15.08.2026 -- 225.397// Zuwachs zum 31.07.2026: 1.835

Alexander Jurjewitsch, 18 Jahre
Auf den Weg ins Nirgendwo hat sich Alexander Jurjewitsch Tschandorow begeben. Auch er wurde von seinen Kommandeuren losgeschickt, um hinter der Frontlinie in der Ukraine eine neue Sammelstelle für russische Soldaten zu besetzen. Eine ukrainische Drohne beendete am 18.06.2026 seinen Marsch. Warum Alexander sich freiwillig zum Krieg gemeldet hat, wird nicht überliefert. Sicher ist, er hatte mit dem russischen Krieg nichts zu tun. Alexander wurde am 9. August 2007 geboren, lebte im kleinen Dorf Werchni Siry in Chakassien mit mal 222 Bewohnern. Der nächste Bahnhof ist 55 km entfernt und Alexander war ethnischer Chakasse.

Ilja Anatoljewitsch, 21 Jahre
Die Schulzeit in Russland beträgt neun Schuljahre, danach sollte eine Berufsausbildung oder zwei weitere Schuljahre erfolgen. Ilja absolvierte die neunte Schulklasse in einer Abendschule, was darauf hindeutet, dass er im Alter von 16 Jahren bereits arbeiten musste. Nach der Schule absolvierte er eine Ausbildung zum Fahrer und Mechaniker am Kolleg der „Tradidionellen Künste Tarnsbaikaliens“ und war danach so gut wie arbeitslos. „Er arbeitete für verschiedene Organisationen“, schreibt der Nachruf, was bedeutet, dass er keine feste Arbeitsstelle hatte und mal hier und dort einen Job fand - wenn überhaupt. Ilja hatte geheiratet, einen Sohn bekommen und um sich aus der mißlichen Lage zu befreien, meldete er sich im September 2025 freiwillig zum Kriegsdienst in der Ukraine. Auch Ilja wurde schnell an der Front verheizt. Ilja Anatoljewitsch Peretruchin (20.09.2004 - 19.12.2025) stammte aus der burjatischen Kleinstadt Sakamensk.

Roman Sergejewitsch, 19 Jahre
Als Roman drei Jahre alt war, wurde er von seinen Eltern verstoßen. Großgezogen haben ihn seine zwei Großmütter. Roman hat nach der Schule den Beruf eines Bauleiters erlernt und bekam danach wohl keine Arbeit. Waisenkinder fehlen die elterlichen Beziehungen. So meldete sich Roman freiwillig zum Kriegsdienst in der Ukraine - ohne militärische Vorbildung. Im März 2025 wurde er an die Front geworfen und bei wahrscheinlich seinem ersten Einsatz getötet. Roman Sergejewitsch Schdan (1. April 2005 – 19. März 2025) lebte in der Stadt Gukowo in der Region Rostow am Don.
Ilja Alexandrowitsch, 19 Jahre
Schweißer und Traktorfahrer, das sind die meistgenannten Berufe unter den russischen Kriegstoten. Eine lokale Antikriegsinitiative aus der Region Kursk meldete aktuell einen älteren Fall. Ilja Alexandrowitsch Jelkin wurde am 29.07.2003 in Kursk geboren - ein Jugendfoto mit 11 Jahren. Nach der Schule begann er eine Ausbildung zum Schweißer. Mit diesem Beruf bekam er wohl keine Arbeit, also meldete er sich freiwillig zum Krieg in der Ukraine. Am 01.05.2023 unterschrieb er den Vertrag, den 20. Geburtstag schaffte er nicht mehr. Am 7. Juli 2023 wurde er getötet und gammelte beinahe ein ganzes Jahr zwischen den Stellungen. Dafür bekamen seine Angehörigen noch zwei Orden: „Für persönliche Tapferkeit“ und „Für Pflichttreue und Mut“.

Sultan Chureschowitsch, 19 Jahre
Unser geliebter Sultan Churestowitsch Mongusch (geb. 21.06.2006) – der einzige Sohn seiner Eltern, der einzige Bruder seiner Schwester, sowie ein fleißiger und hilfsbereiter Onkel, der sich durch Bescheidenheit auszeichnete – kam im Sum Chandagaity (Bezirk Uwur, Tuwa) zur Welt. Im Jahr 2024 schloss er die weiterführende Schule in Chandagaity ab... Ab Januar 2026 nahm er als tapferer Soldat an der militärischen Sonderoperation teil; er diente als leitender Schütze in einer motorisierten Infanterieeinheit. Im Einsatz für ein friedliches Leben der Menschen, für die friedliche Zukunft des Vaterlandes und für den Frieden in unserer Heimat kam er am 23.03.2026 während eines heftigen Gefechts ums Leben. (07.07.24)

Roman Olegowitsch, 19 Jahre
Roman ist in gutem Hause aufgewachsen, besuchte eine Kadettenklasse, in der er auf die richtige patriotische und militärische Überzeugung eingeschworen wurde und studierte nach der Schule Jura. Doch Roman versagte schon im zweiten Semester und musste den Ausbildungsberuf wechseln. Ok, wenn nicht Jurist, dann doch immerhin Schweißer. Doch auch diese Ausbildung brach er ab und unterzeichnete einen Vertrag mit dem Militär zum Kriegseinsatz. Eine ukrainische Baba-Jaga-Drohne beendete sein Leben. Roman Olegowitsch Latschugin (10.02.2006 - 23.01.2026) wuchs in der Stadt Schiguljowsk in der Region Samara auf. Die Stadt heißt so, weil sie am Rande des Schiguli-Gebirges liegt und Schiguli heißt auch jenes russische Auto, das bei uns unter dem Namen Lada verkauft wurde. Wer die Geschichte um Roman lieber mit viel Herz und Schmerz lesen will, wird hier fündig.
Mark Sergejewitsch, 18 Jahre
Mark, der kleine Junge, der auf dem Foto die Tauben füttert, war im Jahr 2016 gerade mal acht Jahre alt. Er wuchs in der Großstadt Beresniki in der Region Perm auf. Vermutlich meldete er sich freiwillig, als er 18 Jahre alt wurde. Er überlebte seinen Geburtstag keine drei Monate. Mark Sergejewitsch Jelkin wurde am 18. April 2008 geboren und am 12. Juli 2026 getötet.

Miroslaw Wladimirowitsch, 18 Jahre
Muttersöhnchen Miroslaw wollte den starken Mann markieren. Mit 18 Jahren brach er die intellektuell anspruchsvolle Ausbildung zum Schweißer ab und meldete sich stattdessen zum Kriegsdienst in die Ukraine. Drei selbstgeladene Magazine für seine Kalschnikow musste er noch schnell Mama per Videoschalte zeigen, dann ging es los an die Front. Dort kam er nicht an, der Transportlastwagen wurde von einer ukrainischen Drohne zerstört. Miroslaw Wladimirowitsch Sokolow (22.09.2007 - 03.04.2026) kam aus der Großstadt Bataisk in der Region Rostow am Don. So stellt sich - nüchtern betrachtet - der sinnlose Tod dieses dummen Jungen dar, wer die Geschichte lieber emotionaler und heldenhafter lesen möchte, ist hier richtig.

Maxim Anatoliewitsch, 18 Jahre
18 Jahre alt geworden, keine Berufsausbildung begonnen oder diese abgebrochen, zum Wehrdienst einberufen, Grundausbildung abgeleistet und danach an die russische Grenze geschickt - dort, wo gekämpft wird. Maxim Anatoliewitsch Alikin (10.07.07 - 20.06.2026) stammte aus dem Dorf Chudoelanskoje in der Region Irkutsk.

Sergej Alexejewitsch, 18 Jahre
„Das ist es also ... mein kleiner Sohn, mein kleiner Engel. Mit dir ist auch meine Seele gestorben. Ich kann es immer noch nicht glauben; ich kann es nicht akzeptieren oder begreifen – es fühlt sich alles wie ein Albtraum an. Aus Gewohnheit warte ich ständig auf deinen Anruf oder eine Nachricht – darauf, dass du wie immer schreibst: „Mama, ich bin da, ich lebe, mir geht es gut.“ Doch das werde ich nie wieder sehen, noch deine geliebte Stimme hören. Ich ertrinke im Schmerz, denn das Leben hat uns für immer getrennt. Möge das Himmelreich dir gehören, mein Junge; ich vermisse dich so schrecklich. Meine Liebe zu dir wird ewig weiterleben“, schreibt Sergejs Mutter. Dass er loszog, um andere junge Menschen zu töten, war für sie wohl in Ordnung. Sergej Alexejewitsch Kanderow wurde am 19.07.2007 in der Stadt Tschapajewsk in der Region Samara geboren.

Stanislaw Romanowitsch, 19 Jahre
Mit 18 Jahren meldete sich Stanislaw freiwillig zum Krieg gegen die Ukraine. Im Juli 2025 wurde er am Bein verwundet. Danach begann eine Reise durch die russischen Spitäler. Von Donezk nach Wolgograd, dann zu Krankenhäusern in seiner Heimat Orenburg und schließlich nach Makijiwka, in der russisch besetzten Region Donezk. Von dort bekam er Urlaub nach Hause , wo sich sein Zustand schnell verschlechterte. Er starb auf einer Intensivstation in seiner Heimat. Stanislaw Romanowitsch Tufatulin (02.10.2006 . 27.06.2026) kam aus der Stadt Abdulino in der Oblast Orenburg.

Milan Renatowitsch, 18 Jahre
Liebe Mitmenschen! Unser über alles geliebter, liebevoller, ruhiger und freundlicher Sohn – der zweite Sohn seiner Eltern, der Rückhalt für seine Geschwister, der Liebling vieler Verwandter, sowie vertrauter Freund seiner Kameraden und Mitschüler, Kämpfer der Einheit 40463 und Absolvent des Jahrgangs 2024 der Sekundarschule Bai-Haak, Milan Renatowitsch Ojun (geb. 31.05.2007), ist verstorben. Wir geben bekannt, dass er am 26.12.2025 bei der Ausübung seiner heldenhaften Taten sein Leben ließ. Das Antlitz unseres geliebten Maadyr oglu wird für immer in unseren Herzen weiterleben. Mitteilung des Tandisky Bezirks (Koschuun) von Tuwa vom 21.06.2026
Aidar Rustamowitsch, 22 Jahre
WIR MÜSSEN IHNEN LEIDER MITTEILEN, DASS ES WÄHREND EINER SPEZIELLEN MILITÄROPERATION ZU EINEM VORFALL GEKOMMEN IST:
Heldenhaft gestorben
AIDAR RUSTAMOWITSCH JACHIN
04.04.2004- 31.05.2026
Streitkräfte der Russischen Föderation, Rufzeichen TATAR
ABSCHIEDSZEREMONIE FÜR AiDAR RUSTAMOWITSCH JACHIN WIRD STATTFINDEN
19. Juni 2026, von 10:00 bis 13:00 Uhr IM GROSSEN SAAL DES HAUSES DER BESTATTUNGSRITUS "AUFSTIEG" UFA, BLUMENSTRASSE, 2/3.
Artjom Alexejewitsch, 18 Jahre
Den Tod gesucht und gefunden:
„Die Verwaltung der ländlichen Gemeinde Pawlodolsk muss mit großem Bedauern mitteilen, dass Artjom Alexejewitsch Gorbonos, geb. am 30.01.2008, gebürtig aus der Ortschaft Pawlodolsk, im Einsatzgebiet der Sonderoperationen den heldenhaften Tod gefunden hat.“
VKontakte-Seite der Gemeinde Pawlodolsk in der russischen Teilrepublik Nordossetien-Alanien am 10.07.2026.

Daniil Dmitriewitsch, 19 Jahre
Es ist eigentlich ein TikTok-Video, aber bis auf etwas Musik und eine flackernde Kerze unterscheidet es sich nicht von obigem Foto. Der Text:
"Mama, Papa, ich werde euch vor dem Faschismus beschützen." Daniil Dmitriewitsch Batsin, 24.02.2007 - 21.04.2026. Daniil wuchs zu einem freundlichen, offenen und kreativen Kerl heran – er schrieb Rap-Texte und hatte immer viele loyale Freunde um sich. Daniil traf die feste und bewusste Entscheidung, sein Heimatland zu verteidigen. Mit 18 Jahren wurde er Mitglied einer Elite-Fallschirmjägerkompanie. Am 21. April 2026 wurde das Leben eines 19-jährigen Gardisten während eines Kampfeinsatzes auf dem Gebiet der DVR jäh beendet."
Daniil kam aus Chabarowsk im Fernen Osten Russlands.

David Vitaljewitsch, 18 Jahre
Ganz im Nordosten von Jakutien (Sacha) gibt es das Dorf Kolymskoje, das vorwiegend von Tschuktschen bewohnt ist. In ganz Jakutien stellen die Tschuktschen eine verschwindend kleine Minderheit dar. David Vitaljewitsch Kemlil, geboren am 21.06.2007, war trotz seiner jungen Jahre ein Vertreter der Tschuktschen bei den „Indigenen Völker des Nordens, Sibiriens und des Fernen Ostens der Russischen Föderation“. Wie die meisten Tschuktschen war David Rentierhirte. Und er saß in einer Haftanstalt - warum auch immer. Als er 18 Jahre alt war wurde ihm angeboten: Gefängnis oder Krieg. Auch David hat den Krieg gewählt und war keine zwei Monate nach seinem 18. Geburtstag tot. Er wurde am 19.08.2025 in der Region Donezk in der Ukraine getötet. Wahrscheinlich bei seinem ersten Einsatz.
Anatoli Anatoljewitsch, 19 Jahre
Zwei Monate nach seinem 19. Geburtstag war der Krieg für Anatoli vorbei. Seine Schule meldete seinen Tod: „Unsere Lehrer und Schüler erinnern sich an Anatoli als einen freundlichen und mitfühlenden Schüler, einen Freund, der stets hilfsbereit war.“ Offensichtlich war Anatoli kein guter Schüler, wenn seine Schule so wenig Positives zu berichten weiß. Anatali Anatoljewitsch Panin (25.03.2007 - 27.05.2026) lebte im Dorf Iljinka mit 568 Bewohnern im Jahr 2010 in der Region Rjasan. Anatoli hatte sich freiwillig zum Kriegseinsatz gemeldet.

Damir Iwanowitsch, 19 Jahre
An seinem 19. Geburtstag wurde Damir getötet. Er lebte im Dorf Diabyla in Jakutien (Sacha) und arbeitete dort als Viehhirte und Landarbeiter. Auch er erlag den haltlosen Versprechungen der russischen Propaganda und des vielen Geldes. Damir Iwanowitsch Wasiljew wurde am 08.06.2007 geboren und am 08.06.2026 in der Stadt Huljajpole in der ukrainischen Region Saporischschja getötet.

Nikita Valerjewitsch, 18 Jahre
Missbrauchte Jugend! Nikita Valerjewitsch Karnatschow wurde am 29. April 2007 im Dorf Sewernoje in der Oblast Nowosibirsk geboren. Nach der Schule bekam er keine Ausbildung, sondern arbeitete als Taglöhner. Um bessere Arbeit zu finden, zog er in die Stadt Kuibyschew, etwa 300 km westlich von Nowosibirsk. Eine feste Anstellung hat er wohl nicht gefunden, so verdingte er sich drei Wochen nach seinem 18. Geburtstag beim russischen Militär - ganz ohne militärische Vorbildung. Am 22. Mai 2025 unterzeichnete Nikita den Vertrag. Seine Kommandanten kannten auch bei diesem jungen Mann keine Gnade und warfen ihn in den Fleischwolf. Am. 20. Juni 2025 wurde er an der Front getötet.

Danila Andrejewitsch, 18 Jahre
Ohne seine Eltern zu informieren, schloss Danila kurz nach seinem 18. Geburtstag einen Vertrag mit dem russischen Militär. Auch er fiel auf die Lüge herein, dass ein Drohnenpilot fern der Front aus einem geschützten Bereich heraus Ukrainer töten würde. Doch ein halbes Jahr später war Danila tot. Danila Andrejewitsch Potrebitsch wurde am 26. Januar 2007 in Luhansk (Ukraine) geboren. Seine Eltern flohen im Jahr 2014 vor dem von Russland organisierten Krieg in der Ostukraine nach Woronesch.

Bujanto wurde als sechstes Kind in eine große Familie geboren. Er hatte gesundheitliche Probleme und verbrachte die letzten drei Schuljahre in einem Sanatorium. Folglich musste er keinen Wehrdienst ableisten, dafür malochte er direkt nach der Schule im Schichtdienst.
Für den Krieg in der Ukraine war er allerdings gesund genug, im Jahr 2024 unterschrieb er einen Militärvertrag. Im Februar 2025 wurde er schwer verwundet, aber auch Krüppel werden an der Front eingesetzt. Im März 2026 musste errneut in das Kampfgebiet, wo er nach kurzer Zeit getötet wurde. Bujanto Bulatowitsch Ochirow (26.03.1987 - 16.04.2026) lebte im Dorf Dyrestui in Burjatien.

Nachdem die Aufmerksamkeit zu unseren Veröffentlichungen wächst, eine kurze Information zu OskarMaria.
Unter diesem Pseudonym war der Initiator im Internet seit über 25 Jahren recht unregelmäßig präsent. Ab dem Jahr 2014 hat er hier über die Situation in den von Russland besetzten Gebieten des Donbass geschrieben. Als einer der ersten Journalisten überhaupt informierte er über die damals neu gegründete Gruppe Wagner.
Beruflich war er seit den 80-iger Jahren Geschäftsführer von diversen Medienunternehmen im Printbereich. Jetzt im Ruhestand, Kinder erwachsen, bleibt etwas mehr Zeit, die gesammelten Erfahrungen zusammen mit wenigen Mitstreitern für dieses Projekt zu nutzen.
Nachtrag: OskarMaria– das ist eine kleine Verbeugung vor dem beinahe vergessenen Schriftsteller Oskar Maria Graf. In Zeiten der Bücherverbrennungen wurden seine Werke von den Nazis verschont, ja sogar teilweise empfohlen. „Verbrennt mich!“ schrieb er 1933 in der Wiener Arbeiterzeitung, „nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen!“ Schließlich floh er in die USA – dort lebte er in bescheidenen Verhältnissen. Deutschland wollte den unbequemen Mann nach dem Krieg nicht wieder haben. Er starb 1967 in New York.
Literaturempfehlung: Wir sind Gefangene - Autobiograhie 1927.
Jabloko ist die einzige Partei in Russland, die sich gegen den Angriffskrieg gegen die Ukraine ausspricht. Sie wurde durch Beschluss eines Moskauer Gerichts, von den kommenden Parlamentswahlen ausgeschlossen. Geklagt hatte die linksnationalistische Partei „Rodina“, die sich selbst nationalkonservativ nennt. Soviel zur allgemeinen Verwirrung.
In ihrer Klage warf Rodina der Partei Jabloko Uhrheberrechtsverletzungen vor. So hätte Jabloko ohne Genehmigung Zeilen aus dem Antikriegslied „Es soll immer Sonnenschein geben“ und die Zeile „Wenn es doch nur keinen Krieg gäbe“ aus Alexander Wolodins Theaterstück „Fünf Abende“ verwendet, sowie Umfragedaten des Lewada-Zentrums zitiert. Es gibt in der Klage weitere Vorwürfe ähnlicher Qualität.
Bliebe zum Schluss noch zu erwähnen: Der Sohn des Komponisten des Liedes „Es soll immer Sonnenschein geben“ hatte der Partei ganz offiziell die Erlaubnis zur Nutzung gegeben.
In den ersten sechs Monaten dieses Jahres hat Russland 43,5 Tonnen Gold verkauft. Aber es hat noch reichlich Reserven, Anfang Juli sollen sich noch 2.282 Tonnen Gold in den staatlichen Tresoren befunden haben. Trotzdem bedeutet dieser Verkauf den größten Rückgang der Goldreserven in den letzten 25 Jahre.
Der Goldverkauf dient in erster Linie der Deckung des russischen Haushaltsdefizits, der Staat muss immer höhere Ausgaben für den Krieg gegen die Ukraine finanzieren. Allerdings dürfte jenes verkaufte Gold meist im Land geblieben sein. In unsicheren Zeiten heben die Russen gerne ihre Rücklagen vom Konto ab und kaufen dafür Gold.
Die Kleinstadt Bad Ems liegt an der unteren Lahn und nur wenige Kilometer von der Stadt Koblenz entfernt. Bad Ems hatte seine Glanzzeit im 19. Jahrhundert. Es war die Kurstadt und Sommerresidenz von bedeutendem Adel und angesagten Künstlern. So führte zum Beispiel die Emser Depesche zum Französisch-Deutschen Krieg 1870/71.
Auch der russische Zar Alexander der II. verbrachte den Sommer gerne in Bad Ems. Dort unterzeichnete er am 30. Mai 1876 den „Emser Erlass“. Damit verbot er die Einfuhr und Veröffentlichung von Schriften in ukrainischer und belarussischer Sprache im Russischen Kaiserreich und stellte Zuwiderhandlungen unter Strafe. Eine kaiserliche Kommission hatte festgestellt, dass die Verwendung der ukrainischen Sprache staatsgefährdend wäre.
Dieses russische Überheblichkeitsdenken gegenüber den „Kleinrussen (Ukrainer)“ wirkt bis heute nach. Auf ihm basiert auch der propagandistische Überbau, mit dem der „Putinismus“ den russischen Angriffskrieg begründet.
Foto: Silin2005 -- Lizenz: Gemeinfrei -- Die Plakette wurde nach dem russischen Angriffskrieg 2022 von Unbekannten entfernt.
Wir hatten bereits über die Aussage der russischen Militätbloggerin Agnes Becker berichtet, die in ihrem Telegramkanal eine angeblich unabhängige Studie zitiert hatte. Danach würde die durchschnittliche Überlebensdauer eines Soldaten bei einem Angriff an den vordersten Positionen nur 20 - 35 Minuten betragen. Am letzten Mittwoch bestätigte der CIA-Direktor John Ratcliff diese Aussage:
„Unsere Erkenntnisse decken sich mit einigen Berichten aus offenen Quellen, die Sie möglicherweise im Zusammenhang mit der Ukraine gesehen haben: Die durchschnittliche Lebenserwartung eines russischen Rekruten, der derzeit auf dem Schlachtfeld in der Ukraine eintrifft, wird auf 20 bis 30 Minuten geschätzt.“
Durch den Einsatz von Drohnen mit KI-Unterstützung steigen jedoch die Verlustzahlen auch weit hinter der Front. Im folgenden Video sieht man solch eine Drohne, die zielgerichtet einen russischen Militärlaster ausschaltet. Vermutlich handelt es sich um die in Deutschland hergestellt HX-2 der Rüstungsfirma Helsing.
Die Kleinstadt Tschulym liegt etwa 130 km westlich der Hauptstadt Nowosibirsk. In der Stadt und im dazugehörigen Bezirk leben rund 20.000 Menschen - Tendenz rückläufig. Die Gegend ist landwirtschaftlich geprägt, etwa ein Drittel aller Erwerbstätigen arbeiten in diesem Bereich.
Ein Denkmal erinnert an die Toten aus den sowjetischen und russischen Kriegen. Im Krieg in Afghanistan sind zwei Soldaten aus dem Bezirk getötet worden, in den Tschetschenienkriegen wurden acht Männer getötet und im aktuellen Krieg gegen die Ukraine wurden bisher 113 Namen eingraviert.
Setzt man jene 113 Kriegtoten ins Verhältnis zur Bevölkerung, so würde jene Region an zweiter Stelle aller russischen Regionen in unserer entsprechenden Tabelle stehen.
Peter Frankopan ist Professor für Weltgeschichte an der Universität Oxford. In einem Essey über Wladimir Putin zitiert er den exilrussischen Telegram-Kanal „Astra“. Astra selbst zitiert in einem Beitrag eine/n Z-Blogger/in „Agna Becker“ der/die den Telegram-Kanal „Haus unter Lorbeeren“ betreibt. Agna Becker wiederum zitiert „unabhängige Studien von 'N' “ und damit kommen wir zur eigentlichen Nachricht.
Nach dieser Studie würde die durchschnittliche Überlebensdauer eines Soldaten bei einem Angriff an den vordersten Positionen nur 20 - 35 Minuten betragen. Laut der selben Studie betrage die „durchschnittliche Lebenserwartung“ eines Soldaten von der Zeit seiner Ankunft auf dem Übungsplatz bis zu seiner Abreise in den Kampfgebiet von zehn Tagen bis zu drei Wochen.
Ganz unrealistisch sind diese Aussagen nicht, wie unsere vielen Beispiele über Kurzzeitsoldaten zeigen. Wir haben Agna Becker angeschrieben und um einen Link auf die Originalveröffentlichung gebeten. Eine Antwort ist nicht zu erwarten.
„Ich freue mich auf meinen Tod“ ist der Titel einer bekannten Kantate von Johann Sebastian Bach. Die ist dem Autor spontan zum unten veröffentlichten - KI-generierten - Video eingefallen. In diesem werden 46 russische Soldaten vorgestellt, die alle aus der Großstadt Artjom oder deren näheren Umgebung in der Region Primorje stammen. Zur Erinnerung - die Region Primorje liegt im Fernen Osten Russlands. Die Soldaten im Video werfen ihre Waffen weg, lachen dabei und schreiten ins Nirwana.
Wieviel sinnvoller wäre es gewesen, wenn all diese Soldaten sich diesem verbrecherischen Krieg verweigert und gemeinsam ihre Waffen niedergelegt hätten? Sie wären zumindest lebend nach Hause gekommen. So dürfte auch diese KI-generierte Schmonzette keine Hilfe und Trost für ihre Angehörigen darstellen.
Im ersten Quartal 2026 floss beinahe jeder zweite Rubel aus dem russischen Staatshaushalt in das Militär. Das berichtet ein Mitarbeiter der deutschen Stiftung Wissenschaft und Politik in seinem aktuellen Rundschreiben. Ganz genau betragen die militärischen Ausgaben inzwischen 46% des gesamten russischen Haushalts.
Am 01.08.1914 ist Deutschland in den Ersten Weltkrieg eingetreten, am 11. November 1918 unterzeichnete eine deutsche Delegation den Waffenstillstand. Berechnet man die Zeitspanne des Krieges, so kommt man auf 1.564 Tage Krieg.
Am 24.02.2022 begann die zweite russische Invasion der Ukraine. Bis zum heutigen Tag gerechnet sind das inzwischen 1.570 Tage Krieg, der Konflikt dauert also inzwischen länger als der Erste Weltkrieg - trotz zwischen 300.000 und 500.000 russischen und vermutlich 100.000 ukrainischen Kriegstoten, all den Kriegsversehrten und unermesslicher Zerstörung der Lebensgrundlage der Menschen in der Region. Und noch immer ist kein Ende in Sicht.
Und zur Erinnerung: Die erste russischen Invasion in der Ukraine fand bereits im Jahr 2014 statt, als Russland die Krim gewaltsam annektierte und russische Geheimdiensttruppen in den Donbass einsickerten.
Das Dorf Uinskoje liegt in der russischen Region Perm mit etwa 4.000 Bewohnern. Vermutlich wurde in diesem Dorf ein Versuchsballon gestartet. In einer Information auf der VKonatkte-Seite der „Verwaltung des Stadtbezirks Uinsky“ wurde eine Anzeige der Verwaltung veröffentlicht. Danach werden Frauen in der Region Perm für den Kriegseinsatz rekrutiert. Die Behörden versprechen ein Gehalt von 210.000 Rubel pro Monat und einen Bonus von 1,5 Millionen Rubel für die Unterzeichnung eines Vertrags mit dem russischen Verteidigungsministerium. Der Vertrag soll eine Laufzeit von einem Jahr beinhalten. (Allerdings können solche Verträge laut einem Erlass des Präsidenten so lange verlängert werden, solange die Mobilisierung nicht aufgehoben ist.)
Laut dem Informationstext können nur Frauen zwischen 18 und 35 Jahren einen Vertrag als Drohnenpilotin unterzeichnen, Frauen unter 45 Jahren dürfen sich für Positionen als Fahrerin für humanitäre Hilfstransporte bewerben.
Die Informationsseite wurde inzwischen gelöscht. Allerdings ist es uns gelungen, noch einen Screenshot der betreffenden Anzeige zu sichern (Original, deutsche Übersetzung.).
Die russische Zensur verbietet die genaue Berichterstattung über die vielen ukrainischen Drohnenangriffe auf Erdölraffinerien und Militärstützpunkte im ganzen Land. Die örtlichen Medien berichten deshalb nur sehr zögerlich über die Resultate und zitieren lieber staatliche Erfolgsmeldungen, dass wieder eine Vielzahl von Drohnen abgeschossen wurden.
In den Kommentaren zu den Berichten der großen lokalen Medien ließen die Bürger ihrer Wut freien Lauf und verspotteten Behörden und Regierung. Wir haben mehrfach solche Kommentare veröffentlicht.
In den letzten Tagen gab es erneut Drohnenangriffe auf die Region Krasnodar und St. Petersburg. Wieder wurde im Raum Krasnodar eine Erdöl verarbeitende Anlage in Brand gesetzt und bei St. Petersburg wurde ein Munitionslager angegriffen. Es kam zu Explosionen, die Bevölkerung in der Nähe wurde evakuiert.
Leserkommentare zu den Berichten von Fontanka in St. Petersburg sind jetzt nicht mehr möglich, die Funktion wurde deaktiviert.
Die russische Staatsbank hat eine neue Tabelle über ihre Währungsreserven bis einschließlich 1. Mai veröffentlicht. Danach verkauft die Zentralbank seit Jahresanfang monatlich eine beträchtliche Menge an Gold - insgesamt knapp 28 Tonnen.
Russland dürfte durch den Verkauf etwa 3,7 Milliarden Euro eingenommen haben. Das russische Staatsvermögen wird aber nur zu einem geringen Teil, wenn überhaupt, bei den Bürgern ankommen. Der Staat benötigt die Einnahmen, um seinen Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren.
„Udmurtien gegen Koruption“ ist ein Telegram-Kanal, über den wir auch Meldungen über russische Kriegstote aus der russischen Teilrepublik Udmurtien beziehen. Der Gründer des Kanals, Iwan Elisejew, hatte bis zum Jahr 2021 das regionale Büro Alexej Nawalnys geleitet. Ende 2021 verließ auch Elisejew Russland, um einer Verhaftung zu entgehen.
„Udmurtien gegen Koruption“ wurde inzwischen in das russische Register der „ausländischen Agenten“ aufgenommen. Iwan Elisejew wurde aktuell vom russischen Innenministerium zur Fahndung ausgeschrieben.
Am 13. und 14. Mai startete Russland den größten Drohnenangriff auf Kiew und die gesamte Ukraine. Moskau setzte 1.567 Drohnen und 56 weitere Raketen ein. Allein in Kiew wurden 24 Menschen getötet.
Zwei Tage später griffen ukrainische Drohnen zum ersten Mal in großem Umfang die Region Moskau an. Ziele waren eine Erdölraffinerie und Betriebe mit militärischer Produktion. Mindestens drei Menschen wurden getötet.
Zum Bericht des Moskauer Internetportals MSK1 über die Schäden, gab es auch einige interessante Kommentare:
Das WZIOM ist ein staatliches Meinungsforschungsinstitut in Russland, das größte seiner Art im Land. Es veröffentlicht regelmäßig Untersuchungen über die Beliebtheitswerte des Präsidenten, der russischen Regierung und der Stimmung im Land. Im April 26 berichtete das Institut, dass die Zustimmungswerte zur Amtsführung des Präsidenten auf 65,6% gefallen wäre. Dem Ministerpräsidenten und seine Regierung bescheinigte das Institut Zustimmungswerte von 44,3%, bzw. 39,7%. Für eine deutsche Regierung wären das beruhigende Werte, im autoritären Staat Russland geht so etwas nicht.
Im Mai 2026 änderte WZIOM dann die Methodik - und siehe da, die Werte für Putin wurden besser. Zitat:
Laut den Ergebnissen einer gemeinsamen Umfrage unter Russen lag die Zustimmungsrate für die Leistung des Präsidenten im Zeitraum vom 4. Mai bis 10. Mai 2026 bei 66,8 %. Die positive Bewertung der Arbeit des Premierministers und der russischen Regierung in der vergangenen Woche betrug 42,2 % bzw. 38,9 %.
Damit kann Präsident Putin ganz gut leben und alle aktuellen politischen Probleme an seine Regierung adressieren.
Damit alles passt, hat WZIOM diesmal seine Methodik verändert. Statt einer reinen Telefonbefragung der Bürger, ist man jetzt zusätzlich von Haustüre zu Haustüre gegangen und hat die Menschen direkt angesprochen.
Frage an unsere Leser: Würden Sie in einem autoritären Staat eine ehrliche Antwort geben, wenn ein Unbekannter vor ihrer Tür steht und Sie nach Ihrer Meinung zum Präsidenten befragt? Auch wenn der Frager versichern würde, alles bliebe anonym?
Jeder deutsche Bundeskanzler wäre glücklich und froh, wenn er die Zustimmungswerte des russischen Präsidenten auch nur annähernd erreichen könnte. Die lagen seit Beginn des Angriffskrieges stabil bei über 80% in der russischen Bevölkerung.
Doch Unruhe kommt auf, das einzig verbliebene, unabhängige russische Meinungsforschungsinstitut, das Lewada-Zentrum, berichtet von ihrer letzten Umfrage vom 30.04.26:
Die Zustimmungswerte für Wladimir Putin als Präsident lagen im April 2026 bei 79 Prozent und sind in den vergangenen sechs Monaten kontinuierlich gesunken – um 8 Prozentpunkte seit September 2025. 16 Prozent der Befragten missbilligen die Amtsführung des Präsidenten (ein Anstieg um 5 Prozentpunkte seit September 2025). Dies ist das erste Mal seit Herbst 2022, dass dieser Wert unter 80 Prozent gefallen ist.
Am 9. Mai feierte ganz Russland den Tag des Sieges über Nazideutschland. Aus Sicherheitsgründen wurden landesweit die Massenveranstaltungen mit Militärparaden und schwerem Gerät abgesagt. Doch kleinere Paraden fanden statt, häufig mit Bezug auf den Krieg gegen die Ukraine.
„Gesucht wird Valentin Michailowitsch Kulikow, geboren am 22.03.2007. Militäreinheit 75281. Er ging am 09.06.2025 in Redkodub auf Patrouille. Ab dem 11.06.2025 wurde er vermisst. Von der Einheit wurde berichtet, dass die Gruppe unter einen Mörserbeschuss geraten sei und die Soldaten sich zur Erhaltung der Truppe zerstreut hätten. Seine Mutter sucht nach ihm. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder er ist gefangen oder er liegt in einem Buschversteck. Dort herrscht eine Temperatur von 40 Grad.“ Telegram vom 11.08.25 (Kopie).
Inzwischen wissen wir aus dem russischen Erbschaftsregister, dass Valentin am 11. Juni 2025 getötet wurde. Ein Foto und weitere Informationen haben wir nicht gefunden.
Was wir aber sicher wissen: Valentin wurde am 22.03.2025 18 Jahre alt. Erst danach konnte er einen Vertrag mit dem russischen Militär abschließen. Und militärische Vorkenntnisse hatte er auch nicht. 81 Tage oder nicht ganz drei Monate nach seinem 18. Geburtstag wurde Valentin an der Front verheizt.
Am 30. April begeht Russland zum ersten Mal den Tag der indigenen Völker. Vor Vertretern verschiedener Ethnien erklärt Wladimir Putin:
In der Russischen Föderation leben 47 indigene Völker. Jedes von ihnen ist ein integraler Bestandteil des Landes und seiner unverwechselbaren Vielfalt und trägt zudem einzigartige Bräuche, kulturelle Codes und nationale Eigenheiten. Jede ethnische Gruppe innerhalb der brüderlichen Völkerfamilie Russlands stellt das gemeinsame Erbe des Landes dar. Dessen Erhaltung, Wachstum und Wohlergehen bedeuten unmittelbar die Erhaltung und das Wachstum des gesamten multinationalen Volkes Russlands.
Perm - das ist die östlichste Millionenstadt in Europa und Hauptstadt der gleichlautenden Oblast. Ukrainische Langstreckendrohnen haben in der Nacht zum 29. April 2026 Rohöl verarbeitende Anlagen in der Stadt in Brand gesetzt. Eine riesige schwarze Rauchsäule steigt seither zum Himmel.
Der Gouverneur der Region, Dimitri Machonin, gibt Entwarnung: „Die Schadstoffwerte liegen im Normbereich und stellen keine Gefahr für die Einwohner von Perm dar.“ Im Bericht des Internetmediums 59.RU geht es in den Kommentaren hoch her. Einige Beispiele:
Am 17. April wurde der Vater des 43-jährigen christlichen Bloggers Vegan Christoljub Boschij (Foto links bei einer Anti-Kriegsdemonstration) informiert, dass er die Leiche seines Sohnes aus einer Strafkolonie in der Oblast Woronesch abholen könne. Sein Sohn hätte sich in seiner Zelle erhängt. Seine Familie hält einen Selbstmord für unwahrscheinlich: „Seinen religiösen Überzeugungen zufolge ist das eine Sünde“, sagten sie.
Vegan, der bürgerlich mal Dimitrij Kusnetzow hieß, war bekennender Christ, Kriegsgegner und Veganer. Er hatte sich in YouTube-Videos kritisch zur Rolle der Sowjetunion im 2. Weltkrieg geäußert und meinte zudem, dass der Islam nicht als Religion der Gewaltlosigkeit betrachtet werden sollte. Dafür bekam Vegan drei Jahre Haft in einer Strafkolonie.
Vegan war allerdings alles andere als ein weltabgewandter christlicher Fundamentalist, wie auch seine Einschätzung des russischen Präsidenten zeigt:
„Seit 25 Jahren regiert das Land ein verrückter, alter Geheimdienstler, der längst kein heimlicher, sondern ein offenkundiger Menschenfresser geworden ist, dessen jedes Wort per Definition eine Lüge ist. Polen hat Hitler 1939 dazu gezwungen, es anzugreifen.... Wir bedrohen niemanden, wir brauchen keine fremden Länder, Wehrpflichtige kämpfen nicht (im Krieg gegen die Ukraine, Red.), es wird keine Mobilmachung geben, ‚sie sind nicht da‘. Wir brauchen die Krim nicht, ich werde das Rentenalter nicht anheben, sie ist untergegangen (Flaggschiff Moskwa, Red.), ich werde die Verfassung nicht ändern, ich werde nicht für eine dritte Amtszeit kandidieren, ich werde mich nicht an der Macht festklammern und so weiter, man könnte die Liste noch sehr lange fortsetzen. Nur in einer Sache hat er nicht gelogen, nämlich als er sagte, ich zitiere RIA Novosti vom 12. 2. 2004: „Wenn man sieben Jahre lang so als Präsident arbeitet, kann man den Verstand verlieren.“
In den letzten Tagen sind russische Gerbera-Drohnen über der ukrainischen Region Sumy aufgetaucht und haben Flugblätter abgeworfen. Flugblätter über feindlichem Gebiet abzuwerfen ist eine bekannte Methode der psychologischen Kriegsführung, die man bereits aus dem zweiten Weltkrieg kennt. Im russischen Krieg gegen die Ukraine werden Flugblätter aus der Luft von beiden Seiten verwendet, meist um die gegnerischen Soldaten zur Kapitulation aufzufordern.
Neu ist allerdings, dass Russland versucht, mit der Weltpolitik Ängste bei der Zivilbevölkerung auszulösen. Und wer wäre da besser geeignet als der amerikanische Präsident? So bildet jenes Flugblatt die aktuelle politische Situation nach. Donald Trump wendet sich von der Ukraine ab (was er eigentlich schon länger tut) und kümmert sich um seinen eigenen Krieg gegen den Iran. Der Text: „Die Hilfe für die Ukraine gehört der Vergangenheit an!“