31.01.2026 -- 182.890 // Zuwachs zum 31.12.2025: 9.335

Stadthalle von Belowo -- Foto: Vestnik-64 -- Lizenz: CC BY-SA 3.0
Die Stadt Belowo im Kohlerevier des Kusbass (Oblast Kemerowo) muss man nicht kennen. Sie lebt zum großen Teil von der Kohleförderung - mit all den dazu gehörigen ökonomischen und ökologischen Problemen. Und so wundert es auch nicht, dass die Bevölkerung langsam abwandert. Denn der Kohleabbau rentiert sich häufig nicht mehr, die Männer werden arbeitslos und ziehen mit ihren Familien weg. Im Jahr 1962 lebten noch 118.000 Menschen in Belowo, heute sind noch rund 67.000 geblieben.
Wer arbeitslos oder prekär beschäftigt ist, der ist anfällig für das allgegenwärtige Werben zum Vertragsdienst beim russischen Militär. Und so ziehen manche Männer statt in den Schacht jetzt in den Krieg gegen die Ukraine. Wie viele das sind, wissen wir nicht. Aber im Augenblick protokolliert eine VKontakte-Seite jeden Tag mindestens einen Kriegstoten, der im Zinksarg zurück zur Stadt Belowo oder dem dazugehörigen Bezirk gebracht und dort beerdigt wurde. Stand heute sind es 43 getötete Soldaten, die im Jahr 2026 auf dieser VKontakte-Seite veröffentlicht wurden.
Weiterlesen: Belowo: Jeden Tag wird ein neuer Kriegstoter bestattet

Dorf Dalyr im Werchnewiljujski Ulus (Bezirk) in Jakutien
Wir befinden uns ganz grob im Zentrum der russischen Teilrepublik Jakutien. Der Werchnewiljujski Ulus (Bezirk) ist nicht ganz so groß wie Niedersachsen, wird aber nur von rund 21.000 Menschen bewohnt, fast ausschließlich Jakuten und Ewenken. Das Klima ist ausgeprägt kontinental, mit Wintertemperaturen von bis zu minus 60 Grad Celsius und Sommertemperaturen von bis zu 33 Grad Celsius.
Das Dorf Dalyr liegt in diesem Bezirk und dort wohnen rund 700 Menschen. Und auch in diesem abgelegenen Teil Jakutiens ist der russische Angriffskrieg angekommen.
Drei Brüder aus dem Dorf, Kinder der ehemaligen Lehrerin Valentina Osipow(Video), wurden aktuell im Krieg gegen die Ukraine getötet. Insgesamt haben wir sieben getötete und einen vermissten Soldaten aus Dalyr erfasst.
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Andrej Jewgenjewitsch Graf (Граф Андрей Евгеньевич), geboren am 03. Dezember 1991, lebte im Dorf Golyschmanowo in der sibirischen Oblast Tjumen. Sein VKontakte-Status ist verwaist und gibt keine Informationen her. |
Igor Wladimirowitsch Keller (Келлер Игорь Владимирович), geboren am 24.11.1984, lebte mit seiner (Ex-?)Familie in der Stadt Kamen am Ob in der Region Altai. Er war etwas bei Odnoklassniki (Klassenkameraden) aktiv, unter seinen Freunden finden sich auch deutsche Namen. |
Maxim Lindermann |
Weiterlesen: Deutsche Namen unter den russischen Kriegstoten von September - Dezember 2025

Familie Lutschnikow mit ihren beiden Adoptivkindern
Iwan Maslennikow und Pawel Popow waren zwei afro-russische Kinder von verschiedenen Müttern, die in Waisenhäusern in Moskau aufwuchsen. In beiden Fällen handelte es sich um Kinder von afrikanischen Männern und russischen Frauen. Die Männer blieben nicht in Russland, die Frauen wollten sich nicht mit einem „farbigen“ Kind belasten und gaben die Kinder in staatliche Fürsorge.
Beide Kinder wurden in jungen Jahren von der musikalischen Familie Lutschnikow aus der Stadt Uwarowo in der Oblast Tambow adoptiert, die keine Probleme mit der Hautfarbe der Kinder hatte.
Syktywkar -- Foto: msdte -- Lizenz: CC BY 3.0
Etwa 4.000 Bewohner hat die Siedlung Werchnjaja Maksakowka. Sie gehört zu Syktywkar, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Komi und hatte nach dem zweiten Weltkrieg sogar eine deutsche Geschichte. Von 1931 bis 1956 befand sich auf dem Gebiet des Dorfes eine Sondersiedlung, in der enteignete Bauern und später deportierte russische Deutsche lebten. Ein Gedenkstein im Ort erinnert an diese Russlanddeutschen.
In dieser Siedlung wuchsen zwei Jugendliche auf, die miteinander befreundet waren und sich gemeinsam entschlossen, zusammen in den Krieg zu ziehen - Wladislaw Jurjewitsch Katyschew und Wladislaw Alexandrowitsch Bojarkin.
Zurück in die Jahre 1998 bis 2010 ins ferne Sibirien: In der Großstadt Krasnojarsk mit rund 1,4 Millionen Einwohnern trauten sich Frauen am Abend nicht mehr allein auf die Straße. Ein Serienvergewaltiger und Mörder ging um und konnte lange nicht gefasst werden. Und weil der Mann sich zudem an den Toten verging, wurde er öffentlich als „Krasnojarsker Nekrophile“ gesucht.
Im Jahr 1999 wurde er wegen Vergewaltigungen zu neun Jahren verurteilt, die Morde konnte man ihm noch nicht nachweisen. Erst 2009 wurde er auch als Mörder identifiziert und zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt.
Aber Sergej bekam eine dritte Chance, sich an der Front in der Ukraine zu bewähren. Dort verschwand er im November 2024 und tauchte schließlich im russischen Nachlassregister wieder auf.

Belaja Kalitwa - Kirche „Einzug der Jungfrau Maria in den Tempel“ -- Foto: Сергей С. Петров -- Lizenz: CC BY-SA 4.0
Belaja Kalitwa ist eine Stadt in der Oblast Rostow, die im waldlosen Steppengebiet des Donezbecken liegt. Lange Zeit war der Ort vorwiegend von Donkosaken bewohnt. Heute gibt es ein großes Aluminiumwerk in der Stadt, das das Stadtbild prägt.
In Belaja Kalitwa ist ein Video entstanden, das 55 Stadtbewohner zeigt, die im Krieg gegen die Ukraine gefallen sind. Die Soldaten verwandeln sich im Film in Kraniche und fliegen davon. Dabei wurden KI-Werkzeuge reichlich in Anspruch genommen.
Die Leibgarde des venezolanischen Präsidenten bestand zu einem erheblichen Teil aus kubanischen Soldaten. Insgesamt 32 Kubaner wurden bei der Entführung von Maduro am 3. Januar 26 auch getötet. Der Film zeigt die Überführung der sterblichen Überreste der Soldaten nach Kuba. Dort wurde inzwischen eine zweiwöchige Staatstrauer angeordnet.
Soviel Ehre wird den kubanischen Söldnern im Dienst der russischen Armee nicht zuteil. Ihre Überreste werden nicht in die Heimat ausgeflogen, selbst in Gefangenschaft geratene Kubaner erhalten keine Hilfe von der kubanischen Regierung. Die staatliche ukrainische Intiative „Ich will leben“ hat eine Liste mit 54 kubanischen Söldnern veröffentlicht, die alle auf Seiten Russlands im Krieg gegen die Ukraine gekämpft hatten und getötet wurden.
Medweschje See im Tofalarija Naturreservat -- Foto: Olegjihc -- Lizenz: CC BY-SA 4.0
Wir befinden uns im Bezirk Nischneudinsk im Westen der Oblast Irkutsk. Das Gebirge auf dem Foto ist der Ostsajan, den man meist nur per Hubschrauber erreichen kann. In diesem völlig abgelegen Teil Russlands lebt das Volk Tofalaren, von dem gerade mal noch 800 Menschen existieren.
Die Tofalaren sind eine turksprachige Ethnie, die früher nomadisch gelebt hat und die durch andere Ethnien in das abgelegene Gebiet im Ostsayan abgedrängt wurde. Die Tofalaren lebten von der Rentierzucht und von der Jagd. Die Zivilisation bescherte ihnen sinkende Lebenserwartung, hohe Kindersterblichkeit, hohe Arbeitslosigkeit und ein schnelles Sinken des natürlichen Bevölkerungswachstums.
Mit Andrej Choljamojew stellt das Volk der Tofalaren jetzt auch den jüngsten Kriegstoten aller Völker rund um den Baikalsee.
Am 6. Dezember 2025 fand im Dorf Iwantschug in der Oblast Astrachan eine Trauerfeier für Marat Izbassarowitsch Schadirow statt. Marat wurde am 17.08.1971 geboren, er zog in den Krieg gegen die Ukraine und wurde an jenem 6. Dezember begraben.
Das Dorf Iwantschug hat rund 1.400 Bewohner, davon 66 % Russen und 28% Kasachen. Es liegt im Wolgadelta 25 Meter unter dem Meeresspiegel.
Am 2. Dezember 25 veranstaltete die Sekundarschule des Dorfes Kisljanskoje eine Gedenkveranstaltung für die im Krieg gegen die Ukraine getöteten Dorfbewohner. Das Dorf liegt im Zentrum der Oblast Kurgan und hat knapp 900 Bewohner. Rechnet man die anderen Gemeinden dazu, die zur Dorfverwaltung gehören, so kommt man auf etwa 2.500 Einwohner.
Insgesamt wurden acht Bewohner des Dorfes inzwischen im Krieg getötet. Und natürlich bringt die Schule die Ursachen und den Ablauf des Krieges für die Schulkinder völlig durcheinander: Die Soldaten hätten für den Frieden gekämpft und Leben gerettet.
Gurjewsky-Museums für Heimatgeschichte
Im Dezember 2025 haben wir einige Meldungen aus der Stadt Gurjewsk bearbeitet, die wir vorstellen wollen.
Gurjewsk liegt im Kussbass, etwa 200 km südlich der Hauptstadt Kemerowo und hat im Moment rund 21.000 Bewohner - Tendenz stetig abnehmend. Die Stadt entstand Angang des 19. Jahrhunderts mit dem Bau einer Silberhütte. Das Silber ist Vergangenheit, heute dreht sich alles um die Produktion von Gusseisen. Das „Gurjewsker Metallurgische Werk“ hat rund 1.800 Mitarbeiter und ist der mit Abstand bedeutendste Arbeitgeber der Stadt. Sollte es einmal geschlossen werden, dann steht es schlecht um die Stadt.

Ein Mann in seinem Alter hat eigentlich im Krieg nichts verloren. Viktor Alexejewitsch Utjaschew wurde am 26.01.1963 im Dorf Iwolginsk in Burjatien geboren. Er arbeitete vorwiegend als Fahrer für unterschiedliche Firmen. Im Juni 2023 meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst, will aber das so nicht gewusst haben. Zumindest behauptete er das in einem Verhör durch ukrainisches Militär. Viktor war im Oktober 2023 in Kriegsgefangenschaft geraten. Doch auch Viktor bekam eine zweite Chance zum Sterben. Nach einem Gefangenenaustausch wurde er vom russischen Militär erneut an die Front geschickt. Er wurde am 12. Januar 2025 getötet.

Nachdem die Aufmerksamkeit zu unseren Veröffentlichungen wächst, eine kurze Information zu OskarMaria.
Unter diesem Pseudonym war der Initiator im Internet seit über 25 Jahren recht unregelmäßig präsent. Ab dem Jahr 2014 hat er hier über die Situation in den von Russland besetzten Gebieten des Donbass geschrieben. Als einer der ersten Journalisten überhaupt informierte er über die damals neu gegründete Gruppe Wagner.
Beruflich war er seit den 80-iger Jahren Geschäftsführer von diversen Medienunternehmen im Printbereich. Jetzt im Ruhestand, Kinder erwachsen, bleibt etwas mehr Zeit, die gesammelten Erfahrungen zusammen mit wenigen Mitstreitern für dieses Projekt zu nutzen.
Nachtrag: OskarMaria– das ist eine kleine Verbeugung vor dem beinahe vergessenen Schriftsteller Oskar Maria Graf. In Zeiten der Bücherverbrennungen wurden seine Werke von den Nazis verschont, ja sogar teilweise empfohlen. „Verbrennt mich!“ schrieb er 1933 in der Wiener Arbeiterzeitung, „nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen!“ Schließlich floh er in die USA – dort lebte er in bescheidenen Verhältnissen. Deutschland wollte den unbequemen Mann nach dem Krieg nicht wieder haben. Er starb 1967 in New York.
Literaturempfehlung: Wir sind Gefangene - Autobiograhie 1927.
Im Dezember 2025 sind im Abstand von einigen Tagen zwei Cargo-Flugzeuge in Jakutsk (Hauptstadt der Republik Sacha) gelandet und haben die Särge von im Krieg getöteten Jakuten angeliefert. Wir haben im Januar 2024 ein Video solch einer Anlieferung veröffentlicht, leider haben wir kein neues Video entdecken können.
Im Augenblick verzeichnen wir deshalb viele neue Meldungen über Kriegstote aus dieser Region Russlands. Offensichtlich wurden in letzter Zeit auch vermehrt Einheiten aus Jakutien an der Front eingesetzt. Im Internet kursierte ein Video, das die Tötung einer solchen jakutischen Einheit in einem Wäldchen an der Front zeigt.
Ganz offensichtlich sterben aktuell mit den Jakuten bevorzugt eine neue Ethnie für den Krieg der Russen. In unserer Statistik der Kriegstoten in Relation zur Bevölkerung stand Jakutien (Sacha) Ende des Jahres 2023 auf Platz 22, Ende des Jahres 2024 auf Platz 16 und zum 31.12.2025 auf Platz 9. Noch sind wir nicht so weit, den ganzen Monat Januar 2026 beurteilen zu können. Es ist aber zu erwarten, dass Jakutien weiter vorrückt.
Der Soldat in diesem kurzen Video kommt der Physiognomie nach aus dem Fernen Osten Russlands. Er hat das für ihn aussichtslose Rennen um sein Leben aufgegeben und wollte zumindest in Würde sterben.
Um die ukrainischen Verteidigungslinien zu durchbrechen, werden die russischen Zeitsoldaten alleine oder in kleinen Gruppen losgeschickt, um Lücken zu finden und die gegnerischen Linien zu infiltrieren. Die russischen Kommandanten nehmen dabei in Kauf, dass die meisten dieser Soldaten nicht zurückkehren werden - zumindest nicht lebend.
Dieser russische Angriffskrieg ist nicht nur ein Verbrechen an der Ukraine, sondern auch ein Verbrechen an den eigenen russischen Bürgern. Russland ist bereits das größte Land auf der Erde, trotzdem werden seine Männer für weitere Quadratmeter fremden Bodens geopfert.
Viktor Andrejewitsch Scharoborin (Rufname „Schwarzer“), 21 Jahre alt
Status: Verstorben
Geburtsdatum: 18.02.2004
Todesdatum: 26.06.2025
Dienstart: Freiwilliger (Vertrag seit Mai 2025)
Kinder: 2
Wohnort: Jakutsk
Anmerkung: Sein Vater, Andrej Scharoborin, wurde 2022 mobilisiert.
Meldung im Telegram-Kanal „Die Toten aus Jakutien“, einen auführlichen Nachruf zu Viktor haben wir hier veröffentlicht.
In einem Wohnhaus in Moskau wurde am 6. Februar 26 der russische General Wladimir Alexejew angeschossen. Ob der Mann das Attentat überlebt, ist im Moment noch offen. Über die Schüsse auf den Generalleutnant wurde in der Presse breit berichtet, wir wollen allerdings dessen spezifische Rolle im Krieg gegen die Ukraine etwas näher beleuchten.
Wladimir Alexejew wurde am 24. April 1961 im Dorf Golodki in der Ukraine geboren. Er machte sein Offizierspatent in der Fallschirmjägerschule in Rjasan und danach Karriere im Militärgeheimdienst. Alexejew gehörte zu den Kuratoren des Militärgeheimdienstes GRU, die die russischen Stellvertretertruppen initiierten, finanzierten, ausstatteten und beauftragten. Damit sind die russischen PMCs wie die Gruppe Wagner, Redut, Hispaniola usw. gemeint. All diese Einheiten rekrutierten sich aus Männern, denen die russische Armee zu konventionell, formalistisch und mit festgefahrenen Befehlsstrukturen erschien. Die Kämpfer der PMC agierten außerhalb des Gesetzes und konnten so für Strafmaßnahmen, Attentate auf unliebsame Politiker und für militärische Aktionen eingesetzt werden, für die die Regierung jedwede Beteiligung abstreiten konnte.
Übrigens war Wladimir Alexejew auch jener hochrangige General, der in Rostow am Don persönlich in Verhandlungen mit Jewgeni Prigoschin den Wagner-Putsch beendete.
Nach vier Jahren Krieg lösen sich jene Freiwilligenstrukturen langsam auf - sie werden nicht mehr benötigt. Die Gruppe Wagner ist seit dem Jahr 2023 Geschichte, die anderen Einheiten bluten langsam aus und haben Mühe, neuen Nachwuchs zu akquirieren. Zuletzt löste sich auch die Holligan-Einheit Hispaniola auf und ihr Anführer, Stanislaw Orlow, wurde durch staatliche Akteure liquidiert.
Aber Alexejew soll auch einer der Verantwortlichen gewesen sein, der die Abberufung des ehemaligen Kriegsministers Sergej Schoigu initiierte.
So hatte der General Feinde aus allen Richtungen - der politische Clan um Schoigu, ehemalige Söldner der zahlreichen PMCs, die sich verraten fühlen und natürlich auch der ukrainische Geheimdienst.
Der russische Soldat ist nach Hause gekommen und hat sofort mit dem weitergemacht, was er im Krieg jeden Tag tun musste. Er hat einen Schützengraben ausgehoben.
Die Frau im Off sagt sinngemäß: „Schau dir an, was mit meinem Nachbarn los ist. Er hat einen Graben im Garten ausgehoben und sitzt da voller Paranoia. Die Ärzte kamen, zuckten mit den Schultern und gingen wieder.“
Lustig ist das nicht, sondern das Beispiel zeigt, mit welchen psychischen Deformationen die Familien konfrontiert werden, wenn der Krieg vorbei ist und die Soldaten sich wieder in den Alltag eingliedern müssen.
Ende Dezember berichtete der Kreml-Mitarbeiter Sergej Nowikow, dass 250.000 ehemalige russische Soldaten keiner Arbeit nachgehen.
Zitat: „Wir haben eine ziemlich große Grauzone – Zehntausende von Menschen, die keine Arbeit gefunden haben. Sie sind zurückgekehrt, arbeiten nicht, geben entweder das erhaltene Geld aus oder bestreiten ihren Lebensunterhalt auf andere Weise… Insgesamt haben 250.000 Menschen nirgendwo eine Anstellung gefunden…“
Staatliche russische Nachrichtenagenturen griffen diese Meldung auf, korrigierten sich allerdings nach kurzer Zeit. Die Zahl 250.000 wurde durch „zehntausende“ ersetzt. Solch negativen Meldungen kann die Regierung im Moment nicht brauchen.
Ende 2024 beauftragte Präsident Putin die Regierung und die Stiftung „Verteidiger des Vaterlandes“ mit der Entwicklung eines Plans zur Verbesserung der Beschäftigungsquote von Kampfveteranen. Im vergangenen Juni berichtete die Regierung , dass 57 % der demobilisierten Soldaten bereits einer Beschäftigung nachgingen, nannte aber keine konkreten Zahlen.
Der „Autonome Kreis der Nenzen“ liegt im äußersten Nordosten Europas und seine Fläche ist etwa halb so groß wie Finnland. Nur etwa 42.000 Menschen wohnen dort, davon die Hälfte in der Hauptstadt Narjan-Mar.
Am 26. Dezember 2025 meldete der Kreis den Tod des jungen Rio Andreewitsch Markow, der im Krieg gegen die Ukraine getötet wurde. Weitere Angaben zur Person gab es nicht.
Aber es gab eine recht offene Debatte in den Kommentaren zur Nachricht.
Ein paar Beispiele
Sergej Losa:
...Wie viele Tragödien werden unsere Familien noch durch die inneren und äußeren Kriege erleiden, die von der Politik unserer Machthaber verursacht werden? Wir werden im Ausland und im eigenen Land getötet. Rein hypothetisch könnten sich unsere Machthaber bei unserem Volk entschuldigen und die Menschen (Väter, Mütter) um Vergebung für die Fehler ihrer Politik bitten, ODER: DAS SIND KEINE FEHLER.
Walentina Toropowa
Sergej, wer braucht schon seine Entschuldigung?! Der Mann ist tot, und er kann nicht wieder zum Leben erweckt werden. Er hat vielleicht eine Familie, ein Kind, und seine Mutter hat ihn großgezogen! Was kümmert sie das? Wird Putins Entschuldigung sie etwa trösten? Wann hört dieser verdammte Krieg endlich auf, mein Gott, wann hören endlich die Menschen auf zu sterben?
Natalja Kortschagina
Mein aufrichtiges Beileid. Es ist so schrecklich, wenn Kinder in den Krieg ziehen müssen. In ehrender Erinnerung an den russischen Soldaten. Danke für die Zukunft – ein friedliches Leben für die nächste Generation.
Nata Lia
Natalja, Woher kommt dieses Vertrauen in die Zukunft und ein friedliches Leben für die nächste Generation? Kriege dauern an, Wälder werden zerstört, Flüsse verschmutzt, Dörfer sterben aus, die Produkte in den Regalen sind vollgestopft mit Chemikalien und Palmöl … die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Was werden unsere Nachkommen erben, außer einem digitalen Konzentrationslager, das „zu unserem eigenen Schutz“ mit unserer stillschweigenden Zustimmung errichtet wird? Sehen die Leute denn nicht, was vor sich geht?!
Vorausgeschickt - dieser russische Kriegsgefangene ist keine seriöse Quelle. Er hat sich als Freiwilliger aus dem Gefängnis freigekauft und nimmt es mit der Wahrheit nicht so genau. Das Video wurde zudem von der ukrainischen staatlichen Initiative „Ich will leben“ verbreitet, auch da ist Propaganda im Spiel. Trotzdem erscheint uns das Video berichtenswert.
Eduard Alexejewitsch Grischetschkin ist 30 Jahre alt und unterschrieb den Militärvertrag, um das Gefängnis verlassen zu können. Nach seinem Auftreten dürfte er ein Dauergast in den russischen Besserungsanstalten und Gefängnissen sein.
Er wurde bei einem Einsatz verwundet, ohne auch nur einmal sein Gewhr benutzt zu haben. So desertierte er und floh nach Sotschi. Nach eineinhalb Jahren wurde er erwischt, man schickte ihn in Socken zurück an die Front. Dort wurde er erneut zu einem Sturmangriff abkommandiert - ohne Waffen. So kam Eduard in ukrainische Kriegsgefangenschaft.
Die traurige Pointe dieser Geschichte ist - Eduard hatte zuvor eine Operation am Darm, es wurde ein künstlicher Darmausgang gelegt und er hatte einen Kolostomiebeutel am Bauch.
Solch ein unnatürlicher Darmausgang bedarf besonderer Pflege und Hygiene, beides ist im normalen Leben schon schwierig genug. An der Front und bei den Sturmtruppen ist aber eine angemessene Behandlung völlig unmöglich.
Was ist das für eine Armee, die solche Kranke oder Verletzte an die Front schickt?
Auch aus Jakutien (Sacha) werden die Stimmen lauter, die ein schnelles Ende des Krieges gegen die Ukraine fordern.
Der Telegramkanal „Initiativgruppe - Institut für Reputation der Republik Sacha (Jakutien)“ schreibt in einem Beitrag vom 24. Dezember 2025:
Die Friedhöfe von Jakutsk sind mit Teilnehmern der "SWO" übersät.
Behördenvertreter behaupten weiterhin, dass alles "nach Plan verläuft". Doch ein Gang über einen beliebigen lokalen Friedhof genügt, um zu erkennen: Die Realität stimmt nicht mit der offiziellen Rhetorik überein. Wenn dies tatsächlich der "Plan" ist, dann besteht sein Kern nur in dem massenhaften Tod von Männern in einem sinnlosen Krieg.
In Jakutsk und seiner Umgebung hat die Zahl der Bestattungen während der drei Kriegsjahre deutlich zugenommen. Um das wahre Ausmaß der Verluste zu verschleiern, werden nicht alle Teilnehmer der SWO auf einem speziellen Abschnitt des Magansky-Friedhofs begraben. Die Bestattungen werden punktuell auf verschiedenen Friedhöfen Jakutsks verteilt, was es unmöglich macht, ein vollständiges Bild der Gefallenen zu erhalten, und eine Illusion von geringeren Verlusten schafft. Besonders viele frische Bestattungen gibt es derzeit auf dem Friedhof hinter der Geflügelfabrik.
Doch trotz der wachsenden Zahl von Toten und Verletzten geben die Behörden immer noch keine klaren Antworten auf die Frage, welche Ziele dieser Krieg verfolgt, warum solche Opfer gebracht werden und welchen Preis unsere Region für Putins Abenteuer zahlen muss?
Wir meinen damit die Antrittsprämien, die Russen erhalten, wenn sie freiwillig einen Zeitvertrag mit dem Militär abschließen. Und der Begriff „Russisch Roulette“ ist dabei nicht falsch, denn die Überlebenschancen sind gering.
In der zweiten Hälfte des letzten Jahres haben viele Regionen diese Antrittsprämien stark reduziert. Offensichtlich fehlt es an Neuunterzeichner, deshalb erhöhen manche Regionen diese Prämien zum Teil erheblich - trotz chronischem Haushaltsdefizit. Denn alle Regionen müssen eine bestimmte Quote erfüllen, um jene 30.000 bis 35.000 monatlich gefallenen und verwundeten Soldaten im Krieg gegen die Ukraine zu ersetzen.
Über Anhebung der Prämien in Baschkortostan und Tatarstan haben wir bereits berichtet. In Tschuwaschien wurde die regionale Prämie von 400.000 Rubel auf 2,1 Millionen Rubel angehoben. Bis zum 31.03.26 erhält somit jeder Neuunterzeichner zusammen mit der Prämie des Staates 2,5 Millionen Rubel (€ 27.000). In Samara wurde die Einmalzahlung von 400.000 auf 1,1 Millionen Rubel erhöht, dort erhält jeder Unterzeichner zusammen mit der Staatsprämie 1,5 Millionen Rubel (€ 16.000). Und schließlich in Orenburg gibt es zusammen mit der Staatsprämie statt 800.000 Rubel jetzt 1,4 Millionen Rubel (€ 15.000). Bereits Ende Dezember hat auch die ökonomisch schwache Region Mari El die Prämien stark angehoben. Statt bisher 800.000 Rubel von Staat und Region gibt es jetzt 2,5 Millionen Rubel (€ 27.000).
Es lohnt sich also, quer durch Russland zu reisen - dorthin wo die höchsten Prämien gezahlt werden.
Die Stadt Pokrowsk in der Ukraine ist zur Zeit eine der umkämpfsten Regionen an der Front. Sie wurde im letzten Jahr mit der Taktik der Infiltration durch russische Einheiten teilweise besetzt, deren Unterstützung und Versorgung aber durch ukrainische Kräfte erfolgreich verhindert wurde. So ist die Stadt und deren Umgebung aktuell wieder frei von russischen Angreifern.
Doch immer wieder schicken russische Kommandeure ihre Soldaten einzeln oder in kleinen Gruppen in Richtung der Stadt, in der Hoffnung wieder einen Stützpunkt hinter den Verteidigungslinien aufbauen zu können. Wie in diesem Fall sind die Soldaten nicht einmal bewaffnet.
Weite Teile der Front sind vermint, aber für die vorschleichenden Soldaten warten auch andere Fallen. Unser Video zeigt eine Drohne auf der Lauer. Sie übermittelt ihre Bilder an den Drohnenpiloten, der entscheidet, wann der Sprengkörper gezündet wird. Auch jener russische Soldat wird irgendwann in unseren Listen auftauchen.
Alexej Fjodorowitsch Jeropejew wurde am 21.11.1978 im Dorf Scharaldai in Burjatien geboren. Nach der Schule begann Alexej eine Ausbildung zum Schneider und KFZ-Mechaniker. Nach einem Unfall wurde er schwerbehindert, Stufe 2. Der Nachruf schreibt: „Trotz dieser Schwierigkeiten blieb Alexey optimistisch und verdiente sich etwas dazu, indem er Kleidung und Schuhe nähte und dabei sein handwerkliches Geschick unter Beweis stellte. Er konnte keine Familie gründen, blieb aber stets ein gütiger und mitfühlender Mensch.“
Trotz schwerster Behinderung konnte Alexej am 16.05.2025 einen Vertrag als Zeitsoldat mit dem russischen Militär abschließen.
Die Sache endete schnell - Alexej wurde bereits am 11. Juni 2025 bei einem Einsatz ins Verderben geschickt.
So schwärmt der Nachruf weiter: „Alexey war von Natur aus gutherzig, mitfühlend und hilfsbereit. Er war stets bereit, andere zu unterstützen und mit ihnen Freud und Leid zu teilen. Seine Güte und Menschlichkeit werden in den Herzen all derer, die ihn kannten, für immer weiterleben.“
Ein russischer Kommandeur steht auf dem Rollfeld des Flughafens in Kaliningrad und nimmt vor dem Abflug an die ukrainische Front noch ein Video für seine Familie auf.
Seine Worte in deutscher Übersetzung:
"Hallo, meine Lieben!
Jetzt fliegen wir los. Hinter mir steht ein Il-76-Flugzeug, mit dem wir fliegen werden. Gefühle gemischt. Es ist unklar, was uns erwartet, was als Nächstes kommt.
Aber offiziell geht es in die Zone der Spezialoperation, um Verluste aufzufüllen. Die Verluste sind, soweit ich verstehe, sehr hoch. Deshalb schicken sie jeden dorthin.
Niemand wird in die Kategorie der Untauglichen eingestuft. Wir haben hier mehrere Behinderte. Sogar solche mit Prothesen. Also werden alle der Reihe nach aus dem Krieg zurückkehren – entweder behindert oder mit den Füßen voran.
Aber hoffen wir auf das Beste. Ich hoffe, lebend zurückzukommen. Gott segne euch.
Möge Gott ein schnelles Kriegsende gewähren.
Ich liebe euch, Küsse.Tschüss."