30.11.2025 -- 162.913 // Zuwachs zum 31.10.2025: 9.801

Artem Denisowitsch, 18 Jahre
Russland zieht zwei Mal im Jahr frische Wehrpflichtige ein - im Frühjahr und im Herbst. Artem war im Frühjahr 2025 noch nicht 18 Jahre alt, also noch nicht wehrfähig, und im Herbst war er bereits tot - gefallen im Krieg gegen die Ukraine. Geburt, Kindergarten, Schulbildung, alles umsonst - gefallen in einem sinnlosen Krieg, zu dem sich Artem freiwillig gemeldet hatte. Artem Denisowitsch Tschernow (31.07.2007 - 30.10.2025) wuchs in der Stadt Pawlowo in der Oblast Nischni Nowgorod auf.

Iwan Cholschtschagin, 20 Jahre
Iwan Cholschtschagin wurde am 06.06.2004 in der Großstadt Tscherepowez in der Oblast Wologda geboren. Er wurde am 21. Mai 2025 im Krieg gegen die Ukraine getötet und am 12.11.25 in seiner Heimatstadt beigesetzt.
Und dann gibt es noch eine zweite Geschichte zu erzählen, die vom spielsüchtigen Iwan handelt. Iwan stand am 27.07.2023 vor dem Gericht seiner Heimatstadt. Er hatte sich Zugang zum Smartphone einer flüchtigen Bekannten erschwindelt und damit 7.000 Rubel auf eine Wette platziert. Mit dem Gewinn wollte er alles zurückzahlen. Doch er hatte verloren und das Geld war weg. Das Gericht verhängte eine Bewährungsstrafe und Iwan musste den Schaden zurückerstatten.
Ob er auf Grund seiner Spielsucht in den Krieg zog, wissen wir nicht, aber es wäre gut möglich.

Innokenty Iljitsch, 18 Jahre
Innokenty Iljitsch Kremlew, geboren am 15. Juni 2007 in Burjatien, wuchs aber im Waisenhaus „Солнышко (Sonne)“ in der Stadt Nowoalexandrowsk in der Oblast Stawropol auf. Im August 2025 war er arbeitslos und wahrscheinlich betrunken. Das Bezirksgericht verurteilte ihn am 15.08.25 zu einer Geldstrafe, weil er in der städtischen Öffentlichkeit etwas randaliert hatte. „Das Leben ist schön!“ war sein Motto laut seinem VKonntakte-Status. Leider hat er sich daran nicht gehalten. Stattdessen hat der jugendlich-dumme Kerl einen Vertrag mit dem russischen Militär zum Kriegsdienst abgeschlossen und war am 29.10.25 bereits tot - begraben am 9.11.25.

Ilja Sergejewitsch, 19 Jahre
Der Nachruf schreibt: „Ilja war ein echter Patriot seines Vaterlandes, der immer zur Hilfe bereit war, wenn es nötig war.“ Nein - Ilja war kein Patriot, denn er wuchs in Armjansk im Norden der Krim auf und kämpfte gegen sein Vaterland Ukraine. Und er zog aus ganz eigennützigen Gründen in den Krieg, nämlich um in jungen Jahren richtig viel Geld zu verdienen. Das ging schief. Ilja Sergejewitsch Karedin, geboren am 29.09.2005, getötet am 02.03.2025 und begraben am 14. November 2025.

Wladimir Chairulowitsch, 20 Jahre
Russland öffnet seiner Jugend vom Land nur wenige berufliche Türen - bis auf den schnellen Tod an der Front. Artem Alexandrowitsch Geraschenko ist so ein Beispiel. Artem wurde am 27. Juli 2006 im kleinen Dorf Schechargun mit weniger als 50 Bewohnern geboren. Nach der Schule meisterte er erfolgreich eine Lehre als Koch und bekam danach keine Stelle. Ohne Wehrdienst, ohne andere militärische Erfahrung schloss Artem mit noch 18 Jahren einen Vertrag zum Kriegsdienst in der Ukraine ab. Wann er genau getötet wurde, verschweigen alle Medien aus guten Gründen. Wahrscheinlich soll vertuscht werden, dass er nur wenige Tage an der Front überlebt hat. Am 4.12.25 wurde er beigesetzt.

Wladimir Chairulowitsch, 20 Jahre
Im Dorf Nadeschdinka mit weniger als 400 Einwohnern in der Oblast Orenburg ist Wladimir Chairulowitsch Sindjaschkin groß geworden. Wladimir, geboren am 22. Juni 2004, war in der Schule keine große Leuchte, die Ausbildung zum Klempner brach er ab. Er jobbte im Straßenbau und in einer Autowerkstatt, blieb aber ohne geregelte Arbeit. Richtig - für solch junge Leute erscheint ein Vertrag mit dem russischen Militär samt bester Bezahlung wie ein Lottogewinn. Ohne militärisch Vorkenntnisse zog auch Wladimir in den Krieg - am 25.06.24, kurz nach seinem 20 Geburtstag war er tot.

Iwan Alexandrowitsch, 21 Jahre
Unser lieber Mann, der mittlere Sohn seiner Mutter, der Bruder seines Bruders, der charmante Cousin seines Bruders, die starke Unterstützung eines geliebten Freundes, der Mut zahlreicher Verwandter, der bescheidene, fröhliche Bruder, Bruder, Sohn, Neffe, Cousin, Schwiegersohn, Freund, Klassenkamerad, vertrauter Freund David (Rokot) Michailowitsch Kuular wurde am 26.11.2001 in Chowu-Aksyn, Chedi-Chol, geboren. Im November 2024 nahm er an der Spezialoperation für den zukünftigen Frieden teil, um sein Heimatland zu verteidigen, Obermaat, 155. Separates Marinekorps, Drohnenpilot mit mutigem Einsatz im Kampf. Wir geben mit tiefer Trauer bekannt, dass er am 20.10.2025 in jungen Jahren verstorben ist.

Iwan Alexandrowitsch, 21 Jahre
Inna ist glücklich. Ihr Freund Iwan Alexandrowitsch Temnikow, Vater ihres einjährigen Kindes, hat Urlaub vom Krieg und ist mit einem großen Strauß Blumen nach Hause gekommen. Beide lebten in der sibirischen Stadt Ust-Kut in der Oblast Irkutsk. Iwan ist danach noch einmal nach Hause gekommen - im Zinksarg. Am 5.11,25 wurde er beigesetzt.

Stanislaw Wladimirowitsch, 23 Jahre
Stanislaw wuchs in einem kleinen Dorf mit Namen „Neu“ und gerade mal 18 Bewohnern in der Oblast Kurgan auf. Während seiner Schulzeit machten sich Lernschwierigkeiten bemerkbar, so wurde er zuhause von einem Privatlehrer unterrichtet. Stanislaw bekam einen Abschluss zur 9. Klasse, erlernte auch keinen Beruf erlernte und musste keinen Wehrdienst ableisten. Beim russischen Autobahnbetreiber bekam er Arbeit und besserte als Hilfsarbeiter Straßen aus. Privat lief es auch schlecht, er zog sich immer mehr zurück. Schließlich unterschrieb er heimlichen einen Militärvertrag. Im Krieg wollte er sein Potential beweisen, wurde Zugführer, bis er durch einen Schuss in den Kopf getötet wurde. Stanislaw Wladimirowitsch Butschelnikow, 18.04.2001 - 30.08.2024.

Ilja Anatoljewitsch, 20 Jahre
Ilja Anatoljewitsch Jerschow wurde am 5. Juni 2004 in Ischewsk in der russischen Teilrepublik Udmurtien geboren. Als Kind hätte er leidenschaftlich Schach und Dame gespielt. Nach der Schule absolvierte er eine Ausbildung am landwirtschaftlichen Ingenieurskolleg, die er im Jahr 2023 beendete. Danach kam der Wehrdienst in Chabarowsk, während dem Ilja einen Militärvertrag abschloss und an die Front geschickt wurde. Im August 2024 wurde er verwundet, kam zurück in den Krieg und wurde am 26.03.2025 getötet.

Wladislaw Konstantinowitsch, 19 Jahre
Wie unmenschlich inzwischen das russische System sich darstellt, zeigt das Beispiel von Wladislaw Konstantinowitsch Zuew. Wladislaw wurde am 21.04.2005 im größeren Dorf Katschug in der Oblast Irkutsk geboren. Nach der Schule lernte er keinen Beruf und hatte auch keine Anstellung, so schloss er am 20.03.2025 einen Vertrag mit dem russischen Militär. Ohne militärische Ausbildung wurde der junge Mann schnell in einen der Selbstmordangriffe geworfen. Am 21.04.25 war er tot. Dem dahingemetzelten Toten heuchelt der Nachruf eine schamlose Sinnhaftigkeit hinterher: „Wladislaw gab sein Leben für einen friedlichen Himmel, für die Sicherheit seines Landes und die Zukunft seiner Angehörigen. Seine Heldentat ist ein Beispiel für Hingabe, Mut und Liebe zum Vaterland.“
Matwej Fedosow , 18 Jahre
Am 17. Juni 2025 wurde Matwej Fedosow 18 Jahre, am 4. August unterschrieb er einer Freiwilligenvertrag und am 19. Oktober war er tot. Auf seinem VKontakte-Status prangt ein Kampfflugzeug und ein großes Z. Seine Mutter beschreibt ihn so: „Er war voller Lebensfreude, Träume und großartiger Pläne. Sein Lächeln konnte jedes Herz erweichen, und sein Lachen klang wie Musik und erfüllte jeden Winkel unseres Hauses. Er liebte es, neue Horizonte zu entdecken und andere mit seinen Ideen zu inspirieren.“ Warum Matwej loszog, um andere Menschen zu töten, erklärt diese Beschreibung nicht.

Nikita Alexejewitsch, 24 Jahre
Nikita Alexejewitsch Zorkalzew, geboren am 26.09.2000, wuchs in der sibirischen Großstadt Irkutsk auf. Die Schule schloss er mit einer Goldmedaille ab. Danach wurde er vier Jahre lang in Nachrichtentechnik in einer Militärakademie in Nowosibirsk ausgebildet. Als er Ende Juli 2022 sein Offizierspatent erhielt, war der russische Angriffskrieg schon in vollem Gange und Nikita kurz danach mitten drin. Eine Granate zerstörte ein russisches Hauptquartier im russisch besetzten Teil der Ukraine und setzte seiner Karriere bis zum Hauptmann ein Ende.
Kirill Wladimirowitsch, 18 Jahre
Soldat Kirill betrachtet das Portrait seiner Freundin Natalja mitten im Kriegsgeschehen - ein KI generiertes Bild. Er wird ihr nicht mehr begegnen. Kirill Wladimirowitsch Sleptsow haben wir bereits vorgestellt, er war ein Waise aus Dimitrowgrad. Seine Freundin meldete seinen Tod an der Front.

Wladislaw Ruslanowitsch, 19 Jahree
Wladislaw Ruslanowitsch Elisejew, geboren am 18.07.2006, wuchs in der Stadt Balaschow in der Oblast Saratow auf. Er meldete sich freiwillig zum Kriegsdienst und wurde am 30.10.25 beigesetzt. Seine Großmutter hatte Wladislaw erzogen. Olga schrieb dazu in den Kommentaren: „Es war niemand da, der ihm erklären konnte, dass er noch zu jung war, dorthin zu gehen.“

Ruslan Jurjewitsch, 18 Jahre
Ruslans Mutter teilte der Presse mit, dass ihr Sohn einen Vertrag mit dem russischen Militär abgeschlossen hätte und ohne zu zögern, an die Front gegangen wäre. Eine Drohne beendete sein Leben im März 2025. Die russische Presse berichtet von einem Helden - Ruslan hätte sich aufgeopfert und vor die Drohne gestellt, um seine Kameraden zu schützen. Viel wahrscheinlicher ist allerdings, dass Ruslan im Gegensatz zu seinen Kameraden, zu langsam reagierte. Ruslan Jurjewitsch Dan, geboren am 03.07.2006, wuchs in der Großstadt Kamyschin in der Oblast Wolgograd auf.

Sergei Romanowitsch, 20 Jahre
Voller Stolz hält Sergej seinen Ausweis des russischen Militärs in die Kamera. Im Frühsommer 2024 hatte er sein Ausbildung beendet, wurde danach zum Wehrdienst eingezogen und wäre nach einem Jahr wieder im zivilen Leben angekommen. Aber fühlte sich zum Soldatentum berufen, meldete sich freiwillig und wurde im April 2025 bereits getötet. Seine Mutter suchte ihn öffentlich im Juli, seine Berufsschule meldete seinen Tod Ende Oktober. Bleibt noch sein VKontake-Motto nachzutragen: „Und er, rebellisch, bittet um Stürme, als ob es in Stürmen Ruhe gäbe!“ Sergei Romanowitsch Karetnikow, geboren am 20.02.2005, wuchs in der Stadt Omutninsk in der Region Kirow auf.

Iwan Igorewitsch, 18 Jahre
Ein Jahr bevor der russische Angriff begann war Iwan Igorewitsch Mechaljew von zuhause ausgebüxt und wurde öffentlich gesucht. Damals war er 14 Jahre alt, geboren im Jahr 2006 und lebte in der geschlossenen Stadt Nowouralsk in der Oblast Swerdlowsk. Iwan wurde wieder eingefangen und meldete sich vier Jahre später freiwillig zum Kriegsdienst in der Ukraine. Am 17. Juni 2025 wurde er getötet.

Ilja Weniaminowitsch, 19 Jahre
In der Ukraine geboren, für Russland gestorben. Ilja Weniaminowitsch Makovoj wurde am 23. Juni 2003 in Sewastopol auf der Krim geboren. Nach seiner Ausbildung als Schweißer im Schiffsbau wurde er im Jahr 2023 zum Wehrdienst in der russischen Armee eingezogen. Während seiner Armeezeit verpflichtete er sich zum Vertragsdienst. Im Oktober 2023 erschien er nicht bei seiner Einheit und wurde Anfang Februar 2024 deshalb festgenommen. Vom Militärgericht bekam er eine Strafe von 5, 5 Jahren. Die saß er nicht ab, sondern schloss einen neuen Vertrag zum Kriegsdienst, den er nicht überlebte. Am 20.11.25 wurde er begraben.

Fjodor Allenowitsch, 22 Jahre
Kurzzeitsoldat Fjodor Allenowitsch Latschkow wurde am 7.3.2003 in Omsk geboren. Nach seinem Wehrdienst schloss er im Mai 2025 freiwillig einen Vertrag zum Kriegsdienst und war am 30. Juni 25 bereits tot. Die Partei „Einiges Russland“ verklärt sein Andenken:
„Er schonte sein Leben nicht, für jeden seiner Landsleute, für jeden von uns. Im blutigen Kampf gegen die Neonazis wurde er zu einem wahren Helden für alle Bewohner unserer Region, zu einem wahren Patrioten seines Landes. Unser Vaterland erlitt einen unersetzlichen Verlust, indem es einen verdienten Bürger der Region und einen wahren Patrioten Russlands verlor. Der Mut, die Selbstlosigkeit und der Patriotismus, mit denen Fjodor ausgestattet war, dienten nicht nur ihm persönlich, sondern leisteten auch einen enormen Beitrag zur Sicherheit und zum Wohlergehen unseres Landes. Seine Tapferkeit, seine Hingabe und seine Bereitschaft, sein Leben für andere zu opfern, sind der größte Akt der Tapferkeit.“

Nachdem die Aufmerksamkeit zu unseren Veröffentlichungen wächst, eine kurze Information zu OskarMaria.
Unter diesem Pseudonym war der Initiator im Internet seit über 25 Jahren recht unregelmäßig präsent. Ab dem Jahr 2014 hat er hier über die Situation in den von Russland besetzten Gebieten des Donbass geschrieben. Als einer der ersten Journalisten überhaupt informierte er über die damals neu gegründete Gruppe Wagner.
Beruflich war er seit den 80-iger Jahren Geschäftsführer von diversen Medienunternehmen im Printbereich. Jetzt im Ruhestand, Kinder erwachsen, bleibt etwas mehr Zeit, die gesammelten Erfahrungen zusammen mit wenigen Mitstreitern für dieses Projekt zu nutzen.
Nachtrag: OskarMaria– das ist eine kleine Verbeugung vor dem beinahe vergessenen Schriftsteller Oskar Maria Graf. In Zeiten der Bücherverbrennungen wurden seine Werke von den Nazis verschont, ja sogar teilweise empfohlen. „Verbrennt mich!“ schrieb er 1933 in der Wiener Arbeiterzeitung, „nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen!“ Schließlich floh er in die USA – dort lebte er in bescheidenen Verhältnissen. Deutschland wollte den unbequemen Mann nach dem Krieg nicht wieder haben. Er starb 1967 in New York.
Literaturempfehlung: Wir sind Gefangene - Autobiograhie 1927.
Ein Oberst, der Folter und Diebstahl in der Strafanstalt IK Nr. 15 untersuchte, wurde im Krieg getötet. Seine Angehörigen erfuhren von seiner Todesnachricht von der Bank.
Der FSIN-Oberst Alexander Wladimirowitsch Tscheprasow führte eine interne Untersuchung in der Kolonie Nr. 15 in Angarsk durch (Oblast Irkutsk), nachdem dort ein Gefangenenaufstand und ein Feuer stattgefunden hatten. Später wurde von Folter berichtet. Tscheprasow stieß auf ein großes Netzwerk von Sicherheitskräften und Geschäftsleuten, die Holz stahlen und ins Ausland schickten.
Er konnte die Sache nicht zu Ende untersuchen: Tscheprasow wurde selbst der Bestechung beschuldigt und zu 12 Jahren Strafkolonie verurteilt. Dort unterzeichnete er einen Vertrag, ging an die Front und verschwand spurlos.
Was mit ihm passiert ist, können seine Frau und Mutter nicht erfahren. Weder im Wehramt noch in der Militäreinheit selbst antwortet man ihnen. Es gibt auch keine offizielle Todesanzeige.
Aus dem Telegram-Kanal „Menschen vom Baikal“. Den gesamten Beitrag in russischer Sprache gibt es hier.
Der Telegram-Kanal „Udmurtien gegen Korruption“ hat einen Film vom Soldatenfriedhof der Stadt veröffentlicht. Abonnenten des Kanals haben auch Fotos der Soldatengräber eingereicht, allerdings nur von eineinhalb Reihen. „Das ist schwer anzusehen“, erklärten sie.
Wir konnten auf Grund dieser Fotos 21 Namen neu in unsere Datenbank aufnehmen.
Anmerkung: Es empfiehlt sich den Film in größerer Auflösung anzuschauen, dazu nur auf die Überschrift des Beitrags klicken.
Seit dem Jahr 2022 wurden in Usbekistan 338 Strafverfahren gegen eigene Bürger eingeleitet wegen Beteiligung an bewaffneten Konflikten im Ausland. Fast alle dürften auf Seiten Russlands im Krieg gegen die Ukraine gekämpft haben.
Laut usbekischer Darstellung wurde die überwiegende Mehrheit der Beteiligten durch Täuschung in den militärischen Konflikt hineingezogen oder nach Kontakt mit kriminellen Organisationen in Kampfgebiete geschickt. In seltenen Fällen erfolgte die Teilnahme aus finanziellen Gründen.
Eine unserer Informationsquellen aus Baschkortostan ist seit Beginn des Krieges der Telegram-Kanal „Aspekte Baschkortostan“. Er lieferte Einblicke in die bevölkerungsreichste russische Teilrepublik und veröffentlichte auch Namen der im Krieg gegen die Ukraine gefallenen Soldaten. Um nicht unter Zensurmaßnamen zu fallen, beschränkte sich der Kanal ausschließlich auf die Berichterstattung aus der Region und verzichtete auf Kommentierungen und Wertungen.
Das hat alles nichts geholfen. Am 21. November 25 wurde auch Aspekte als „ausländischer Agent“ eingestuft. Das russische Justizministerium schreibt in seiner Erklärung:
„Die Publikation verbreitete Falschinformationen über Entscheidungen und Maßnahmen russischer Regierungsstellen und lehnte die Militäroperation in der Ukraine ab. Sie war an der Erstellung und Verbreitung von Botschaften und Materialien ausländischer Agenten an die Öffentlichkeit beteiligt.“
Die Publikation „Aspekte – Baschkortostan“ wurde vom Team von Echo Moskwy in Ufa kurz nach der Schließung ihres Radiosenders im Frühjahr 2022 ins Leben gerufen. Die erste Sendung wurde am Morgen des 1. April 2022 auf dem YouTube-Kanal des Projekts ausgestrahlt. Seitdem konzentriert sich „Aspekte“ auf regionale Nachrichten.
Jetzt prangt über jedem Beitrag von Aspekte der großgeschriebene Satz: „18+ DAS VORLIEGENDE MATERIAL (INFORMATIONEN) WURDE VON EINEM AUSLÄNDISCHEN AGENTEN DER INTERNETPUBLIKATION „ASPEKTE VON BASCHKORTOSTAN” VERÖFFENTLICHT ODER BEZIEHT SICH AUF DIE TÄTIGKEIT EINES AUSLÄNDISCHEN AGENTEN DER INTERNETPUBLIKATION „ASPEKTE VON BASCHKORTOSTAN”.
Zwei Journalisten des Projekts, Ruslan Walijew und Jewgeni Konoplin, haben Russland inzwischen verlassen und leben in Deutschland.
Wladimir Wachidowitsch Otschkassow, geboren am 17.10.1998, lebte in der Stadt Kursk und war ein junger Idiot. Ohne große Suche wurden wir in zwei Strafverfahren fündig. Am 21.09.21 wurde er wegen öffentlichen Randalierens unter Alkohol zu einer Ordnungsstrafe verurteilt. Und am 10.01.23 bekam er eine Haftstrafe in einer Anstalt des strengen Regimes wegen Diebstahls eines Smartphones. Die Dauer wurde allerdings nicht veröffentlicht. Auch Wladimir wollte lieber sein Leben riskieren, als im Knast zu sitzen. Am 24.01.2025 suchte sein Bruder öffentlich nach ihm. Da war er schon tot, gefallen am 29.12.2024.
Im KI-generierten Video durfte er sich dann ordentlich von seiner Familie verabschieden.
Angesichts der hohen Verlustzahlen des russischen Militärs müssen alle Regionen zusammen ständig neue Zeitsoldaten anwerben. Wir hatten vor vor knapp einem Jahr geschrieben, dass Russland jeden Monat etwa 30.000 neue Soldaten für den Krieg in der Ukraine rekrutiert. Daran hat sich nichts geändert. Janis Kluge von der Stiftung Wissenschaft und Politik hat aktuell die Daten aus dem russischen Haushalt zur Personalbeschaffung ausgewertet. Danach akquiriert das Land auch im Jahr 2025 durchschnittlich etwa 30.000 Zeitsoldaten, um die Reihen der Armee wieder aufzufüllen (Diagramm).
Auch die russischen Militärausgaben sind weiter angestiegen. Janis Kluge schreibt: „Im 3. Quartal stiegen sie im Vergleich zum 2. Quartal um über 3,6 Billionen Rubel. Im Jahr 2024 betrugen die Militärausgaben im 3. Quartal nur 2,6 Billionen Rubel, was bedeutet, dass die Ausgaben – nominal – in diesem Jahr 38 % höher waren als im Vorjahr.“
Den gesamten Beitrag in englischer Sprache gibt es hier.
Ende April 2023 fand eine Gerichtsverhandlung im Dorf Debjesi in Urtmurtien statt. Angeklagt war Sergej Wladimirowitsch Golubkow, der bereits mehrfach wegen kleinerer Diebstähle zu Gefängnisstrafen verurteilt worden war. Diesmahl ging es wieder um einen Diebstahl. Sergej war in den Keller eines Mehrfamilienhauses eingedrungen, hatte das Türschloss aus der Halterung gerissen und einen Sack Saatkartoffeln geklaut - mit einem Gewicht von 38,55 kg und im Wert von etwa zehn €. Danach ging er mit einem Kumpel nach Hause, stellte den Kartoffelsack neben seinen Wohnzimmersessel und ging ins Bett. Essen konnte er die Kartoffeln nicht, denn am nächsten Tag beschlagnahmte die Polizei die Sore.
Sergej bekam am Ende der Verhandlung glatte zwei Jahre Haft verordnet, abzusitzen in einer Strafkolonie mit strengem Regime. Auch Sergej tauschte die Kolonie gegen den Kriegsdienst ein. In der Kreiszeitung „Neuer Weg“ vom 15.08.2025 wurde sein Tod gemeldet.
In der Oblast Uljanowsk wird für die Dauer des Krieges gegen die Ukraine das mobile Internet stark eingeschränkt. Dies beträfe in erster Linie Gebiete mit sensiblen Wirtschafts-, Regierungs- und Militäreinrichtungen. Dazu gibt es eine weiße Liste mit Webseiten und Funktionen, die nicht gesperrt würden, wie zum Beispiel der Regierungsdienstleister Gosuslugi, die russische Technologieplattform Yandex, die sozialen Netzwerke Vkontakte und Odnoklassniki, die Online-Marktplätze Ozon und Wildberries sowie das Zahlungssystem Mir. Doch es häufen sich Klagen, dass auch diese Dienste häufig nicht aufzurufen wären. Der Staat empfiehlt besser über lokale WLAN-Zugänge das Internet zu nutzen, da diese nicht eingeschränkt wären.
Inzwischen wird in vielen russischen Regionen das mobile Internet regelmäßig temporär abgeschaltet, wenn ukrainische Drohnen über Russlands Himmel auftauchen. Es wird befürchtet, dass die Drohnen auch über das russische mobile Internet Daten senden und empfangen könnten.
Das Dorf Werchnewiljuisk mit rund 6.500 Einwohnern liegt in der russischen Teilrepublik Sacha (Jakutien). Im Dorf gibt es ein Waisenhaus, einige jugendliche Bewohner hatten die Rockband „Chatan"gegründet. Die Brüder Wladimir und Wassili Klimowski, Andrej Kirillin, Aichal Fedotow und Konstantin Oppojew waren so gut, dass sie im Jahr 2017 das Waisenhaus bei einem bundesweiten Fernsehwettbewerb "Du bist super!" vertreten durften.
Die Karriere von Aichal Fedotow (Foto) hat acht Jahre später der Krieg gegen die Ukraine beendet. Der jakutische Telegram-Kanal "Die Toten aus Sacha" meldete seinen Tod.
Russische Soldaten rennen einen Feldweg entlang. Auf einer Strecke von etwa 200 Meter liegen links und rechts verteilt die Körper von getöteten Kameraden. Manche Soldaten versuchten im Gebüsch Schutz vor den Drohnen zu finden - meist erfolglos. Wir haben auf der kurzen Strecke etwa 25 Leichen gezählt.
Das ist das Produkt der aktuellen Taktik der russischen Armee mit kleinen Gruppen oder einzelnen Soldaten vorzurücken, um die ukrainische Verteidigung zu infiltrieren.
Man hofft, dass sich Soldaten hinter den ukrainischen Linien sammeln und den Nachschub für die ukrainischen Stellungen unterbrechen können. Hohe Verluste werden dabei billigend in Kauf genommen. Die getöteten Soldaten sind schwer zu bergen, zudem agieren die Kommandanten gerne mit dem Begriff vermisst, um die wahren Verluste zu verschleiern.
Das Video dokumentiert wieder einmal die grausame Realität dieses russischen Angriffskrieges. Das menschliche Leben gilt nichts. Für Kinder und Jugendliche ist das Video ungeeignet - Link.
Das Lewada-Zentrum in Moskau hat am 21.10.25 eine neue Umfrage veröffentlicht. Es ging um die materielle und finanzielle Unterstützung der Soldaten an der Front und um Hilfe für die vom Krieg betroffenen russischen Regionen durch die russischen Bürger. Das Lewada-Zentrum fasst das Ergebnis so zusammen:
Im vergangenen Jahr sammelten vier von zehn Befragten Geld und Hilfsgüter für Teilnehmer an der Spezialoperation. Jeder Vierte half Bewohnern von Grenzregionen, die von Militäraktionen betroffen waren. Diese Zahlen sind im Vergleich zum Vorjahr nahezu unverändert. Fast die Hälfte der Befragten ist bereit, 1.000 bis 2.000 Rubel pro Monat zu spenden, um die Armee zu unterstützen und die Gehälter der an Spezialoperationen teilnehmenden Soldaten zu erhöhen. Dieser Anteil ist in den zweieinhalb Jahren seit der letzten Umfrage unverändert geblieben.
Am 30. August wurde in der Großstadt Miass in der Oblast Tscheljabinsk der 20-jährige Danil Jurjewitsch Trubejew beigesetzt. Wann und wo Danil im Krieg gegen die Ukraine gefallen ist, wurde nicht mitgeteilt. Doch das Schicksal von Danil hat eine Vorgeschichte.
Bereits im Herbst 2024 war der damals neunzehn Jahre alte Danil in unkrainische Kriegsgefangenschaft geraten. Ukrainische Soldaten gruben vier russische Kämpfer aus dem Schutt eines eingestürzten Hauses aus, darunter auch Danil. In einer Befragung beklagte sich die ganze Gruppe, dass ihre Kommandeure sie bewusst im Stich gelassen hätten, indem sie sie mit einem Sturmgewehr gegen einen Panzer geschickt hätten (Video)
Bei einem Gefangenenaustausch wurde Danil dann im April 2025 gegen ukrainische Kriegsgefangene ausgetauscht. Da durch die Gefangenschaft nach russischem (und auch ukrainischem) Recht der Vertrag mit dem russischen Militär nicht beendet wird, musste auch Danil wieder zurück in den Krieg. Er hat den zweiten Einsatz an der Front nicht überlebt.
Auch die Oblast Samara kürzt die Antrittsprämie für Freiwillige drastisch. Ab dem 1. Januar 2025 hatte die Region 3,6 Millionen Rubel für jeden Freiwilligen ausgelobt, dazu kamen noch einmal 400.000 Rubel aus Moskau (insgesamt ca. 40.000 €). Ende Februar 25 wurde dann die regionale Präme auf 2,1 Millionen gesenkt.
Jetzt gibt es nur noch 400.000 Rubel in Samara plus jene 400.000 von der Zentralregierung, also in der Summe umgerechnet etwa 8.000 €. Über die Gründe gibt es viele unterschiedliche Meinungen, die wir am Beispiel von Tatarstan aufgelistet haben.