sind vollgestopft mit Chemikalien und Palmöl … die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Was werden unsere Nachkommen erben, außer einem digitalen Konzentrationslager, das „zu unserem eigenen Schutz“ mit unserer stillschweigenden Zustimmung errichtet wird? Sehen die Leute denn nicht, was vor sich geht?!
Vorausgeschickt - dieser russische Kriegsgefangene ist keine seriöse Quelle. Er hat sich als Freiwilliger aus dem Gefängnis freigekauft und nimmt es mit der Wahrheit nicht so genau. Das Video wurde zudem von der ukrainischen staatlichen Initiative „Ich will leben“ verbreitet, auch da ist Propaganda im Spiel. Trotzdem erscheint uns das Video berichtenswert.
Eduard Alexejewitsch Grischetschkin ist 30 Jahre alt und unterschrieb den Militärvertrag, um das Gefängnis verlassen zu können. Nach seinem Auftreten dürfte er ein Dauergast in den russischen Besserungsanstalten und Gefängnissen sein.
Er wurde bei einem Einsatz verwundet, ohne auch nur einmal sein Gewhr benutzt zu haben. So desertierte er und floh nach Sotschi. Nach eineinhalb Jahren wurde er erwischt, man schickte ihn in Socken zurück an die Front. Dort wurde er erneut zu einem Sturmangriff abkommandiert - ohne Waffen. So kam Eduard in ukrainische Kriegsgefangenschaft.
Die traurige Pointe dieser Geschichte ist - Eduard hatte zuvor eine Operation am Darm, es wurde ein künstlicher Darmausgang gelegt und er hatte einen Kolostomiebeutel am Bauch.
Solch ein unnatürlicher Darmausgang bedarf besonderer Pflege und Hygiene, beides ist im normalen Leben schon schwierig genug. An der Front und bei den Sturmtruppen ist aber eine angemessene Behandlung völlig unmöglich.
Was ist das für eine Armee, die solche Kranke oder Verletzte an die Front schickt?
Auch aus Jakutien (Sacha) werden die Stimmen lauter, die ein schnelles Ende des Krieges gegen die Ukraine fordern.
Der Telegramkanal „Initiativgruppe - Institut für Reputation der Republik Sacha (Jakutien)“ schreibt in einem Beitrag vom 24. Dezember 2025:
Die Friedhöfe von Jakutsk sind mit Teilnehmern der "SWO" übersät.
Behördenvertreter behaupten weiterhin, dass alles "nach Plan verläuft". Doch ein Gang über einen beliebigen lokalen Friedhof genügt, um zu erkennen: Die Realität stimmt nicht mit der offiziellen Rhetorik überein. Wenn dies tatsächlich der "Plan" ist, dann besteht sein Kern nur in dem massenhaften Tod von Männern in einem sinnlosen Krieg.
In Jakutsk und seiner Umgebung hat die Zahl der Bestattungen während der drei Kriegsjahre deutlich zugenommen. Um das wahre Ausmaß der Verluste zu verschleiern, werden nicht alle Teilnehmer der SWO auf einem speziellen Abschnitt des Magansky-Friedhofs begraben. Die Bestattungen werden punktuell auf verschiedenen Friedhöfen Jakutsks verteilt, was es unmöglich macht, ein vollständiges Bild der Gefallenen zu erhalten, und eine Illusion von geringeren Verlusten schafft. Besonders viele frische Bestattungen gibt es derzeit auf dem Friedhof hinter der Geflügelfabrik.
Doch trotz der wachsenden Zahl von Toten und Verletzten geben die Behörden immer noch keine klaren Antworten auf die Frage, welche Ziele dieser Krieg verfolgt, warum solche Opfer gebracht werden und welchen Preis unsere Region für Putins Abenteuer zahlen muss?
Wir meinen damit die Antrittsprämien, die Russen erhalten, wenn sie freiwillig einen Zeitvertrag mit dem Militär abschließen. Und der Begriff „Russisch Roulette“ ist dabei nicht falsch, denn die Überlebenschancen sind gering.
In der zweiten Hälfte des letzten Jahres haben viele Regionen diese Antrittsprämien stark reduziert. Offensichtlich fehlt es an Neuunterzeichner, deshalb erhöhen manche Regionen diese Prämien zum Teil erheblich - trotz chronischem Haushaltsdefizit. Denn alle Regionen müssen eine bestimmte Quote erfüllen, um jene 30.000 bis 35.000 monatlich gefallenen und verwundeten Soldaten im Krieg gegen die Ukraine zu ersetzen.
Über Anhebung der Prämien in Baschkortostan und Tatarstan haben wir bereits berichtet. In Tschuwaschien wurde die regionale Prämie von 400.000 Rubel auf 2,1 Millionen Rubel angehoben. Bis zum 31.03.26 erhält somit jeder Neuunterzeichner zusammen mit der Prämie des Staates 2,5 Millionen Rubel (€ 27.000). In Samara wurde die Einmalzahlung von 400.000 auf 1,1 Millionen Rubel erhöht, dort erhält jeder Unterzeichner zusammen mit der Staatsprämie 1,5 Millionen Rubel (€ 16.000). Und schließlich in Orenburg gibt es zusammen mit der Staatsprämie statt 800.000 Rubel jetzt 1,4 Millionen Rubel (€ 15.000). Bereits Ende Dezember hat auch die ökonomisch schwache Region Mari El die Prämien stark angehoben. Statt bisher 800.000 Rubel von Staat und Region gibt es jetzt 2,5 Millionen Rubel (€ 27.000).
Es lohnt sich also, quer durch Russland zu reisen - dorthin wo die höchsten Prämien gezahlt werden.
Die Stadt Pokrowsk in der Ukraine ist zur Zeit eine der umkämpfsten Regionen an der Front. Sie wurde im letzten Jahr mit der Taktik der Infiltration durch russische Einheiten teilweise besetzt, deren Unterstützung und Versorgung aber durch ukrainische Kräfte erfolgreich verhindert wurde. So ist die Stadt und deren Umgebung aktuell wieder frei von russischen Angreifern.
Doch immer wieder schicken russische Kommandeure ihre Soldaten einzeln oder in kleinen Gruppen in Richtung der Stadt, in der Hoffnung wieder einen Stützpunkt hinter den Verteidigungslinien aufbauen zu können. Wie in diesem Fall sind die Soldaten nicht einmal bewaffnet.
Weite Teile der Front sind vermint, aber für die vorschleichenden Soldaten warten auch andere Fallen. Unser Video zeigt eine Drohne auf der Lauer. Sie übermittelt ihre Bilder an den Drohnenpiloten, der entscheidet, wann der Sprengkörper gezündet wird. Auch jener russische Soldat wird irgendwann in unseren Listen auftauchen.
Alexej Fjodorowitsch Jeropejew wurde am 21.11.1978 im Dorf Scharaldai in Burjatien geboren. Nach der Schule begann Alexej eine Ausbildung zum Schneider und KFZ-Mechaniker. Nach einem Unfall wurde er schwerbehindert, Stufe 2. Der Nachruf schreibt: „Trotz dieser Schwierigkeiten blieb Alexey optimistisch und verdiente sich etwas dazu, indem er Kleidung und Schuhe nähte und dabei sein handwerkliches Geschick unter Beweis stellte. Er konnte keine Familie gründen, blieb aber stets ein gütiger und mitfühlender Mensch.“
Trotz schwerster Behinderung konnte Alexej am 16.05.2025 einen Vertrag als Zeitsoldat mit dem russischen Militär abschließen.
Die Sache endete schnell - Alexej wurde bereits am 11. Juni 2025 bei einem Einsatz ins Verderben geschickt.
So schwärmt der Nachruf weiter: „Alexey war von Natur aus gutherzig, mitfühlend und hilfsbereit. Er war stets bereit, andere zu unterstützen und mit ihnen Freud und Leid zu teilen. Seine Güte und Menschlichkeit werden in den Herzen all derer, die ihn kannten, für immer weiterleben.“
Ein russischer Kommandeur steht auf dem Rollfeld des Flughafens in Kaliningrad und nimmt vor dem Abflug an die ukrainische Front noch ein Video für seine Familie auf.
Seine Worte in deutscher Übersetzung:
"Hallo, meine Lieben!
Jetzt fliegen wir los. Hinter mir steht ein Il-76-Flugzeug, mit dem wir fliegen werden. Gefühle gemischt. Es ist unklar, was uns erwartet, was als Nächstes kommt.
Aber offiziell geht es in die Zone der Spezialoperation, um Verluste aufzufüllen. Die Verluste sind, soweit ich verstehe, sehr hoch. Deshalb schicken sie jeden dorthin.
Niemand wird in die Kategorie der Untauglichen eingestuft. Wir haben hier mehrere Behinderte. Sogar solche mit Prothesen. Also werden alle der Reihe nach aus dem Krieg zurückkehren – entweder behindert oder mit den Füßen voran.
Aber hoffen wir auf das Beste. Ich hoffe, lebend zurückzukommen. Gott segne euch.
Möge Gott ein schnelles Kriegsende gewähren.
Ich liebe euch, Küsse.Tschüss."