Arsenjew

Blick auf Stadt Arsenjew -- Foto: Andshel  -- Lizenz: CC BY-SA 3.0

Dieser Beitrag stammt eigentlich vom 9. April 2024, wir haben ihn mehrfach aktualisiert. Wenn man die Namen und die Kurzlebensläufe der getöteten Soldaten durchgeht, bekommt man einen guten Überblick,  aus welchen Bevölkerungsgruppen die meist freiwilligen Soldaten stammen.

Die Stadt Arsenjew liegt in der Region Primorje im Fernen Osten Russlands und hat knapp 47.000 Einwohner mit abnehmender Tendenz. Von der Hauptstadt Wladiwostok ist sie etwa 300 km entfernt. Wichtigster Arbeitgeber der Stadt ist die Hubschrauberfabrik "Progress", die hauptsächlich für das russische Militär arbeitet.

Trotz der großen Entfernung (9.000 km Fahrstecke, Luftlinie über 7.000 km) wurden nicht wenige Bürger von Arsenjew im Krieg gegen die Ukraine getötet. Die Zentralbibliothek der Stadt veröffentlicht eine Liste der Kriegstoten aus der Stadt und Umgebung mit 237 Fällen. Diese Liste dürfte ziemlich vollständig sein und liefert uns zusätzliche Erkenntnisse, über die Entwicklung der russischen Verluste im Krieg gegen die Ukraine.

Bezirk Toptschicha

Bezirk Toptschicha -- Foto: Nikolai Tschuwajew -- Lizenz: CC0

Wir befinden uns im zentralen Teil der Region Altai im Bezirk Toptschicha. Der Bezirk hatte im Jahr 2021 noch 18.500 Bewohner, Tendenz stetig fallend. Verwaltungszentrum ist das Dorf Toptschicha mit 7.800 Einwohner. Das Klima ist kontinental mit kalten Wintern bei Durchschnittstemperaturen um -18° Celsius.

Der Bezirk hat eine Liste mit ehemaligen Bewohnern des Bezirks veröffentlicht, die im Krieg gegen die Ukraine getötet wurden. Insgesamt 131 Namen wurden veröffentlicht - das bedeutet  dass 0,7% der Bevölkerung gefallen sind, ein extrem hoher Wert. Die wirtschaftliche Lage im Bezirk dürfte so miserabel sein, so dass viele Männer versucht haben, im Krieg richtig viel Geld zu verdienen.

Der Bezirk liefert zudem eine interessante Begründung für den Krieg gegen die Ukraine:

Es herrscht erneut Vaterländischer Krieg, Krieg um unser Vaterland, um das Erbe unserer Väter und Großväter, um unsere orthodoxen Werte, gegen einen starken und hinterhältigen Feind, der mit den Bandera-Anhängern und den getäuschten ukrainischen Brüdern gegen uns kämpft.

Bredy 1

Gedenktafel an der Schule Nr. 1 in Bredy 
Links die Gefallenen aus dem 2. Weltkrieg, Mitte die Opfer im Afghanistankrieg und rechts im Krieg gegen die Ukraine

Wir befinden uns im Dorf Bredy im Süden der westsibirischen Oblast Tscheljabinsk. Das Dorf ist nur 30 km von der kasachischen Grenze entfernt, hat knapp 9.000 Bewohner und fünf Schulen. Wir wollen die „Bredinskaja-Mittelschule Nr. 1“ besuchen, die eine Gedenktafel an einer Außenwand befestigt hat. Auf der Tafel sind die Absolventen der Schule aufgeführt, die in den russischen/sowjetischen Kriegen gefallen sind.  Das sind hier der 2. Weltkrieg, der Afghanistan-Krieg und der Krieg gegen die Ukraine. Inzwischen sind mehr ehemalige Schüler im Krieg gegen die Ukraine gefallen, als im zweiten Weltkrieg.

City Hall Belovo 5254

Stadthalle von Belowo -- Foto: Vestnik-64  -- Lizenz: CC BY-SA 3.0

Die Stadt Belowo im Kohlerevier des Kusbass (Oblast Kemerowo) muss man nicht kennen. Sie lebt zum großen Teil von der Kohleförderung - mit all den dazu gehörigen ökonomischen und ökologischen Problemen. Und so wundert es auch nicht, dass die Bevölkerung langsam abwandert. Denn der Kohleabbau rentiert sich häufig nicht mehr, die Männer werden arbeitslos und ziehen mit ihren Familien weg. Im Jahr 1962 lebten noch 118.000 Menschen in Belowo, heute sind noch rund 67.000 geblieben.

Wer arbeitslos oder prekär beschäftigt ist, der ist anfällig für das allgegenwärtige Werben zum Vertragsdienst beim russischen Militär. Und so ziehen manche Männer statt in den Schacht jetzt in den Krieg gegen die Ukraine. Wie viele das sind, wissen wir nicht. Aber im Augenblick protokolliert eine VKontakte-Seite jeden Tag mindestens einen Kriegstoten, der im Zinksarg zurück zur Stadt Belowo oder dem dazugehörigen Bezirk gebracht und dort beerdigt wurde. Stand 17.02.26 sind es 43  50 getötete Soldaten, die im Jahr 2026 auf dieser VKontakte-Seite veröffentlicht wurden.

Belaja Kalitwa Kirche

Belaja Kalitwa - Kirche „Einzug der Jungfrau Maria in den Tempel“ -- Foto: Сергей С. Петров -- Lizenz: CC BY-SA 4.0

Belaja Kalitwa ist eine Stadt in der Oblast Rostow, die im waldlosen Steppengebiet des Donezbecken liegt. Lange Zeit war der Ort vorwiegend von Donkosaken bewohnt. Heute gibt es ein großes Aluminiumwerk in der Stadt, das das Stadtbild prägt. 

In Belaja Kalitwa ist ein Video entstanden, das 55 Stadtbewohner zeigt, die im Krieg gegen die Ukraine gefallen sind. Die Soldaten verwandeln sich im Film in Kraniche und fliegen davon. Dabei wurden KI-Werkzeuge reichlich in Anspruch genommen. 

Kisljanskoje 1

Am 2. Dezember 25 veranstaltete die Sekundarschule des Dorfes Kisljanskoje eine Gedenkveranstaltung für die im Krieg gegen die Ukraine getöteten Dorfbewohner. Das Dorf liegt im Zentrum der Oblast Kurgan und hat knapp 900 Bewohner. Rechnet man die anderen Gemeinden dazu, die zur Dorfverwaltung gehören, so kommt man auf etwa 2.500 Einwohner.

Insgesamt wurden acht Bewohner des Dorfes inzwischen im Krieg getötet. Und natürlich bringt die Schule die Ursachen und den Ablauf des Krieges für die Schulkinder völlig durcheinander: Die Soldaten hätten für den Frieden gekämpft und Leben gerettet. 

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