City Hall Belovo 5254

Stadthalle von Belowo -- Foto: Vestnik-64  -- Lizenz: CC BY-SA 3.0

Die Stadt Belowo im Kohlerevier des Kusbass (Oblast Kemerowo) muss man nicht kennen. Sie lebt zum großen Teil von der Kohleförderung - mit all den dazu gehörigen ökonomischen und ökologischen Problemen. Und so wundert es auch nicht, dass die Bevölkerung langsam abwandert. Denn der Kohleabbau rentiert sich häufig nicht mehr, die Männer werden arbeitslos und ziehen mit ihren Familien weg. Im Jahr 1962 lebten noch 118.000 Menschen in Belowo, heute sind noch rund 67.000 geblieben.

Wer arbeitslos oder prekär beschäftigt ist, der ist anfällig für das allgegenwärtige Werben zum Vertragsdienst beim russischen Militär. Und so ziehen manche Männer statt in den Schacht jetzt in den Krieg gegen die Ukraine. Wie viele das sind, wissen wir nicht. Aber im Augenblick protokolliert eine VKontakte-Seite jeden Tag mindestens einen Kriegstoten, der im Zinksarg zurück zur Stadt Belowo oder dem dazugehörigen Bezirk gebracht und dort beerdigt wurde. Stand heute sind es 43 getötete Soldaten, die im Jahr 2026 auf dieser VKontakte-Seite veröffentlicht wurden.

Dalyr

Dorf Dalyr im Werchnewiljujski Ulus (Bezirk) in Jakutien 

Wir befinden uns ganz grob im Zentrum der russischen Teilrepublik Jakutien. Der Werchnewiljujski Ulus (Bezirk) ist nicht ganz so groß wie Niedersachsen, wird aber nur von rund 21.000 Menschen bewohnt, fast ausschließlich Jakuten und Ewenken. Das Klima ist ausgeprägt kontinental, mit Wintertemperaturen von bis zu minus 60 Grad Celsius und Sommertemperaturen von bis zu 33 Grad Celsius.

Das Dorf Dalyr liegt in diesem Bezirk und dort wohnen rund 700 Menschen. Und auch in diesem abgelegenen Teil Jakutiens ist der russische Angriffskrieg angekommen.

Drei Brüder aus dem Dorf, Kinder der ehemaligen Lehrerin Valentina Osipow(Video), wurden aktuell im Krieg gegen die Ukraine getötet. Insgesamt haben wir sieben getötete und einen vermissten Soldaten aus Dalyr erfasst.

Andrej Jewgenjewitsch Graf

Andrej Jewgenjewitsch Graf (Граф Андрей Евгеньевич), geboren am 03. Dezember 1991, lebte im Dorf Golyschmanowo in der sibirischen Oblast Tjumen. Sein VKontakte-Status ist verwaist und gibt keine Informationen her. 
Seine Schwester hat unter ihren Freunden allerdings einige Personen mit deutschem Namen. Man kann deshalb eine russlanddeutsche Abstammung annehmen.
Wann und warum Andrej in den Krieg zog, konnten wir nicht herausfinden. Am 11. Mai 2025 wurde sein Tod öffentlich gemacht.

Igor Keller

Igor Wladimirowitsch Keller (Келлер Игорь Владимирович), geboren am 24.11.1984, lebte mit seiner (Ex-?)Familie in der Stadt Kamen am Ob in der Region Altai. Er war etwas bei Odnoklassniki (Klassenkameraden) aktiv, unter seinen Freunden finden sich auch deutsche Namen.
Im August 2023 findet man dort auch einen Aufruf zur Ablösung von Wladimir Putin.
An 31.12.2024 schreibt seine Schwester: „Ich suche meinen Bruder Igor Wladimirowitsch Keller, geboren am 24. November 1984. Er ging am 4. Dezember 2024 auf einen Kampfeinsatz. Seit dem 10. Dezember 2024 gilt er als vermisst.“

Maxim Lindermann

Maxim Lindermann 
(Линдерман Максим Дмитриевич), geboren am 24.09.1994, lebte in der westsibirischen Großstadt Kurgan. Er hatte ein gepflegtes Aussehen, ein abgebrochenes Hochschulstudium und arbeitete wohl als Barkeeper.
Wir haben keine Hinweise zu einer russlanddeutschen Herkunft gefunden. Und wir haben auch auf seinen Seiten bei VKontakte und Instagram keinerlei Anhaltspunkte gefunden, warum er in den Krieg gegen die Ukraine gezogen ist.
In einem inzwischen gelöschten Beitrag auf Telegram wurde nach ihm unter den gefallenen Soldaten gesucht, das russische Erbschaftsregister meldete seinen Tod am 20. Februar 2025.

Familie Lutschnikow

Familie Lutschnikow mit ihren beiden Adoptivkindern

Iwan Maslennikow und Pawel Popow waren zwei afro-russische Kinder von verschiedenen Müttern, die in Waisenhäusern in Moskau aufwuchsen. In beiden Fällen handelte es sich um Kinder von afrikanischen Männern und russischen Frauen. Die Männer blieben nicht in Russland, die Frauen wollten sich nicht mit einem „farbigen“ Kind belasten und gaben die Kinder in staatliche Fürsorge.

Beide Kinder wurden in jungen Jahren von der musikalischen Familie Lutschnikow aus der Stadt Uwarowo in der Oblast Tambow adoptiert, die keine Probleme mit der Hautfarbe der Kinder hatte.

Syktyvkar Komi Republic Russia

Syktywkar -- Foto: msdte -- Lizenz: CC BY 3.0

Etwa 4.000 Bewohner hat die Siedlung Werchnjaja Maksakowka. Sie gehört zu Syktywkar, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Komi und hatte nach dem zweiten Weltkrieg sogar eine deutsche Geschichte. Von 1931 bis 1956 befand sich auf dem Gebiet des Dorfes eine Sondersiedlung, in der enteignete Bauern und später deportierte russische Deutsche lebten. Ein Gedenkstein im Ort erinnert an diese Russlanddeutschen.

In dieser Siedlung wuchsen zwei Jugendliche auf, die miteinander befreundet waren und sich gemeinsam entschlossen, zusammen in den Krieg zu ziehen - Wladislaw Jurjewitsch Katyschew und Wladislaw Alexandrowitsch Bojarkin

Sergey PushninZurück in die Jahre 1998 bis 2010 ins ferne Sibirien: In der Großstadt Krasnojarsk mit rund 1,4 Millionen Einwohnern trauten sich Frauen am Abend nicht mehr allein auf die Straße. Ein Serienvergewaltiger und Mörder ging um und konnte lange nicht gefasst werden. Und weil der Mann sich zudem an den Toten verging, wurde er öffentlich als „Krasnojarsker Nekrophile“ gesucht.

Im Jahr 1999 wurde er wegen Vergewaltigungen zu neun Jahren verurteilt, die Morde konnte man ihm noch nicht nachweisen. Erst 2009 wurde er auch als Mörder identifiziert und zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt.

Aber Sergej bekam eine dritte Chance, sich an der Front in der Ukraine zu bewähren. Dort verschwand er im November 2024 und tauchte schließlich im russischen Nachlassregister wieder auf.

Belaja Kalitwa Kirche

Belaja Kalitwa - Kirche „Einzug der Jungfrau Maria in den Tempel“ -- Foto: Сергей С. Петров -- Lizenz: CC BY-SA 4.0

Belaja Kalitwa ist eine Stadt in der Oblast Rostow, die im waldlosen Steppengebiet des Donezbecken liegt. Lange Zeit war der Ort vorwiegend von Donkosaken bewohnt. Heute gibt es ein großes Aluminiumwerk in der Stadt, das das Stadtbild prägt. 

In Belaja Kalitwa ist ein Video entstanden, das 55 Stadtbewohner zeigt, die im Krieg gegen die Ukraine gefallen sind. Die Soldaten verwandeln sich im Film in Kraniche und fliegen davon. Dabei wurden KI-Werkzeuge reichlich in Anspruch genommen. 

Die Leibgarde des venezolanischen Präsidenten bestand zu einem erheblichen Teil aus kubanischen Soldaten. Insgesamt 32 Kubaner wurden bei der Entführung von Maduro am 3. Januar 26 auch getötet. Der Film zeigt die Überführung der sterblichen Überreste der Soldaten nach Kuba. Dort wurde inzwischen eine zweiwöchige Staatstrauer angeordnet.

Soviel Ehre wird den kubanischen Söldnern im Dienst der russischen Armee nicht zuteil. Ihre Überreste werden nicht in die Heimat ausgeflogen, selbst in Gefangenschaft geratene Kubaner erhalten keine Hilfe von der kubanischen Regierung. Die staatliche ukrainische Intiative „Ich will leben“ hat eine Liste mit 54 kubanischen Söldnern veröffentlicht, die alle auf Seiten Russlands im Krieg gegen die Ukraine gekämpft hatten und getötet wurden.

Medweschje See

Medweschje See im Tofalarija Naturreservat  -- Foto: Olegjihc -- Lizenz: CC BY-SA 4.0

Wir befinden uns im Bezirk Nischneudinsk im Westen der Oblast Irkutsk. Das Gebirge auf dem Foto ist der Ostsajan, den man meist nur per Hubschrauber erreichen kann. In diesem völlig abgelegen Teil Russlands lebt das Volk Tofalaren, von dem gerade mal noch 800 Menschen existieren. 

Die Tofalaren sind eine turksprachige Ethnie, die früher nomadisch gelebt hat und die durch andere Ethnien in das abgelegene Gebiet im Ostsayan abgedrängt wurde. Die Tofalaren lebten von der Rentierzucht und von der Jagd. Die Zivilisation bescherte ihnen sinkende Lebenserwartung, hohe Kindersterblichkeit, hohe Arbeitslosigkeit und ein schnelles Sinken des natürlichen Bevölkerungswachstums.

Mit Andrej Choljamojew stellt das Volk der Tofalaren jetzt auch den jüngsten Kriegstoten aller Völker rund um den Baikalsee.

Iwantschug 1

Am 6. Dezember 2025 fand im Dorf Iwantschug in der Oblast Astrachan eine Trauerfeier für Marat Izbassarowitsch Schadirow statt. Marat wurde am 17.08.1971 geboren, er zog in den Krieg gegen die Ukraine und wurde an jenem 6. Dezember begraben.

Das Dorf Iwantschug hat rund 1.400 Bewohner, davon 66 % Russen und 28% Kasachen. Es liegt im Wolgadelta 25 Meter unter dem Meeresspiegel. 

Kisljanskoje 1

Am 2. Dezember 25 veranstaltete die Sekundarschule des Dorfes Kisljanskoje eine Gedenkveranstaltung für die im Krieg gegen die Ukraine getöteten Dorfbewohner. Das Dorf liegt im Zentrum der Oblast Kurgan und hat knapp 900 Bewohner. Rechnet man die anderen Gemeinden dazu, die zur Dorfverwaltung gehören, so kommt man auf etwa 2.500 Einwohner.

Insgesamt wurden acht Bewohner des Dorfes inzwischen im Krieg getötet. Und natürlich bringt die Schule die Ursachen und den Ablauf des Krieges für die Schulkinder völlig durcheinander: Die Soldaten hätten für den Frieden gekämpft und Leben gerettet. 

Gurjewsk Heimatmuseum

Gurjewsky-Museums für Heimatgeschichte

Im Dezember 2025 haben wir einige Meldungen aus der Stadt Gurjewsk bearbeitet, die wir vorstellen wollen.

Gurjewsk liegt im Kussbass, etwa 200 km südlich der Hauptstadt Kemerowo und hat im Moment rund 21.000 Bewohner - Tendenz stetig abnehmend. Die Stadt entstand Angang des 19. Jahrhunderts mit dem Bau einer Silberhütte. Das Silber ist Vergangenheit, heute dreht sich alles um die Produktion von Gusseisen. Das „Gurjewsker Metallurgische Werk“ hat rund 1.800 Mitarbeiter und ist der mit Abstand bedeutendste Arbeitgeber der Stadt. Sollte es einmal geschlossen werden, dann steht es schlecht um die Stadt.

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