Nikolai Wassiljewitsch Senko wurde am 30.03.1979 in Ulan-Ude geboren. Nach der Schule wollte er Schauspieler werden und schloss die Schule für Kunst & Kultur ab. Doch dann kam der Wehrdienst und danach orietierte sich Nikolai neu - er wurde Polizist. Im Jahr 2018 ging er im Rang eines Polizeimajors in den Ruhestand. Doch auch ihn lockte das viele Geld im Kriegsdienst. Als einfacher Soldat meldete er sich im November 2023 freiwillig und überlebte immerhin eineinhalb Jahre. Im März 2025 war auch sein Leben beendet.

Nur zu einem Hauptschulabschluss hat es Jewgeni gebracht. Nach Schule und Wehrdienst arbeitete er als Bauarbeiter und im Schichtdienst in einem Sägewerk. Im November 2022 verpflichtete sich Jewgeni dann bei der Gruppe Wagner, überlebte das Gemetzel von Bachmut und schied mit deren Auflösung Ende Mai 2023 aus dem Kriegsdienst aus. Doch ein Jahr später meldete er sich erneut freiwillig beim Militär und zog wieder in den Krieg. Die letzte Warnung kam dann Ende Mai 2025 - Jewgeni wurde durch Granatsplitter an der Brust, an den Beinen & im Bauchbereich verletzt. Doch Jewgeni hatte immer noch nicht genug vom Töten und kehrte zur Front zurück. Im April 2026 war dann endgültig Schluss. Jewgeni Viktorowitsch Krajew (01.08.1987 - 06.04.2026) lebte im kleinen Dorf Sannomysk in Burjatien.

Der Mann auf dem Foto scheint aus Stanley Kubriks Film „Clockwork Orange“ gefallen. Tatsächlich gehörte Michail Komarow zur Rollenspielszene der russischen Stadt Kirow. Wir haben noch ein zweites Foto mit ihm gefunden, das wohl eine Szene aus dem Film „Stalker“ nachstellt. Der Film basiert auf dem Buch „Picknick am Wegesrand“ von den Strugatzki Brüdern. Das Strugatzki-Buch hat er wohl nicht begriffen. Denn am Ende der Geschichte wünschte sich der Stalker Roderic keinen persönlichen Vorteil, sondern „Glück für alle, umsonst, niemand soll erniedrigt von hier fortgehen“. Michail aber zog freiwillig in den Krieg gegen die Ukraine, es wäre seine bewusste Entscheidung gewesen. Ende April 2026 wurde er in Kirow bestattet.

Aus dem malerisch vor dem Bargusingebirge liegende Dorf Kurumkan haben wir schon 31 Kriegstote ermittelt, Michail ist der 32. Michail Syrenschapowitsch Dorschijew wurde am 14. August 1978  geboren. Nach einem guten Schulabschluss arbeitete er als Wanderarbeiter im Schichtdienst in ganz Russland. Im Oktober 2024 meldete er sich schließlich freiwillig zum Kriegsdienst und wurde neues Futter für den russischen Fleischwolf. Bereits am 20.12.2024 wurde er getötet. Seine Leiche wurde lange nicht geborgen, am 23.04.2026 wurde seine Reste im Heimatdorf begraben.

Timofej Nikolajewitsch Guljajew wurde  am 14. Juni 1990 im Dorf Wankarem in Tschukotka geboren. Das Dorf haben wir hier vorgestellt. Er war  Mitglied der „Bärenpatrouille“ seines Dorfes und sorgte dafür, dass keine ungebetenen Gäste in der Nacht Wankarem heimsuchten. Auch Timofej erlag dem vielen Geld, das der russische Staat für Kriegsfreiwillige bezahlt. Am 9. Januar 2026 wurde er getötet.

Andrej Nikolajewitsch Blisnjutschenko, geboren am 28.12.1961, lebte im Dorf Priwetnoje im Osten der Krim und war ukrainischer Staatsbürger. Warum er für Russland in den Krieg zog, wissen wir nicht. Vielleicht weil er mit seinen 65 Jahren hin und wieder einen Joint rauchte? Zumindest legt das ein Gerichtsurteil aus dem Jahr 2020 nahe: „Er sah einen wild wachsenden Hanfstrauch, entfernte ihn aus dem Boden und brachte ihn in ein Nebengebäude, wo er ihn zerkleinerte. Dadurch erwarb er illegal Hanfpflanzenteile,... die ein Betäubungsmittel enthalten.“ Das „Verbrechen“ brachte ihm ein Jahr Gefängnis auf Bewährung ein. Wegen seines Alters war er ein vorzüglicher Kandidat für jene russischen Selbstmordangriffe. Am 20.04.26 wurde er getötet und am 18.Mai bestattet.

Eduard Viktorowitsch Popow, geboren im Jahr 1972 im Dorf Lwowskoje in der Region Krasnodar, hat Zeit seines Lebens gegen die äußeren und inneren Feinde Russlands gekämpft. Er war Offizier im Tschetschenienkrieg, diente in den Truppen des Innenministeriums und  arbeitete bei den Strafverfolgungsbehörden. Im Jahr 2021 wurde er zum Bürgermeister seines Heimatdorfes gewählt. Doch mit Beginn des russischen Angriffskrieges wollte Eduard auch dabei sein. Am 14. April 2026 war Schluss mit dem Kriegshandwerk.

Ganz im Norden des Autonomen Kreises der Jamal-Nenzen liegt das Dorf Gyda mit rund 3.600 Bewohnern. Es gibt keine Straßenverbindungen zum Dorf, es kann im Sommer mit dem Schiff und sonst mit dem Hubschrauber erreicht werden. In den Zeiten des Gulags war Gyda auch ein Verbannungsort, darunter auch Deutsche. Kaum jemand konnte den Verbannungsort jemals verlassen - lebendig oder tot.  Die Dorfbewohner leben von der Rentierzucht und der Fischerei. Sergej Jar, geboren am 25. Juni 1993, kam aus diesem Dorf und war mal auf „aktiver Partnersuche“, wie aus seinem veralteten VKontakte-Status hervorgeht. Ob er eine Frau gefunden hat und warum er in den Krieg zog, bleibt unbekannt. Sergej, der Nenze, wurde am 31.03.26 nach Nenzen-Tradition, in seinem Heimatdorf beigesetzt.

Viktor & Sergej Ifimow, Onkel und Neffe, lebten im Dorf Bolschoi Pokrowskoje in der Oblast Nischni Nowgorod. Der  Onkel war ganz auf Z eingestellt, das Symbol für den russischen Angriffskrieg, irgendwann im Jahr 2024 meldete er sich freiwillig. Ganz glücklich war Sergej dagegen nicht, mit 17 Jahren war von zuhause abgehauen und wurde öffentlich gesucht. So machte Sergej es seinem Onkel nach und meldete  sich freiwillig: „Die werden mich ficken“, schrieb er in seinen VKontakte-Status. Richtig!

Wie veruntreut man Forschungsgelder? Dimitri hat es vorgemacht. Man beantragt Fördermittel beim Staat und gibt die gewährten Mittel selbst aus. Als Ergebnis reicht man dann die Arbeiten anderer Wissenschaftler ein, die man vorher einfach umgeschrieben hat. Beteiligt waren an diesem Betrug der Rektor der Polytechnischen Universität Omsk, Dmitri Pawlowitsch Maewski, die ehemalige Professorin für Außenbeziehungen und Jugendpolitik, Alexandra Kosulina, und der Professor Wladislaw Ratscheki. Im Oktober 2024 wurden alle drei zu Bewährungs- und zusätzlichen Geldstrafen verurteilt, zudem mussten sie Schadensersatz leisten.
Der jetzt ehemalige Rektor Dimitri Maewski, geboren am 03.09.1974, wollte sich mit der Tötung von Ukrainern refinanzieren und zog in den Krieg. Am 16.10.2025 wurde er selbst getötet.

Wladimir hatte schon reichlich Lametta auf seiner Heldenbrust angesammelt und hatte davon nicht genug. Wladimir Anatoljewitsch Matwejew, 67. lebte in der Großstadt Nojabrsk im Autonomen Kreis der Jamal-Nenzen und war ein Oberstleutnant im Ruhestand. Anfang 2025 meldete er sich freiwillig und wie zu erwarten, kam er tot zurück. Am 7. Mai 26 wurde er beigesetzt. Das Gedenkessen fand immerhin im Café „Gourmets Traum“ statt.

Mit tiefem Bedauern geben wir den Verlust bekannt. Während eines Kampfeinsatzes im Rahmen einer militärischen Sonderoperation starb Gulnara Asfanowna Sadykowa (5. November 1970 - 10. März 2026), eine Sanitäterin der therapeutischen Gruppe des Sanitätsdetachements (Reserve, Freiwillige) des Militärkrankenhauses“. VKontakte vom 18.03.26

Victoria Wladimirowna Priputen stammte aus Schkotowo in der Region Primorje im Fernen Osten Russlands. Zuletzt lebte sie allerdings in der Stadt Marx in der Oblast Saratow. Ihre Fähigkeit  bestand darin, Menschen für sich einzunehmen und dann gnadenlos auszunehmen.  Im März 2022 wurde sie deshalb zu 4,5 Jahren Zwangsarbeit wegen Betrugs verurteilt. Und richtig - sie meldete sich freiwillig an die Front, um der Verurteilung zu entgehen. Angefangen hatte sie dort als Köchin, wurde danach Sanitätsausbilderin, Anwältin und schließlich Oberärztin der medizinischen Abteilung. Eine Ausbildung war im Kampfgebiet nicht notwendig. Und dort wandelte sie weiter auf bewährten Pfaden - sie „borgte“ sich Geld von ihren Kameraden, zur Not auch durch Zwang. Am 7. Mai 2026 wurde sie in Marx begraben.

Irina Grigorjewna Plachonina, geboren im Jahr 1984, stammte aus dem großen Dorf Tschornomorske im Westen der Halbinsel Krim. Sie schloss sich im November 2022 der „Volksmiliz“ des Dorfes an. Im Jahr 2024 wurde sie in die Region Luhansk verlegt, Kampfname Luna. „Sie diente ehrenhaft, mit höchster Verantwortung und Treue zu ihrem Eid“, schreibt der Nachruf. Ende April wurde sie bestattet.

Im Jahr 2021 wurde Sergej Viktorowitsch Dubinski zu acht Jahren Lagerhaft verurteilt. Er war Polizeioberst in Moskau und hatte im Jahr 2018 fünf Millionen Rubel von einem Anwalt angenommen, um Ermittlungen wegen Betrugs in einer russischen Kreditbank einzustellen. Auch Sergej zog die „Ich komme aus dem Gefängnis frei“-Karte und wollte lieber Ukrainer töten, als noch lange im Knast zu sitzen. Am 20. Oktober 2024 wurde er an der Front getötet.

Alexander Gennadiewitsch Komarow war Journalist und Leiter der Programmproduktion eines Fernsehsenders in der tatarischen Großstadt Nischnekamsk. Und weil er nicht nur über den Krieg berichten, sondern mittendrin sein wollte, schloss er sich dem tatarischen Alga-Bataillon an. Über das Alga-Bataillon aus Tatarstan und sein Angriff auf Ugledar haben wir schon hier berichtet. Als Journalist hätte er nicht in den Krieg ziehen müssen, als Freiwilliger wurde er gerne genommen. Beim Militär stieg er gleich zum stellvertretenden Stabschef auf und zog am 06.02.23 los, die ukrainische Stadt Ugledar zu erobern. Ende der Karriere mit 37 Jahren. Jetzt ist er Teil einer Online-Ausstellung.

Michail Angu wurde am 25. Dezember 1990 im Dorf Nowoje Tschaplino im Autonomen Kreis der Tschuktschen geboren. Das Dorf Nowoje Tschaplino liegt am äußersten, nördlichen Zipfel von Asien am Beringmeer und hat etwa 400 Bewohner. Das Dorf entstand erst im Jahr 1958 als Eskimos (Yupik) dort angesiedelt wurden. Michael hatte nach der Berufsausbildung eine Anstellung als Dieselmotor-Führer beim staatlichen Energieunternehmen bekommen. Mit Dieselmotoren wird die Energieversorgung des Dorfes sichergestellt.
Im September 2022 wurde auch Michail mobilisiert und in den Krieg in der Ukraine geschickt. Der Staat nutzte dabei die Unwissenheit der Bevölkerung in den abgelegenen Gebieten aus, denn eigentlich waren die Männer aus den kleinen Ethnien des Nordens von der Mobilisierung ausgenommen. Michail hätte während seines Wehrdienstes  ein Fernstudium der öffentlichen und kommunalen Verwaltung absolviert, schreibt der Nachruf. Es hat nichts genützt, Michail wurde am 22.03.2026 in Nowoje Tschaplino beigesetzt.

Hauptmann Andrei Igorewitsch Semjonow, 29 Jahre alt, wurde am 28.04.2026 in seiner Heimatstadt Uljanowsk begraben - einer der vielen russischen Toten im Krieg gegen die Ukraine. Er war wohl ein Übermensch, wie sein Nachruf uns berichtet:

Der Feind hatte ihn – seine gesamte Division – schon lange gejagt. Die Männer scheuten keine Mühe: In den letzten sechs Monaten haben sie mehrere Flugzeuge, Bomben, Raketen und leistungsstarke Drohnen abgeschossen. Der Feind hasste Andrej und seine Männer mit grimmigem Hass. Und als die Feinde es herausfanden … gingen sie kein Risiko ein. Um unseren Freund zu vernichten, setzten sie drei Hammer-Raketen* gleichzeitig ein. Drei gegen einen. Weil sie Angst vor ihm hatten.
*Hammer sind keine Raketen sondern gelenkte Fliegerbomben aus französischer Produktion.

Es gibt Berichte, dass russische Kommandierende einen florierenden Drogenhandel unter den russischen Besatzungstruppen in der Ukraine betreiben würden. Ober ohne Drogen, einschließlich Alkohol, können viele der Soldaten die Brutalität des Krieges nicht ertragen. Marat Ruslanowitsch Botaschew, geboren am 08.07.1997, stammte aus der russischen Teilrepublik Karatschai-Tscherkessien. Marat hatte bereits eine Vorstrafe wegen Drogenbesitzes. Seine Kameraden fanden ihn tot in einer Kellerecke, gestorben an einer Überdosis eines Betäubungsmittels.(Link)

Roman Michailowitsch Netschajew, geboren 1973, war Leiter des Zentrums für Volkskultur in der Region Primorje. Im Jahr 2025 wurde Roman von einem Gericht in Wladiwostok  zu siebeneinhalb Jahren Haft in einer Hochsicherheitsstrafanstalt und vier Millionen Rubel Geldstrafe verurteilt. Er hatte im Jahr 2017 beim Kauf von Musikequipment zusammen mit seiner Frau Bestechungsgelder angenommen. Und gleich beging er den nächsten Fehler. Auch er wollte der Haft entgehen und lieber Ukrainer töten. So meldete er sich „freiwillig“, unternahm den langen Weg ins Kriegsgebiet und wurde getötet. Am 27. April 2026 gab die örtliche Presse sein Ableben bekannt.

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